Verkehrsprobleme in Städten

Rewe testet Nachtlieferung in Köln

Zustellroboter wie dieser des Paketlieferanten Hermes sollen künftig dabei helfen, die Verkehrsprobleme in den Innenstädten zu beheben.

Zustellroboter wie dieser des Paketlieferanten Hermes sollen künftig dabei helfen, die Verkehrsprobleme in den Innenstädten zu beheben.

Troisdorf. Unternehmen und Städte erproben neue Konzepte für den Güterverkehr. Dazu gehören auch Elektrofahrzeuge.

Wie die Innenstädte vor dem Verkehrsinfarkt bewahrt werden können, dieser Frage widmen sich weltweit Verkehrsforscher und Transportlogistiker. Wenn ein Güterfahrzeug durchschnittlich bei der Stadtfahrt 2,58 Kilometer pro Stunde zurücklegt, dann weiß man, dass da eigentlich nichts mehr geht.

Den Wert hat Professor Bert Leerkamp von der Bergischen Universität Wuppertal errechnet, und zwar für die Stadt Basel in der Schweiz. Die hatte ihn beauftragt, ein neues Güterverkehrskonzept zu entwickeln.

Leerkamp stellte einige seiner Erkenntnisse am Dienstag auf einer Konferenz in Troisdorf vor, die die Industrie- und Handelskammern (IHK) im Rheinland organisiert hatten. „Auf neuen Wegen in die City – Urbane Logistikkonzepte für morgen“ lautete das Thema der Veranstaltung. Der Handelskonzern Rewe hat gerade in Köln und Dortmund die Möglichkeit erprobt, seine Läden über Nacht mit Ware zu beliefern.

Der Vorteil: zu nächtlicher Stunde sind die Straßen leer. Der Nachteil: Das Fahren und Ausladen müssen geräuscharm erfolgen, damit Anwohner im Schlaf nicht gestört werden. „Wir hatten eine Hotline für Bürger eingerichtet. Bei Beschwerden hätten wir die Tests sofort abbrechen müssen“, berichtete Birgit Heitzer, Leiterin der Konzernlogistik bei Rewe.

Elektrofahrzeuge gehören für die Logistiker zum Konzept der Zukunft, sie kamen auch bei den Rewe-Tests zum Einsatz. Allerdings ist das teuer, denn elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge gibt es noch nicht in Serie. „Die von uns umgebauten E-Fahrzeuge kosten das Dreifache eines Diesel-Lkw“, erklärte Heitzer. Ein weiteres technisches Problem: „Wie kann man eine Fahrertür geräuscharm schließen?“ Was beim Kofferraum eines Pkw bereits geht, ist bei einer Lieferwagentür noch nicht gelöst.

Staatliche Gelder für Forschungsprojekte gegen den Verkehrsinfarkt

Forschungsprojekte wie das von Rewe werden mit öffentlichem Geld gefördert, und den Unternehmen stehen dabei wissenschaftliche Partner wie die Fraunhofer-Gesellschaft und Hochschulen zur Seite. Das Projekt „Smart Emma“ in Aachen etwa erhält Unterstützung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). „Smart Emma“ ist eine Onlineplattform, über die sich Kunden mit Lebensmitteln von Aachener Händlern beliefern lassen können – von dem Metzger um die Ecke, dem Bäcker, dem Naturkostladen.

Geliefert wird die Ware per E-Lastenfahrrad, das die Kurierfirma Clac bereitstellt. „Wir sind noch in der Testphase“, erklärte Projektleiterin Sarah Güsken vom Institut für Unternehmenskybernetik (IfU) an der Technischen Hochschule Aachen. Am Ende soll ein Geschäftsmodell stehen, das Giganten wie Amazon mit seinem neuen Lebensmittellieferdienst Konkurrenz machen kann.

In Troisdorf stellte die Deutsche Post DHL einen ihrer E-Lieferwagen der Firma Streetscooter vor, während der Paketlieferant Hermes erst noch in der Entwicklung eines eigenen Prototyps steckt. Dafür ist das Unternehmen der Otto Group kürzlich eine strategische Partnerschaft mit Mercedes Benz eingegangen. Bis 2020 will man 1500 von den Stuttgartern gefertigte E-Lieferfahrzeuge in 24 Großstädten im Einsatz haben. Für die letzte Meile zum Kunden testet Hermes außerdem die Paketlieferung mit Hilfe von Zustellrobotern, erst in Hamburg, derzeit in London.

Bei Rewe hat man aus der fünfwöchigen Testphase, die im März/April lief, den Schluss gezogen: „Die geräuscharme Nachtlogistik ist mit den heutigen Mitteln der Technik möglich.“ Ob sie sich betriebswirtschaftlich rechnet, steht auf einem anderen Blatt. Logistikchefin Heitzer kündigte an, dass man die Ergebnisse des Forschungsprojekts der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen werde.