Bonner Firma BAD

Rasantes Wachstum mit Arbeitsmedizin

Manche Jobs sind riskanter als der Durchschnitt: Die Arbeitsmedizin ist überall gefragt.

Manche Jobs sind riskanter als der Durchschnitt: Die Arbeitsmedizin ist überall gefragt.

Bonn. Der Bonner Gesundheitsdienstleister BAD schüttet 14,5 Millionen Euro Erfolgsbeteiligung an seine 3786 Mitarbeiter aus.

Ein Betriebsarzt ist immer seltener ein Angestellter des Unternehmens. Meist kaufen Firmen die arbeitsmedizinische Betreuung der Mitarbeiter von externen Dienstleistern ein. Zu den größten Dienstleistern für Arbeits- und Gesundheitsschutz in Europa gehört die BAD-Gruppe aus Bonn.

Unter ihren Kunden sind die Deutsche Telekom, der Flughafen Köln/Bonn, Rewe, Bundesministerien und die Strabag. Für 270 000 Unternehmen mit insgesamt vier Millionen Beschäftigten arbeitet die BAD-Gruppe. „Auch bei kleineren Betrieben ist das Bewusstsein für Gesundheitsvorsorge in den vergangenen Jahren gestiegen“, sagt Bernd Siegemund, Vorsitzender der Geschäftsführung, im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Neue Unfallverhütungsvorschriften hätten dazu geführt, dass sich die Unternehmen mehr Gedanken machen und bereit seien, mehr Geld für Vorbeugung auszugeben. Früher hätten sich die Firmen auf das Notwendige beschränkt: Im Jahr 2000 seien 95 Prozent der verkauften Leistungen gesetzlich vorgegeben gewesen. Jetzt seien es nur 60 bis 65 Prozent. Es gehe beim BAD über den klassischen Arbeitsschutz hinaus zu gesundheitsfördernden Maßnahmen, die die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter förderten: So bieten BAD-Beschäftigte nicht nur Rückenschulungen an, sondern auch Ergonomieberatung am Arbeitsplatz oder mobile Massagen.

Einen Umsatz von 242,01 Millionen Euro hat die BAD-Gruppe 2015 erzielt, 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir hatten noch nie so ein erfolgreiches Jahr“, so Siegemund. 14,5 Millionen Euro wurden als Erfolgsbeteiligung an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Der Gewinn nach Steuern liegt bei 6,7 Millionen Euro. Eigentümer der BAD-Gruppe sind acht Berufsgenossenschaften und die Unfallkasse NRW.

Während das Durchschnittsalter der Arbeitsmediziner bei über 55 Jahren liege, betrage es bei der BAD GmbH gerade einmal 48 Jahre, so Siegemund. Da es keine Schichtdienste gebe, ziehe die Arbeitsmedizin auch Frauen mit kleineren Kindern an. „Wir sind ein sehr attraktiver Arbeitgeber.“ Trotz des Fachkräftemangels bei Medizinern sei es gelungen, allein in Deutschland 40 zusätzliche Arztstellen zu besetzen. Die BAD-Gruppe ist auch einer der größten Weiterbilder von Ärzten in Deutschland an rund 80 Standorten. 3786 Mitarbeiter beschäftigt die Gruppe europaweit, 199 mehr als im Vorjahr. 105 Stellen davon seien in Deutschland geschaffen worden. Rund 300 Beschäftigte sind in Bonn bei der BAD-Gruppe tätig. Seit 2001 ist die BAD-Gruppe als Team-Prevent GmbH auch außerhalb Deutschlands tätig. Der Umsatz in den anderen europäischen Ländern lag bei 21,5 Millionen Euro. In diesem Jahr wird die BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH 40 Jahre alt. Die Mitarbeiter haben das mit einem großen Fest gefeiert. Am 28. Mai 1976 wurde sie als Berufsgenossenschaftlicher Arbeitsmedizinischer Dienst von Berufsgenossenschaften gegründet. Drei Jahre zuvor war das Arbeitssicherheitsgesetz in Kraft getreten, das Betriebe verpflichtete, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu bestellen sowie einen Arbeitsschutzausschuss einzurichten. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands startete der Verein 1990 sein „Aufbauvorhaben Ost“ und eröffnete innerhalb von zwei Jahren 42 Zentren in den neuen Bundesländern. Zwei Jahre später beschloss die Mitgliederversammlung die Einführung der neuen Dienstleistung Sicherheitstechnik. 1993 erweiterte der BAD e.V. sein Angebot um Prävention und Diagnose von Erkrankungen, die mit Umwelteinflüssen in Verbindung gebracht werden sowie um die Umweltmedizin. Seit 2004 ist BAD eine GmbH.

2007 hat die BAD-Gruppe den kompletten Gesundheitsbereich sowie große Teile des Arbeitsschutzes der Deutschen Telekom AG in einem Outsourcingprojekt übernommen. Insgesamt wurden 185 Mitarbeiter integriert.

Sorge bereitet Siegemund, dass die Beueler Zentrale trotz eines gerade eröffneten Neubaus aus allen Nähten platzt. Er würde gerne erweitern. Aber ein Bebauungsplanänderungsverfahren zieht sich hin. Siegemund: „Wir konnten in den letzten drei Jahren allein nur in Bonn zusätzliche 45 bis 50 neue Arbeitsplätze schaffen und gehen auch für die kommenden Jahre von einem ähnlichen Wachstum aus.“