Warnstreikwelle in Metall- und Elektroindustrie

Metallbeschäftigte demonstrieren in Lohmar und Siegen

Kämpfen für das Recht auf eine 28-Stunden-Woche: Beschäftigte der Metall- und Elektrobranche in Lohmar am Dienstag.

Kämpfen für das Recht auf eine 28-Stunden-Woche: Beschäftigte der Metall- und Elektrobranche in Lohmar am Dienstag.

Bonn/Frankfurt. Die IG Metall Bonn/Rhein-Sieg sieht noch keine Fortschritte bei den Tarifverhandlungen. Die Streikkasse ist gut gefüllt, die Fronten bisher verhärtet. Unter anderem fordert die Gewerkschaft sechs Prozent mehr Lohn.

Die bundesweite Warnstreikwelle in der Metall- und Elektroindustrie hat sich in Nordrhein-Westfalen am Dienstag in Lohmar und Siegen konzentriert. Wie die Geschäftsstelle der IG Metall Bonn/Rhein-Sieg mitteilte, beteiligten sich an der zentralen Kundgebung auf dem Frouardplatz in Lohmar rund 1200 Beschäftigte. Sie waren zuvor in zwei Demonstrationszügen, die aus gegengesetzten Richtungen kamen, zum Versammlungsort marschiert. „Petrus ist ein Metaller“, sagte Geschäftsführer Michael Korsmeier mit Blick auf das stürmische Regenwetter, das während der Kundgebung aber ohne Niederschlag blieb.

Tarifpolitisch herrscht allerdings kein eitel Sonnenschein. „Die Fronten sind verhärtet“, stellte Korsmeier fest. „Die Arbeitgeber taktieren nur.“ Sie haben bisher eine Gehaltserhöhung von zwei Prozent angeboten, während die Gewerkschaft sechs Prozent mehr Lohn und ein Recht auf vorübergehende Minderung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden fordert. Korsmeier wies auf ein Rechtsgutachten der Arbeitgeber hin, wonach es zu einer Ungleichbehandlung von bisher schon Teilzeitbeschäftigten und künftigen Teilzeitbeschäftigten käme, wenn diese den geforderten Lohnausgleich erhielten. „Das ist ein vorgeschobenes Argument“, sagte Korsmeier.

Beschäftige aus rund 30 Betrieben nahmen teil

An diesem Donnerstag findet in NRW die dritte Tarifrunde statt. Kommt keine Bewegung in die Verhandlungen, könnte nach Karneval nach einer Urabstimmung ein unbefristeter Streik folgen, erklärte Korsmeier. Am Warnstreik am Dienstag beteiligten sich Arbeitnehmer aus fast 30 Betrieben der Region, darunter Reifenhäuser, Eaton, GKN Walterscheid und ABB. In Siegen nahmen laut IG Metall rund 1800 Beschäftigte an den Warnstreiks teil.

Immerhin: „Die Streikkasse ist gut gefüllt“, versicherte IG-Metall-Kassierer Jürgen Kerner in Frankfurt. 561 Millionen Euro nahm die Gewerkschaft im vergangenen Jahr an Mitgliedsbeiträgen ein, 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zwar war die Zahl der Mitglieder 2017 leicht um 11.400 auf 2,26 Millionen zurückgegangen, doch das lag im Wesentlichen an Rentnern und Arbeitslosen, die die Gewerkschaft verließen. Bei den beschäftigten Mitgliedern gab es hingegen einen positiven Saldo: 107.000 neue Mitglieder wurden aufgenommen, 94.000 verließen die Gewerkschaft, so dass unter dem Strich 1,57 Millionen in Betrieben arbeiten. In NRW als größtem Bezirk der IG Metall erhöhte sich die Mitgliederzahl um rund 1700 auf 525 112.

„Wir wollen akademischer, weiblicher und jünger werden“, sagte die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner. Um mehr Frauen zu gewinnen, hilft offenbar auch die aktuelle Forderung nach der Möglichkeit einer befristeten Arbeitszeitverkürzung. Seitdem sie im Herbst ihre Forderungen verkündet habe, habe sie wöchentlich etwa 2000 neue Mitglieder gewonnen, sagte Gewerkschaftschef Hofmann.

Bewegung in den Verhandlungen in Baden-Württemberg

Anders als in NRW ist in Baden-Württemberg Bewegung in die Verhandlungen gekommen, wie Hofmann sagte. Man sei nun mit den Arbeitgebern fast täglich im Gespräch zur Arbeitszeit, um die Themen zu klären. Am 26. Januar will der Vorstand über das weitere Vorgehen im Tarifkonflikt entscheiden, Doch werde man einen Tag zuvor bundesweit in den Tarifkommissionen über den Fortschritt in den Verhandlungen beraten. Er habe aber die Hoffnung, dass sich bis dahin noch einiges tue.

Rückenwind für ihre Forderungen spürt die Gewerkschaft durch die Ergebnisse der Sondierungsgespräche von Union und SPD, auch wenn es einzelne Kritikpunkte an den bisherigen Vereinbarungen gebe. Der vorgesehene Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit sei jedenfalls ein „überfälliger Schritt für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben“, sagte der Vorsitzende Hofmann.