Vapiano in Bonn

Nach den Genossen kommen jetzt die Pizzabäcker

BONN. Die Vapiano AG eröffnet im August in der "Baracke" in Bonn ein neues Restaurant und will dort auch ihre Europa-Zentrale einrichten - Bis Ende des Jahres will die SPD ihre ehemalige Zentrale komplett vermietet haben

Pasta und Pizza statt Parteiarbeit: "Tafeln in der Baracke" ist ab August in der einstigen SPD-Zentrale an der B 9 angesagt. Dann eröffnet dort die Vapiano AG ein neues Restaurant, das von 10 Uhr bis Mitternacht seinen Gästen frische italienische Spezialitäten anbietet. Ende dieses Jahres will das Unternehmen auch seine Europa-Zentrale in das Eckhaus Friedrich-Ebert-/Ollenhauerstraße verlegen, sagte Vapiano-Vorstand Mirko Silz dem GA. Ursprünglich sah sie wirklich so aus, wie sie genannt wurde: Baracke.

Den Namen behielt die Parteizentrale auch nach dem Neubau 1976. Am 21. Juli 1999 - mit dem Umzug vom Rhein an die Spree - endete dort eine 48-jährige Ära der deutschen Sozialdemokratie. Sie begann 1951, als der Parteivorstand seinen Sitz von Hannover nach Bonn verlegte. Damals wurden lediglich auf einem Fundament einige Fertigwände aufgestellt und mit einem Dach versehen: Die "Baracke" war geboren.

23 Jahre später wurde sie abgerissen und bei Travemünde als Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt wieder aufgebaut. Auf dem Areal an der B 9 entstand ein Neubau, dessen Hausherr bis 1987 der 23 Jahre lang amtierende Parteivorsitzende Willy Brandt war; ihm folgten Hans-Jochen Vogel, Björn Engholm, Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder. Nach einem ihrer Amtsvorgänger war der Neubau benannt worden: Erich Ollenhauer.

Nach dem Umzug zogen im Frühjahr 2000 dort 170 Telekom-Mitarbeiter ein - und Ende vergangenen Jahres wieder aus. Seitdem suchte der Geschäftsführer der SPD-eigenen Immobilienverwaltungs-Gesellschaft Konzentration, Christoph Lehmann, neue Mieter - die er, zumindest für einen Teil der Immobilie, mit der Vapiano AG fand. Für die übrigen Büroflächen stehe er mit "drei großen Interessenten" im Gespräch, sagte Lehmann dem GA:

"Ich bin ziemlich sicher, dass wir Ende dieses Jahres alle Flächen vermietet haben werden." Zunächst etabliert sich dort nun Vapiano. Nach Angaben von Mirko Silz und Jörg Peters, dem künftigen Betreiber des Restaurants, investiert die Gesellschaft mehr als eine Million Euro in den Umbau, der nach den Plänen des italienischen Stararchitekten Matteo Thun erfolgt - mit "italienischem Life-Style-Ambiente", sagt Silz.

Dort, wo früher die Genossen ihre Kantine und ihre Cafeteria betrieben, entsteht das Restaurant mit 135 Sitzplätzen; auf der Außenterrasse können weitere 100 Gäste Platz nehmen. Peters sagte, er werde rund 70 Mitarbeiter einstellen - "hauptsächlich Vollzeitkräfte". Auf Expansionskurs ist im übrigen die Vapiano AG, die derzeit mit ihren zehn Verwaltungs-Mitarbeitern gleich gegenüber der "Baracke", an der Adalbert-Stifter-Straße, ihren Sitz hat:

Silz rechnet in absehbarer Zeit mit einer Verdoppelung seines Teams, das dann in einen Büroflügel der früheren SPD-Zentrale einzieht. Dort richtet man zudem Räume ein, in denen künftige Franchise-Partner, die in Lizenz Vapiano-Restaurants betreiben, für ihren Job fit gemacht werden. Und die Zahl der Neueröffnungen wächst ständig. Nach der Eröffnung des ersten Vapianos, 2002 in Hamburg, folgten bis Anfang dieses Jahres sieben weitere Häuser.

In den kommenden Wochen werden ebenfalls in Deutschland zehn Restaurants eröffnet - plus zehn weitere im Ausland, darunter in Washington, Dubai, Beirut, Istanbul, Antwerpen und Zürich. 2006 erwartet Vapiano in Deutschland einen Netto-Umsatz von 22,31 Millionen Euro. Das "Erfolgsrezept" des Unternehmens beschreibt Silz mit der Formel "frisch-schnell-schön".

Das Angebot konzentriert sich auf acht Pastasorten mit 20 verschiedenen Saucen, Pizzen und Salate - alles frisch im Haus zubereitet und in vier Preiskategorien zwischen fünf und acht Euro gegliedert. Die Gäste erhalten am Eingang eine Chipkarte, stellen sich dann an den Kochstationen und der Bar Speis und Trank zusammen und zahlen beim Verlassen des Edel-Imbiss. Aus Erfahrung weiß Silz:

Durchschnittlich bleiben die Gäste 30 Minuten im Haus und zahlen selten mehr als zehn Euro. Übrigens: Einer der vier Vapiano-Inhaber, Kent Hahne, hatte früher in der Region Bonn neun McDonald's-Filialen, die er an seinen Bruder verkaufte. Kents erster Schülerjob war bereits zukunftsweisend: Als 15-Jähriger arbeitete er als Aushilfe bei McDonald's in der Poststraße.