Geldanlage in der Region

Pflegeheim in Bad Breisig lockt Schwarminvestoren an

Bald beginnt der Neubau: In Bad Breisig soll aus dem Kloster ein Pflegeheim werden. FOTO: MARTIN GAUSMANN

Bald beginnt der Neubau: In Bad Breisig soll aus dem Kloster ein Pflegeheim werden. FOTO: MARTIN GAUSMANN

Bad Breisig. Beim Crowdinvesting tragen Anleger ein Risiko, bekommen aber auch eine hohe Verzinsung.

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In Niedrigzinszeiten Geld anzulegen, ist kein besonderer Spaß. Deutschlandweit sind Menschen auf der Suche nach Wegen, die mehr als einen Ausgleich der Preissteigerung bringen. Eine recht neue Form ist das Crowdinvesting, das meist von spezialisierten Internetplattformen angeboten wird. Beim Crowdinvesting tragen Anleger das Risiko, dass sie Geld durch eine Insolvenz nicht zurückbekommen, profitieren aber von einer hohen Verzinsung.

Die Crowdinvesting-Plattform Zinsland hat erstmals eine Schwarmfinanzierung zu einer Pflegeimmobilie angeboten. Insgesamt ist es das 19. Projekt der Plattform. Zinsland hat im Februar Mittel in Höhe von einer Million Euro eingesammelt. Das Nachrangdarlehen läuft über 18 Monate und wird mit 6,75 Prozent verzinst. Anleger konnten sich bereits ab 500 Euro an dem Nachrangdarlehen beteiligen. Binnen vier Tagen hatten 160 Anleger zugegriffen und die eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Sie investieren in Bad Breisig, wo am Rheinufer eine neue Pflegeimmobilie entsteht.

Das viergeschossige Haus „Am Klösterchen“ soll 72 Pflegeapartments haben. Realisiert wird das Objekt vom Projektentwickler Wirtschaftshaus AG aus Garbsen in der Nähe von Hannover, der auf Pflegeimmobilien spezialisiert ist.

Das Kerngeschäft der Firma besteht darin, Immobilien für die Pflege älterer Menschen zu konzipieren und als Geldanlage zu verkaufen. „Wir arbeiten unabhängig von Banken“, erklärt Vertriebsvorstand Sandro Pawils. In Bad Breisig habe das Wirtschaftshaus bereits selbst 2,5 Millionen Euro investiert. Die Appartements seien auch bereits alle verkauft. Um aber weitere Mittel für den Bau des Projektes zu bekommen, habe das Familienunternehmen zum Crowd-investing gegriffen. Das mache man aber auch aus Marketingzwecken. „Wer jetzt 10 000 Euro in das Crowdinvesting investiert, kauft vielleicht später auch ein Pflegeappartement als Geldanlage über uns“, erläutert Pawils.

Er bezeichnet das Wirtschaftshaus als Marktführer in Deutschland, wenn es um Pflegeimmobilien als Kapitalanlage geht. Bislang sei es beim Wirtschaftshaus noch nie zu einem Projektausfall gekommen. Pawils sagte, er sei erfreut gewesen, wie schnell Investoren beim Crowdinvesting für Bad Breisig zugegriffen hätten.

Noch schneller ging es bei einem anderen Projekt, bei dem das Wirtschaftshaus über die Plattform Exporo Geld einsammelte. Binnen vier Stunden seien für die Pflegeimmobilie im Ortsteil Kloster Oesede von Georgsmarienhütte die gewünschten 1,68 Millionen Euro zusammen gekommen. Dort beträgt die Verzinsung des Nachrangdarlehens sechs Prozent im Jahr, und es soll über 17 Monate laufen.

Das grundlegende Prinzip des Crowdinvesting ist, dass sich mehrere Investoren mit geringen finanziellen Beiträgen an einem Unternehmen beteiligen oder Geld zur Verfügung stellen. Das kann über stille Beteiligungen, Genussrechte oder Nachrangdarlehen geschehen. Der Anreiz für den Kleinanleger liegt darin, auf hohe Rendite zu hoffen. Das Risiko ist beim Crowdinvesting allerdings ebenfalls hoch. Wie bei jeder Kapitalbeteiligung kann der Investor seinen Einsatz verlieren, wenn das Unternehmen nicht erfolgreich ist.

Ein nachrangiges Darlehen wird im Falle einer Insolvenz in dem Sinne nachrangig behandelt, als es erst nach den anderen Verbindlichkeiten bedient wird. Die Rückzahlung des Nachrangdarlehens erfolgt erst, nachdem alle anderen nicht nachrangigen Gläubiger wie Lieferanten oder Banken in voller Höhe ausbezahlt wurden.

Laut eines Marktreports der Informationsplattform Crowdinvesting sind 2016 rund 63,8 Millionen Euro in Deutschland in diese Finanzierungsform geflossen, davon der größte Teil in Immobilien. Im Jahr zuvor waren es insgesamt erst 45,8 Millionen Euro. Crowdinvesting für Immobilien sei der Wachstumstreiber des Marktes. Das Segment sei 2016 um 92,5 Prozent auf 40,3 Millionen Euro gewachsen.

In Bad Breisig will eine Tochtergesellschaft der Wirtschaftshaus-Gruppe mit dem Namen Wirtschaftshaus Care das Pflegezentrum künftig selbst betreiben. Die Baugenehmigung liegt vor. „Der Generalunternehmer ist für Mitte März bestellt“, sagt Pawils. Es ist ein Gelände mit Tradition: Die Waldbreitbacher Franziskanerinnen hatten im späten 19. Jahrhundert in der Koblenzer Straße das kleine Kloster errichtet und später ein Altenpflegeheim dort betrieben. Es wurde auch schon als Lazarett und Kindergarten genutzt. Die Schwestern verließen das Kloster in den 1980er Jahren. Seit vielen Jahren wartet das in Teilen denkmalgeschützte Gebäude auf eine neue Nutzung.