Studie der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Pendeln gehört zum Berufsalltag

Hektik im Berufsverkehr: Viele stecken morgens und abends im Stau fest.

Hektik im Berufsverkehr: Viele stecken morgens und abends im Stau fest.

BONN. Die meisten Menschen in der Region fahren täglich von ihrem Wohnort zur Arbeit in eine andere Stadt. 57 Prozent aller Erwerbstätigen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis pendeln nach einer Studie, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/ Rhein-Sieg am Montag vorstellte.

Mehr als eine Viertelmillion Frauen und Männer steigen demzufolge morgens in ihr Auto, in Busse, Bahnen oder aufs Fahrrad, um an ihren auswärtigen Arbeitsplatz zu kommen. Und weil Bonn und Umgebung eine Zuzugsregion sind, fürchtet die IHK den Verkehrskollaps.

Pendlerzahlen werden eher noch steigen

"Es wird viel zu viel Zeit auf dem Weg zur oder von der Arbeit verbracht", kritisierte IHK-Vizepräsident Alfons Am Zehnhoff-Söns. Die Wirtschaft in der Region fordert Investitionen in Straßen und öffentlichen Nahverkehr, macht sich aber wenig Hoffnungen. "Mit ist klar, dass viele Projekte in den Kommunen auf Widerstand stoßen", räumte Am Zehnhoff-Söns ein. Und für den öffentlichen Nahverkehr fehle Geld.

Dabei werde das Problem in den kommenden Jahren drückender. "In Bonn fehlt bezahlbarer Wohnraum, gleichzeitig sind in der Stadt viele Arbeitsplätze. Deshalb werden die Pendlerzahlen eher noch steigen", erläuterte Am Zehnhoff-Söns, der mit seinem Unternehmen den Bonner Hafen betreibt. Zusätzliche Staus gebe es rund um Bonn, weil die Leverkusener Rheinbrücke seit mehr als einem Jahr für Lastwagen gesperrt ist.

Mit 33 Prozent hat Bonn die geringste Auspendlerquote der Region

In der vergangenen Woche hatte bereits die Handwerkskammer Köln wegen der Verkehrssituation Alarm geschlagen und die jährlichen Einbußen für Handwerksbetriebe wegen der Staus auf 240 Millionen Euro pro Jahr taxiert.

Bonn verzeichnet von allen Städten in der Region mit 33 Prozent die geringste Auspendlerquote. 14.000 Frauen und Männer pendeln von Bonn nach Köln. Während die Tagesbevölkerung in Bonn wegen der vielen Einpendler um fast 74.000 steigt, schrumpft sie im Rhein-Sieg-Kreis deutlich. Für die Gesamtregion Bonn/ Rhein-Sieg ist der Pendlersaldo trotz der Sogkraft Bonns mit rund 4.000 leicht negativ, das heißt, mehr Menschen aus der Region arbeiten außerhalb der Region als aus Nachbarregionen einpendeln. Positive Pendlersalden können außer Bonn in der Region nur noch Siegburg und Meckenheim vorweisen. Ein positiver Pendlersaldo ist Zeichen für besonders viele Arbeitsplätze am Ort.

Die Pendlerbewegungen in der Region spiegeln der IHK-Studie zufolge die Verkehrsanbindung wider. In den Gemeinden des nördlichen und östlichen Rhein-Sieg-Kreises pendeln mehr Menschen nach Köln als nach Bonn. In den Gemeinden im westlichen und südlichen Rhein-Sieg-Kreis arbeiten hingegen mehr Pendler in Bonn. Köln ist aus dem nördlichen und östlichen Rhein-Sieg-Kreis per Straße und Bahn leichter zu erreichen. Für Pendler aus dem westlichen und südlichen Rhein-Sieg-Kreis ist Bonn leichter zu erreichen. Ein ähnliches Muster zeigt sich auch bei den Einpendlern.

Ein- und Auspendler in Bonn und der Region