Bilanz der Deutschen Post DHL

Post sieht sich für Dieselfahrverbote gerüstet

07.03.2018, Nordrhein-Westfalen, Bonn: Melanie Kreis, Finanzvorstand der Deutschen Post, geht hinter Frank Appel, Vorstandsvorsitzender, vor der Bilanz-Pressekonferen des Unternehmens zu ihrem Platz auf dem Podium. Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

07.03.2018, Nordrhein-Westfalen, Bonn: Melanie Kreis, Finanzvorstand der Deutschen Post, geht hinter Frank Appel, Vorstandsvorsitzender, vor der Bilanz-Pressekonferen des Unternehmens zu ihrem Platz auf dem Podium. Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bonn. Der Bonner Konzern legt dank wachsender Paketmengen deutlich bei Umsatz und Gewinn zu. Post-Chef Frank Appel warnt vor einem Handelskrieg.

Angesichts der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle macht sich Post-Chef Frank Appel Sorgen über die Folgen eines Handelskrieges zwischen Europa und den USA. Zwar befürchtet die Deutsche Post DHL keine direkten Folgen von Strafzöllen auf das eigene Geschäft, aber Auswirkungen auf die Konsumlaune der Verbraucher und damit auf die Konjunktur. „Die psychologische Wirkung ist ganz dramatisch, so dass sich die ökonomische Entwicklung abkühlen könnte“, sagte Appel am Mittwoch bei der Bilanzvorlage des Unternehmens in Bonn. Nur freier Handel führe zu mehr Wohlstand. „Es gibt kein Land, das von Handelshemmnissen profitiert“, meinte der oberste Post-Manager.

Mit den Folgen selbst gemachter Handelshemmnisse schlägt sich DHL derzeit in Großbritannien und Irland herum. Hunderte Filialen von Kentucky Fried Chicken blieben Mitte Februar länger geschlossen. Es fehlte schlichtweg das Geflügel. DHL hat kürzlich mit dem britischen Unternehmen QSL, einem Spezialisten für Lebensmittellogistik, die Belieferung der KFC-Restaurants übernommen. Eine genaue Erläuterung, wie es zu der Hühnchenkrise und dem damit verbundenen Imageschaden kommen konnte, gab es am Mittwoch nicht. Es werde an der Lösung gearbeitet, die Lage sei wieder stabil. Die Probleme zeigten, wie anspruchsvoll das Logistikgeschäft sei. „Dass Dinge schief gehen, ist unerfreulich“, meinte Appel. Doch so etwas passiere mehrfach im Jahr. Bei KFC sei es sichtbarer als in anderen Fällen, weil Endkunden direkt betroffen waren.

Vor allem das wachsende Paket- und Expressgeschäft hält die Deutsche Post auf Rekordkurs. „2017 war erneut ein sehr gutes Jahr“, sagte Appel. Der operative Gewinn (Ebit) kletterte um 7,2 Prozent auf 3,74 Milliarden Euro. Der Bereich Post – E-Commerce – Parcel (PeP) trug 1,5 Milliarden Euro dazu bei, ein Plus von 3,9 Prozent. Die DHL-Sparte, in der das Expressgeschäft gebündelt ist, legte beim Ebit um 7,6 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro zu.

Der Konzernumsatz kletterte um 5,4 Prozent auf 60,4 Milliarden Euro. Im Paketgeschäft legte er um 6,4 Prozent zu, die Express-Sparte wies sogar ein Plus von 9,5 Prozent aus. Allein im deutschen Heimatmarkt stellte die Post 1,3 Milliarden Pakete zu – mehr als je zuvor. Außerdem knüpft das Bonner Unternehmen das Zustellnetz in Europa immer enger. In 26 europäischen Ländern ist der Konzern im Paketgeschäft aktiv. Es werde nicht mehr allzu lange dauern, bis das Paketgeschäft größer als das Briefgeschäft sein werde, sagte Appel. „Das würde ich eine erfolgreiche Transformation nennen.“

5500 Streetscooter

Drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in die Innenstädte machen der Deutschen Post keine Angst. Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes versicherte, das Unternehmen sei in der Lage, solche Regionen „sehr zügig mit emissionsfreien Fahrzeugen beziehungsweise Euro-6-Dieselfahrzeugen abzudecken“. Derzeit seien rund 5500 Streetscooter für die Post unterwegs. Diese elektrisch angetriebenen Lieferfahrzeuge baut der Konzern in einer Tochterfirma. Voraussichtlich würden 10 000 bis 15 000 Streetscooter in diesem Jahr hergestellt.

Neben Aachen entsteht ein zweites Werk in Düren, das laut Gerdes ab Mitte des Jahres die Produktion aufnehmen wird. Es ist auch der Bau eines größeren Elektrolieferautos geplant.

Im vergangenen Herbst hat ein regionaler Feldversuch der Post für Wirbel gesorgt, bei dem Kunden eine Zustellung nur noch einmal oder dreimal in der Woche angeboten wurde. Ergebnisse nennt die Post noch nicht, nur soviel: „Wir machen diese Befragungen nicht, um die Zustelltage zu reduzieren“, sagte Gerdes. In Zeiten der Digitalisierung müsse es darum gehen, die Wünsche der Kunden zu kennen. „Wir würden lieber sieben als sechs Tage in der Woche zustellen“, meinte Gerdes.

Wünsche an die Politik

Allerdings wollte Appel sich gar nicht zu seiner Zufriedenheit mit der 20 Jahre alten Postuniversaldienstverordnung äußern, die dem Konzern die Verpflichtung auferlegt, sechs Mal in der Woche zuzustellen. Wünsche würden nicht öffentlich, sondern gegenüber der Politik geäußert. Die Grundlage dafür biete der Koalitionsvertrag. Dort heißt es: „Die Digitalisierung hat zu gravierenden Veränderungen auf den klassischen Postdienstleistungsmärkten geführt. Daher werden wir die bestehenden Regulierungen überprüfen und vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklungen anpassen.“ Ziel sei es, weiterhin eine qualitativ hochwertige, flächendeckende und erschwingliche Grundversorgung mit Postdienstleistungen sicherzustellen.