Nur wenige Sozialhilfeempfänger in der Stadt der Millionäre

Lediglich 0,95 Prozent der Bad Honnefer Einwohner beziehen laufende Hilfe

Bad Honnef. Nur in Düsseldorf-Meerbusch leben auf je 10 000 Einwohner gerechnet mehr Vermögensmillionäre als in Bad Honnef. Diese Spitzenposition hat die einstige Kur- und Residenzstadt bereits seit vielen Jahren inne. Im unteren Bereich befindet man sich in Bad Honnef indes dann auch bei der Anzahl der Sozialhilfeempfänger. Lediglich 0,95 Prozent der Bevölkerung sind Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt. Damit liegt man weit unter dem Landes- oder Kreisdurchschnitt.

Etwa 870 000 Euro zahlt das Sozialamt der Stadt Bad Honnef jährlich an die derzeit 248 erfassten Sozialhilfeempfänger aus. Vor Jahren war dieser Betrag höher. Durch den Rückgang der Zahl der Asylbewerber und Aussiedler kann der Rhein-Sieg-Kreis als Träger der Sozialhilfe inzwischen einen geringeren Geldbetrag auf das Konto der Bad Honnefer Stadtkasse überweisen, von wo aus die festgelegten Sätze an die Anspruchsberechtigten ausgezahlt werden.

Verändert hat sich jedoch auch nach Mitteilung von Sozialamts-Fachbereichsleiter Richard Thomas die "Vor-Ort-Überprüfung", um Sozialbetrügern auf die Spur zu kommen. Dem Missbrauch soll ein Riegel vorgeschoben werden, die Lebensumstände des Sozialhilfeantragstellers und dessen Anspruchsberechtigung werden intensiver überprüft, als dies in der Vergangenheit ohne den Einsatz von Computertechnik möglich war.

Beispielsweise wird von den Sachbearbeitern des Sozialamtes eine Wohnortüberprüfung vorgenommen, es wird untersucht, ob es unterhaltsverpflichtete Angehörige gibt, es wird ermittelt, ob verstecktes Vermögen vorhanden ist, das zunächst eingesetzt werden muss, ehe der Staat auf der Basis des Subsidiaritätsgesetzes helfend eingreift. Mit unerwarteten Hausbesuchen muss inzwischen grundsätzlich gerechnet werden, wenn ein Antrag auf Hilfe zum Lebensunterhalt gestellt wird.

Statistisch gesehen sind es 9,5 Personen, die je eintausend Einwohner gerechnet in Bad Honnef von der Sozialhilfe abhängig sind. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt, wo 39 Hilfeempfänger auf eintausend Einwohner (Rhein-Sieg-Kreis: 23 Personen) entfallen, ist dies eher gering. Auffallend hoch ist in Relation betrachtet hingegen die Zahl der Bad Honnefer Kinder, die Sozialhilfe beziehen: Von den 248 Hilfeberechtigten sind 86 unter 18 Jahre. 74 Leistungsempfänger nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) sind in der Stadt der Vermögensmillionäre im Rentenalter.

Bei 293 Euro liegt der Regelsatz, der einem Sozialhilfeempfänger zusteht, wenn er "Haushaltsvorstand" ist. Die weiteren Angehörigen erhalten - je nach Alter - einen monatlichen Betrag, der zwischen 147 Euro und 234 Euro liegt. Hinzu kommen Kosten für die Heizung sowie das Wohngeld. Außerdem gibt es einen Anspruch auf einmalige Beihilfen. Das kann beispielsweise ein Zuschuss zur Beschaffung von Kleidung oder auch zum Kauf eines Kühlschrankes sein. Kinder und Jugendliche erhalten zudem im Dezember eine Weihnachtsbeihilfe.

Im Land Nordrhein-Westfalen sind nahezu drei Viertel der Sozialhilfebezieher Deutsche, mehr als die Hälfte sind Frauen, über ein Drittel sind Kinder und jeder Zwölfte ist bereits 65 Jahre oder älter. Insgesamt beziehen 661 799 Einwohner des Bundeslandes Hilfe nach dem BSHG. Das sind zwar fast 13 000 Personen mehr als Ende des Jahres 2000, aber weniger als in den fünf Jahren davor.

Im Rhein-Sieg-Kreis hat sich die Zahl der Sozialhilfebezieher sehr stark in den zurückliegenden Jahren verändert. Während es in der 26 000 Einwohnerstadt Bad Honnef hinsichtlich der Schwankungen eher moderat zugeht, hat man im Siegburger Kreishaus einen starken Abwärtstrend bei den Zahlen feststellen müssen:

Im Jahre 1998 waren 24 385 Menschen von der Sozialhilfe abhängig, 17 993 waren es ein Jahr später. Im vergangenen Jahr suchten nur noch 13 008 Personen die Sozialämter der dem Kreis angeschlossenen Städte und Gemeinden auf. Das Durchschnittsalter der Hilfeempfänger liegt unverändert bei 30 Jahren. So auch in Bad Honnef.

Nicht immer einfach sei der Umgang mit den Besuchern des Sozialamtes, berichtet Amtschef Richard Thomas. Das Anspruchsdenken und die Erwartungshaltungen der Hilfesuchenden hätten stark zugenommen. Dies bekämen die Sachbearbeiter sehr zu spüren.