Frauen und Arbeitslosigkeit

Muttertag beim Jobcenter

Blick hinter die Kulissen: Eine Mitarbeiterin des Bonner Unternehmens Prodialog erklärt arbeitssuchenden Müttern, wie die Arbeit in einem Callcenter funktioniert.

Blick hinter die Kulissen: Eine Mitarbeiterin des Bonner Unternehmens Prodialog erklärt arbeitssuchenden Müttern, wie die Arbeit in einem Callcenter funktioniert.

Bonn. Das Jobcenter in Bonn nimmt verstärkt Frauen mit Kindern ins Visier. Am so genannten "Mothers Day" am Montag konnten Frauen ohne Job bei Bonner Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Der Bonner Arbeitsmarkt hat im Gegensatz zu anderen Regionen eine Besonderheit: Weil es kaum produzierendes Gewerbe gibt, fehlt es an Helferjobs für Geringqualifizierte. Eine Gruppe unter den Langzeitarbeitslosen, die davon besonders betroffen ist, sind Mütter, die dem Arbeitsmark aufgrund der Erziehung ihrer Kinder nicht in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Laut Jobcenter verfügten viele unter ihnen auch über keine abgeschlossene Ausbildung.

Um gezielt diesen Müttern eine Chance zu geben, veranstaltete das Jobcenter am Montag seinen ersten „Mothers Day“ (dt. Muttertag). Gemeinsam mit ihren Betreuern hatten 25 Frauen die Möglichkeit, verschiedene Bonner Unternehmen zu besuchen und sich beruflich zu orientieren. „Denn gerade in dieser Gruppe schlummern viele Potenziale“, erklärte Robert Zirbes, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Bonn, bei der Begrüßung der Frauen am Vormittag. Es gehe nicht darum, dass die Teilnehmerinnen heute direkt bei den Unternehmen einen Job fänden. Kontakte und Inspiration stünden zunächst im Vordergrund.

Mütter und Arbeitgeber in Kontakt bringen

Das Bonner Unternehmen Prodialog ermöglichte den Müttern einen Blick hinter die Kulissen eines Callcenters zu werfen. Die Agentur für Dialogmarketing vertreibt Produkte und Dienstleistungen unterschiedlicher Unternehmen am Telefon. Nach eigener Aussage wächst Prodialog sehr stark und sucht an den Standorten Bonn und Aachen rund 40 neue Mitarbeiter. Zudem sei die Zielgruppe Mütter für das Unternehmen besonders interessant, wie Beate Scholz, Mitglied der Geschäftsführung erklärt: „Die Frauen arbeiten sehr effizient, wenn sie bei uns sind.“ Für sie sei der Job meistens ein intellektueller Ausgleich zur Erziehungsarbeit. Gleichzeitig würden sie sich ihre Zeit aber auch sehr gut einteilen, um noch ausreichend Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Außerdem seien die Arbeitszeiten bei Prodialog besonders flexibel, Teilzeit überhaupt kein Problem. „Circa 30 Prozent unserer Mitarbeiter sind Mütter“, erzählt Scholz, die ebenfalls Mutter ist und selbst in der Geschäftsführung ihre Arbeit in Teilzeit erledigen kann. Doch das ist nicht alles, was die Jobsuchenden an diesem Vormittag interessiert. Flexibilität sei ein Punkt. Wichtig sei aber ebenso, dass der Job Spaß mache und das Betriebsklima gut sei, betont eine der Teilnehmerinnen bei einem Rundgang. Das Bonner Unternehmen auf In- und Outbound spezialisiert. Das heißt, es gibt eingehende Anrufe, die bearbeitet werden müssen. In anderen Fällen geht es aber auch darum, selbst Kunden anzurufen und zu verkaufen. „Wer hier arbeitet, muss Spaß am Vertrieb haben“, so Scholz.

Insgesamt nahmen rund zehn Unternehmen an dem Aktionstag des Jobcenters teil, darunter auch der Caterer Lehmanns Gastronomie und das Evangelische Seniorenzentrum Theresienau.

Das Jobcenter versucht mit dem Mothers Day, vor allem die Mütter mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu bringen. Doch es gibt auch Probleme, die auf anderer Seite gelöst werden müssen. Wie der Zirbes erklärt, sei ein ein großes Thema immer wieder die Kinderbetreuung. „Da ist schon sehr viel passiert in NRW. Doch gerade die Betreuung in den Randzeiten ist noch ausbaufähig.“ Wer zum Beispiel einen Job im Supermarkt suche, müsse sehr flexibel sein aufgrund der langen Öffnungszeiten.