Kabelnetzbetreiber Ziggo

Nur ein Gastspiel für René Obermann

Fahnen vor der Ziggo-Zentrale in Utrecht: Die Firma wird vom Texaner John Malone gekauft.

UTRECHT. Zum Jahresanfang hat René Obermann einen für einen Topmanager ungewöhnlichen Schritt gewagt: Er räumte den Chefsessel bei der Deutschen Telekom und wechselte an die Spitze des vergleichsweise unbedeutenden niederländischen Kabelnetzbetreibers Ziggo. Er wolle noch einmal "näher an den Maschinenraum", sagte der 50-Jährige. Doch nur wenige Wochen später ist der Traum ausgeträumt. Obermann wird das Unternehmen wohl nach nur wenigen Monaten wieder verlassen.

Denn nicht nur Obermann fand den wachstumsstarken niederländischen Konzern attraktiv, sondern auch der US-Kabelgigant und Ziggo-Großaktionär Liberty Global. Er will den holländischen Wettbewerber komplett schlucken und ist bereit, dafür knapp sieben Milliarden Euro an die anderen Aktionäre zu zahlen. Gestern empfahl die Ziggo-Führungsspitze den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen. Auch Obermann plädierte dafür. Doch gleichzeitig machte er klar, dass er nach der Übernahme nicht an Bord bleiben werde.

Bereits im Oktober hatte Liberty Global nach Ziggo gegriffen und ein erstes Übernahmeangebot gemacht. Damals wollte Obermann auf GA-Anfrage noch nicht sagen, ob und inwieweit das seine weiteren beruflichen Pläne beeinflusst. Künftig als Regionalchef eines US-Konzerns zu arbeiten, der überdies über seine Töchter Unitymedia und Kabel BW Obermann jahrelang das Leben schwer gemacht hat, das passt wohl nicht in die Zukunftsplanung des früheren Telekom-Chefs. Denn der Manager hat bisher fast sein gesamtes Berufsleben auf der Überholspur verbracht. Schon mit 43 Jahren übernahm er den Chefsessel bei Deutschlands größtem Telekommunikationskonzern.

Eigentlich hatte Obermann da fast alles erreicht, wovon ein Topmanager träumen kann. Er lenkte einen der größten deutschen Dax-Konzerne. Er verdiente Millionen. Und die Ehe mit der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner brachte zusätzlichen Glamour. Sieben Jahre kämpfte Obermann darum, den nur schwer manövrierbaren Supertanker Telekom auf neuen Kurs zu bringen. "Eigentlich war immer irgendwo Alarm", sagte er auf seiner letzten Hauptversammlung.

Und dann wollte er noch einmal etwas ganz anderes machen. Schließlich ist Obermann kein "typisches Konzerngewächs". Bereits vor seiner Blitzkarriere bei der Telekom hatte er 1986 eine kleine Firma gegründet und sie zu einem mittelständischen Unternehmen mit mehreren hundert Angestellten entwickelt. Er kündigte seinen vorzeitigen Abschied bei der Telekom an. Er wolle wieder stärker unternehmerisch geprägte Aufgaben übernehmen, betonte Obermann damals und befand: "Ziggo passt daher perfekt." Die Gefahr einer Übernahme durch Liberty unterschätzte er damals wohl.

Um die Zukunft Obermanns muss man sich aber keine Sorgen machen. Nach seinem Vertrag steht Obermann bei einer Trennung wegen Eigentümerwechsels eine Abfindung von rund 3,2 Millionen Euro zu. Außerdem hat Obermann als Ziggo-Chef nicht nur Anspruch auf ein festes Jahresgehalt von 750 000 Euro, sondern kann auch mit Bonuszahlungen in Millionenhöhe rechnen.

Wahrscheinlich wird man den Manager in nicht allzu langer Zeit in einer verantwortungsvollen Position bei einem anderen Konzern sehen. Der Abschied von Ziggo sei "kein Karrierebruch", meint Wolfram Tröger vom Bundesverband der Unternehmensberater (BDU). Im Hintergrund laufe die Suche nach einer neuen Aufgabe für Obermann sicher bereits auf Hochtouren. Allerdings könne dies ein bisschen dauern. "Solche Positionen wachsen schließlich nicht auf den Bäumen." Außerdem werde Obermann seinen nächsten Schritt nach der Erfahrung bei Ziggo sicher "sehr genau prüfen", glaubt der Headhunter.