Erneuerbare Energien

RWE will mit Sparprogramm aus der Krise

Umstrukturierung: RWE spaltet das Geschäft mit erneuerbaren Energien in eine Tochter ab, die der bisherige Konzernchef Peter Terium (r.) leiten will. Den Mutterkonzern führt dann Rolf Martin Schmitz (links).

Umstrukturierung: RWE spaltet das Geschäft mit erneuerbaren Energien in eine Tochter ab, die der bisherige Konzernchef Peter Terium (r.) leiten will. Den Mutterkonzern führt dann Rolf Martin Schmitz (links).

Essen. Konzernchef Peter Terium: Bei aktuellen Strom-Börsenpreisen kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben.

Die Folgen der Energiewende und der damit verbundene Verfall der Strompreise im Großhandel machen dem Energieriesen RWE weiter schwer zu schaffen. Das Geschäftsjahr 2015 schloss der Konzern mit einem Minus von 170 Millionen Euro ab. 2014 lag der Gewinn noch bei rund 1,7 Milliarden Euro.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Peter Terium, kündigte bei der Bilanzvorlage in Essen schärfere Sparprogramme und die Umstrukturierung des Konzerns an. Vor allem die konventionelle Stromerzeugung stehe angesichts des anhaltenden Margenverfalls und der klimapolitischen Aufgabe vor Problemen.

„Bei einem Börsenpreis von 20 Euro je Megawattstunde kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben“, sagte Terium. Das gelte aber nebenbei auch für Gas- und Atommeiler, so der RWE-Chef weiter.

Daher wolle RWE vor allem in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren. Hier konnte das Unternehmen im abgelaufenenen Jahr das Ergebnis von 186 Millionen auf 493 Millionen Euro steigern. 2015 lag der Anteil der grünen Energie bei zehn Prozent. In Zukunft wird die Sparte der erneuerbaren Energien in eine neue RWE-Tochter ausgegliedert. Die Gesellschaft soll zum 1. April unter dem Namen „RWE International SE“ ihre Arbeit aufnehmen, gegen Ende des Jahres dann soll der Start an der Börse erfolgen. Der Erlös aus der Kapitalerhöhung soll wiederum neben Investitionen in Netze und den Vertrieb vor allem in den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien fließen, so Terium, der der neuen Gesellschaft vorstehen wird.

Umfassend umstrukturiert werden soll auch das britische Vertriebsgeschäft, wo RWE im vergangenen Jahr technische Probleme und in der Folge viele Kunden verloren hatte. „2018 wollen wir im UK aus dem Tal der Tränen heraus sein“, sagte Terium.

Trotz des radikalen Konzernumbaus werde RWE nicht auf konventionelle Stromerzeugung aus Kohle verzichten. Terium bezeichnete die Kraftwerke als Rückversicherung für die Energiewende. Aber: „Wir werden ein weiteres Sparprogramm im Bereich der Braunkohle auflegen müssen“, sagte Rolf Martin Schmitz, der in Zukunft den RWE-Mutterkonzern leiten wird. „Wie sich das auf Stellen auswirkt, ist in keiner Weise festgelegt.“ Schmitz ließ allerdings Raum für weitere Kraftwerksschließungen. „Wir werden kein Kraftwerk am Netz halten, das Cash verbrennt.“ Weiter steigern möchte RWE die Effizienz. Der Konzern hofft auf einen Ergebniseffekt von 2,5 Milliarden Euro. „Wir halten am geordneten Ausstiegspfad fest, der auf der natürlichen Altersstruktur der Kraftwerke beruht“, sagte Schmitz. Das Jahr 2050 sei für das Ende der Braukohle keinesfalls illusorisch, denn „der Bedarf an Strom wird weiter steigen“, so Schmitz. Die Zahl der RWE-Mitarbeiter betrug im vergangenen Jahr 59 762 und damit geringfügig weniger als im Vorjahr (59 784). Zahlreiche Entlassungen gibt es allerdings in Großbritannien.

Für das laufende Geschäftsjahr plant RWE einen Gewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (Ebitda) zwischen 5,2 und 5,5 Milliarden Euro und ein betriebliches Ergebnis zwischen 2,8 und 3,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis werde in einem Bereich von 0,5 bis 0,7 Milliarden Euro liegen. Ob der weitere Rückgang im Ergebnis für die Kunden durch höhere Strompreise spürbar wird, ließ Schmitz offen. „Was im sich im weiteren Verlauf 2016 tut, werden wir zu beschließen oder auch nicht zu beschließen haben.“