Studie des Fraunhofer FIT

Onlinekauf von Obst und Gemüse noch problematisch

Eine Mitarbeiterin des Traditionsunternehmens Dallmayr bereitet Kaffee für eine Amazonfresh-Lieferung vor.

Eine Mitarbeiterin des Traditionsunternehmens Dallmayr bereitet Kaffee für eine Amazonfresh-Lieferung vor.

Bonn. Forscher haben die Effizienz von acht Online-Supermärkten untersucht. Der Anbieter Mytime landet auf Platz eins.

Online-Supermärkte verschenken noch viel Potenzial durch Festhalten an Regalstrukturen, wie das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) herausgefunden hat. So sei es nicht immer leicht, die gesuchten Produkte auf Anhieb auf der Website zu finden, da die Waren aufgrund ihrer Lagerung häufig auf unterschiedliche Kategorien verteilt seien, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des FIT in Sankt Augustin, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg entstanden ist.

Untersucht wurden acht bekannte Online-Supermärkte. Als Sieger ging Mytime hervor, den die Unternehmensgruppe Bünting aus Leer betreibt. Positiv hebt die Studie die übersichtliche Darstellung des Sortiments hervor. Produkte mit bald endendem Mindesthaltbarkeitsdatum würden vergünstigt angeboten, es gebe keinen Mindestbestellwert. Negativ fiel unter anderem auf, dass es mehrstündige Wartezeiten durch ungenaue Liefertermine gebe.

Bei Allyouneedfresh, das Platz zwei belegte, muss der Kunde hingegen Produkte im Wert von mindestens 40 Euro in den Warenkorb legen. Ansonsten heißt es lobend, dass die Angaben zu Herkunft, Reifegrad und Haltbarkeit bei diesem Anbieter am besten umgesetzt würden. Platz drei belegte Amazonfresh: Versand und Lieferung seien kundenfreundlich organisiert. Leider deckten die Liefergebiete aber nur eine kleinen Teil Deutschlands ab, kritisierten die Forscher. Einen Nachteil sehen sie auch darin, dass die Angebote mit anderen Stores von Amazon gemischt angezeigt würden.

Für die Studie hatten die Wissenschaftler Personen interviewt, die typische Nutzergruppen wie Single, Paar, Familie und Senioren vertraten. Gefragt wurde nicht nach der allgemeinen Zufriedenheit mit den Webshops, sondern ob sie Nutzungsanforderungen „effektiv und effizient“ erfüllten. Für jede Anforderung konnten bis zu zwei Punkte vergeben werden, maximal waren 100 Punkte zu erreichen. Wie viele Nutzer befragt wurden, teilte das FIT nicht mit.

"Attraktives und umfangreiches Angebot"

„Die Online-Supermärkte schaffen bereits ein attraktives und umfangreiches Angebot für ihre Kunden. Viele Vorteile des digitalen Supermarktes bleiben aber häufig noch unausgeschöpft. Sie halten zu sehr an den Strukturen des stationären Handels fest und machen den Einkauf im digitalen Supermarkt unnötig kompliziert“, erklärte Dominik Pins, Wissenschaftler am FIT. Und nicht nur das: Die beim Einkauf eingesparte Zeit gehe zumeist durch langsame Lieferung wieder verloren, so Pins.So müsse der Kunde oft stundenlang bereitstehen.

Besonders nachteilig seien Webshops bei frischer Ware wie Obst und Gemüse. Der Käufer müsse dem Onlineanbieter in diesem Bereich einen „enormen Vertrauensvorschuss“ geben. Besser wäre es, die Supermärkte würden dem Kunden kein einfaches Frische-Versprechen geben, sondern aufklären, wie die Produkte gelagert sind, wo sie herkommen und wie lange sie haltbar sind.