Rätsel um Gaspreiserhöhung in der Region

Viele Rhenag-Kunden wundern sich über Berechnungen des Unternehmens

Bonn. Als in den vergangenen Tagen die rund 80 000 Rhenag-Kunden in der Region durch das Versorgungsunternehmen in Briefen über die Erhöhung des Gaspreises informiert wurden, griffen viele von ihnen zum Taschenrechner - und kamen bei ihren Berechnungen auf höhere Steigerungsraten als von der Rhenag dem General-Anzeiger offiziell genannt.

Des Rätsels Lösung: beide Seiten haben recht. Die Rhenag berücksichtigt bei den von ihr genannten durchschnittlichen Erhöhungsraten zwischen 20 und 22 Prozent neben den jetzt deutlich heraufgesetzten Arbeitspreisen auch die Grundpreise, die konstant bleiben. Das Argument des Versorgers: für die Kunden sei letztlich entscheidend, wie stark ihre Gesamtkosten steigen.

"Unter dem Strich erhöht sich also der Jahresbetrag beispielsweise im Tarif Classic um 22 Prozent", erläuterte Ralph Rotarius, Chef der Rhenag-Unternehmenskommunikation auf GA-Anfrage - und unterstellt für diese Musterrechnung, der Haushalt verbrauche 20 000 Kilowattstunden pro Jahr und habe eine Kesselleistung von zwölf Kilowatt Nennleistung.

Falle der individuelle Verbrauch anders aus oder unterscheide sich die Geräteleistung von der Beispielrechnung, könne der Aufschlag zum 1. September aber um ein bis zwei Prozentpunkte von den genannten 22 Prozent abweichen, betont er.

Auch wenn die neu festgelegten Abschlagszahlungen der Rhenag-Kunden dank der konstanten Grundpreise also unter dem Strich weniger stark klettern als der Anstieg der Arbeitskosten vermuten lässt, ist der Blick auf diese Preiskomponente erhellend.

So steigt etwa der Arbeitspreis in der Musterrechnung für den Tarif "Classic" deutlich um 25,7 Prozent (Anhebung von 6,03 auf 7,58 Cent brutto pro Kilowattstunde). Für Kunden, die die aktuelle Gaspreiserhöhung für einen Umstieg vom Tarif "Classic" zum "Online"-Tarif nutzen, klettert der Arbeitspreis im Musterfall um 22,4 Prozent (von 6,03 auf 7,38 Cent pro Kilowattstunde).

Allerdings kommen diese Kunden unter dem Strich mit einem Plus von rund 18 Prozent etwas günstiger weg - denn der zu zahlende Grundpreis liegt im Online-Tarif einen Euro niedriger als in der "Classic"-Variante (15,07 Euro monatlich je Kilowatt Nennleistung statt 16,07 Euro). Deutlich härter trifft die Preiserhöhung allerdings die Kunden, die bislang schon im "Online"-Tarif waren.

Für sie klettert der Arbeitspreis sogar um satte 27,9 Prozent in die Höhe (von 5,77 auf 7,38 Cent pro Kilowattstunde), rechnet Rotarius vor. Und obwohl der Grundpreis auch für diese Kunden konstant bleibt, müssen sie nach seinen Angaben unter dem Strich mit einer Erhöhung ihrer Gaskosten um gut 24 Prozent rechnen.

Trotzdem sei die "Online"-Option dank des niedrigeren Grundpreises sowie des günstigeren Arbeitspreises eine kostengünstige Variante, sagt er. Bei diesem Tarif, der ein "reines Internetprodukt" ist, falle weniger Verwaltungsaufwand an.

Beispielsweise würden keine Rechnungen in Papierform gedruckt und verschickt, so Rotarius. Der Preisvorteil durch diese Einsparungen werde an die Kunden weitergegeben. Daher müssten diese etwas weniger für ihre Energie zahlen als Kunden in anderen Tarifen - trotz grundsätzlich gleicher Beschaffungskosten.