Ringsdorffwerke feiern in Mehlem Standortjubiliäum

Als "Schwarze Kunst" wurde sie belächelt, die Arbeit mit Graphit. Damals um die Jahrhundertwende. Was sollte diese Kunstfertigkeit bitteschön bringen? Sehr viel, fand Johannes P. Ringsdorff und machte sich an die Arbeit.

Mehlem. Als "Schwarze Kunst" wurde sie belächelt, die Arbeit mit Graphit. Damals um die Jahrhundertwende. Was sollte diese Kunstfertigkeit bitteschön bringen? Sehr viel, fand Johannes P. Ringsdorff und machte sich an die Arbeit.

Schließlich konnte er so seine Dynamobürsten weiter entwickeln. Ringsdorff hatte den richtigen Riecher. Kurze Zeit später wurde das gesamte Land elektrifiziert, und seine neuen "Kohlebürsten" waren sehr gute Energieleiter. Es war der Anfang einer hundertjährigen Erfolgsgeschichte.

Denn dieses Jubiläum feiern die Ringsdorff-Werke in diesen Tagen. SGL Carbon heißt das Unternehmen heute, der Mehlemer Standort ist einer von 40 Werken insgesamt - aber für die Bad Godesberger sind die Werke ein fester Arbeitgeber im Stadtbezirk. 1910 entschied sich Ringsdorff von Essen aus zu expandieren und wählte die leerstehende "Eisschrank- und Büffetfabrik Godorf" in Mehlem.

Ein kleiner Stab treuer Mitarbeiter baute den Betrieb auf. Schon wenige Jahre später arbeiteten dort 400 Mitarbeiter, wie in unternehmenseigenen Publikationen nachzulesen ist oder im Historischen Lesebuch über Godesberg, herausgegeben von der Bonner Geschichtswerkstatt.

"Junge Männer von Kopf bis Fuß mit Kohle bepudert gingen nach Schichtende durch die Straßen", kann sich Werner Schugt noch gut erinnern. Als Kind wartete er immer auf seinen "bepuderten" Vater, er selbst verbrachte sein ganzes Berufsleben dort.

1937 begann Schugt seine Ausbildung als Technischer Zeichner; 1987 ging er als Leiter der Ingenieursabteilung in den Ruhestand. Eine typische Ringsdorff-Laufbahn. "Viele arbeiten hier seit Jahrzehnten. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation", sagt Günter Piechowski, Leiter des Standortes.

Er selbst ist auch schon seit Jahren dabei, wenn auch nicht so lange wie sein pensionierter Mitarbeiter Werner Schugt. "Nach dem Krieg wuchs das Unternehmen stark. Wir haben die Gebäude und Maschinen selbst entworfen und gebaut. Das war deutlich günstiger als es machen zu lassen", erinnert sich der 87-Jährige schmunzelnd, wie er und seine Kollegen zugepackt haben.

Heute arbeiten 660 Angestellte in den zwei Werken, die direkt neben der Bahntrasse liegen. Die Kohlebürsten sind längst Geschichte - aber nicht die Arbeit mit dem hitzebeständigen Graphit. Das Unternehmen produziert zum Beispiel spezielle Heizvorrichtungen für die Halbleiterindustrie.

Die Gründerfamilie hat zwischen den 60er und 80er Jahren nach und nach Anteile an Hoechst und Siemens abgegeben. Anfang der 90er wurde das Unternehmen mit einer US-Firma fusioniert und in SGL Carbon umgenannt. Alteingesessene Godesberger werden trotzdem immer Ringsdorff sagen. Es steckt einfach viel Geschichte in diesem Mehlemer Werk.