Energiewende in der Raffinerie

Neuer Schwung für Brennstoffzellen-Autos

Die Shell Rheinland Raffinerie liegt direkt am Rhein: Mitten im Werk Wesseling entsteht die Wasserstoff-Elektrolyse.

Die Shell Rheinland Raffinerie liegt direkt am Rhein: Mitten im Werk Wesseling entsteht die Wasserstoff-Elektrolyse.

Wesseling. Der Bau der weltweit größten Wasserstoff-Elektrolyse in der Raffinerie Rheinland beginnt in Wesseling. Mit EU-Fördermitteln soll die neue Technologie im Industriemaßstab erprobt werden.

In der Shell Rheinland Raffinerie gab es am Dienstag im Werk Wesseling mit dem ersten Spatenstich den Startschuss zum Bau einer Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage. Mit EU-Fördermitteln will das Refhyne-Konsortium, zu dem Shell gehört, die weltweit größte Anlage bauen. Die Investitionssumme beträgt 16 Millionen Euro. Ziel ist, die Technologie im industriellen Maßstab zu erproben, Kosten zu senken und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Der Wasserstoff, den die Zehn-Megawatt-Anlage produzieren soll, wird in erster Linie von der Raffinerie selbst verbraucht. Sie benötigt ungefähr 180 000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr, um Benzin und Diesel zu entschwefeln. Nur einen Bruchteil davon wird die neue Anlager liefern.

Bislang wird der Wasserstoff aus Erdgas und Wasserdampf hergestellt. Bei der Elektrolyse hingegen wird Wasser mit Hilfe von Strom in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Und hier setzen die Verantwortlichen des Projektes auf die Energiewende und den zunehmenden Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung.

„Wasserstoff besitzt ein großes Potenzial für ein klimaneutrales Energiesystem der Zukunft“, sagte Christoph Dammermann, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, beim Spatenstich. Wenn er aus Ökostrom gewonnen werde, könne er als wichtiger Energieträger und Langzeitspeicher im Verkehrs-, Wärme- und Industriesektor dienen und so zu einem Schlüsselelement für die Energie- und Verkehrswende werden. Wasserstoff wird für Brennstoffzellen-Fahrzeuge gebraucht. Sie werden immer wieder als eigentliche Antriebsform der Zukunft gepriesen, konnten aber bislang noch keine Breitenwirkung entfalten. Erst wenige hundert Brennstoffzellen-Autos sind auf deutschen Straßen unterwegs. 71 Wasserstofftankstellen gibt es deutschlandweit, eine davon in Bonn. Experten warnen bereits davor, nur auf die batteriebetriebene E-Mobilität zu setzen. „Alle Autohersteller arbeiten an Brennstoffzellen-Autos“, sagte Thomas Zengerly, Vorsitzender der Geschäftsführung von Shell Deutschland Oil. Erneuerbare Energien würden auch für Shell immer wichtiger. Welche Antriebsart künftig das Rennen mache, wisse man bei Shell aber genauso wenig wie in der Politik.

Modellregion Köln

Für den Raum Köln hofft Shell auf den Aufbau einer neuen Wasserstoff-Modellregion, die Aktivitäten rund um Tankstellen, Autos und Busse entfalten soll. Zur Investitionssumme trägt das Fuel Cell Hydrogen Joint Undertaking zehn Millionen Euro bei. Mitglieder dieser öffentlich-privaten Partnerschaft sind die EU, die europäische Industrie im Bereich Brennstoffzellen und Wasserstofftechnologien sowie Forschungseinrichtungen.

Die Shell Rheinland Raffinerie ist die größte deutsche Raffinerie. Pro Jahr werden 17 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet. In ihren beiden Werken arbeiten bis zu 3000 Menschen. Auch im Jahr 2050 würden noch Raffinerie-Produkte gebraucht, ist sich Frans Dumoulin, scheidender Direktor der Rheinland Raffinerie, sicher. Er denkt an Flugzeugkraftstoff und Bitumen. Das Raffineriegeschäft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig geändert. Genauso stetig sei Shell auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen.