Verdacht der Urkundenfälschung

Razzia bei Hausverwalter aus Königswinter

KÖNIGSWINTER. Jetzt ist es amtlich: Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 65-jährigen Hausverwalter aus Königswinter. Das bestätigte Fred Apostel, Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, gestern auf Anfrage. Und zwar, wie Apostel ausführte, "wegen des Verdachts der Untreue und der Urkundenfälschung".

In den vergangenen Wochen waren bei der Staatsanwaltschaft bereits zahlreiche Anzeigen gegen den Mann eingegangen. Nachdem Juristen des Vereins "Wohnen im Eigentum", der den Fall öffentlich gemacht hatte, schon länger vermuteten, dass die Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, gab es gestern Morgen Gewissheit: Ermittler begannen, das Büro des Hausverwalters in der Königswinterer Altstadt zu durchsuchen. Etwa zehn Beamte waren über Stunden im Einsatz.

Im Lauf des Vormittags herrschte in dem Gebäudekomplex, in dem die Hausverwaltungsfirma des 65-Jährigen auf der ersten Etage in zahlreichen Räumen ihren Sitz hat, ein reges Kommen und Gehen. Immer wieder mussten Ermittler zurück zu ihren Fahrzeugen, die sie auf einem benachbarten Platz geparkt hatten.

Gegen Mittag waren dann auch Mitarbeiter des Verwalters zu sehen, die offensichtlich im Zuge der Durchsuchungsaktion nach Hause gingen. Mit Unterlagen unter den Armen und Tragetaschen an den Händen verließen sie mit versteinerten Mienen das Gebäude. Gegen 13.30 Uhr sah man dann die Ermittler mit etlichen Kartons.

Einige Male gingen die Beamten, beladen mit Unterlagen, aus dem Büro des Hausverwalters zu ihren Fahrzeugen. Um kurz vor 14 Uhr erklärte ein Ermittler in Richtung der Pressevertreter; "Wir sind hier jetzt fertig. Es gibt nichts Spannendes mehr." Dem Vernehmen nach soll der chaotische Zustand der Unterlagen den Ermittlern die Auswertung nun besonders schwierig machen.

Wie mehrfach berichtet, werfen Dutzende Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) aus der Region dem Königswinterer Unternehmer vor, vor allem auf Treuhandkonten bei der Sparkasse KölnBonn angelegte Gelder der WEGs nicht ordnungsgemäß verwaltet zu haben.

Nach eigenen Angaben betreut der 65-Jährige mehr als 2000 Eigentums- und Mietwohnungen. Konkret wird ihm vorgeworfen, für das Verschwinden von Rücklagen im zum Teil sechsstelligen Bereich verantwortlich zu sein. Dabei soll er den wahren Sachverhalt über Jahre verschleiert haben. Beispielsweise durch ein undurchsichtiges Ab- und Rückbuchungssystem auf den Treuhandkonten und durch die Manipulation von Sparbüchern.

Der 65-Jährige beteuert dagegen unverändert seine Unschuld. Er habe ein "reines Gewissen", sagte der Verwalter, der gestern nicht zu erreichen war, erst vor wenigen Tagen. Auch habe er Anzeige wegen einer Morddrohung erstattet.