Mehr Frauen nehmen Kurs auf die Chefsessel

Unternehmerinnentag in der Bonner Beethovenhalle: Existenzgründung leicht gemacht - Den Schritt in die Selbstständigkeit haben viele Frauen nicht bereut

Bonn. Janine Krüger ist Unternehmerin. Ihr Geschäft ist die eigene Vermarktung. Dass sie Menschen zum Lachen bringen kann, ist ihr Kapital, "Clown" ihr Job. Vor kurzem wagte die einstige Lehrerin an einer Waldorf-Schule den Schritt in die Selbstständigkeit, nachdem sie sich ein Jahr lang in Hannover zur "dummen Augustine" ausbilden ließ. Heute ist sie als Honorarkraft in mehreren Krankenhäusern als "Klinik-Clown" engagiert. "Bereut habe ich den Schritt nie", sagt Krüger alias Clownina.


Beim dritten Unternehmerinnentag der Regionalstelle Frau & Beruf Bonn/Rhein-Sieg in der Beethovenhalle trieb Clownina in passender Montur mit den Gästen ihren Schabernack. An Info-Ständen konnten sich Unternehmerinnen oder solche, die es werden wollen, über Existenzgründung informieren. 32 Aussteller kamen. Die bereits Chefin sind, nutzten die Chance, Kontakte zu knüpfen. Und wer etwas dazulernen wollte, konnte sich in Seminaren über "Burn-out-Syndrom" oder "Projektmanagement" informieren.

Was sie eint, ist die berufliche Spitzenposition. Fast jede Teilnehmerin an der Infoveranstaltung ist ihre eigene Chefin: in einer Boutique, einer Planungsfirma, als Niederlassungsleiterin oder Filmemacherin.

"Von der Druckerei bis zum modernen Event-Power-Team ist hier alles vertreten. Unser Ziel ist es, deutlich zu machen, dass die Unternehmerinnen ein erheblicher Wirtschaftsfaktor sind", sagt Projektleiterin Anita Halft. Etwa 30 Prozent der Unternehmen in der Region, so schätzt sie, würden von Frauen geführt - gerade in Bonn, wo die IT-Branche stark vertreten sei.

Nicht wenige Existenzgründerinnen hatten vor der Selbstständigkeit einen sicheren Job. Angela Hammelstein etwa war Modedesignerin, bevor sie 1997 ihren Wunsch verwirklichte, "irgend etwas mit Innenarchitektur und Psychologie zu machen". Sie landete schließlich bei "Feng Shui", baute die "Feng-Shui-Company" auf. Die Geschäftsfrau fasste rasch Fuß und veranstaltet heute Seminare, in denen Manager erfahren, wie ihre Firmen von der chinesischen Harmonielehre profitieren können.

Zwar verläuft die Existenzgründung nicht immer problemlos, aber die meisten Frauen würden nicht wieder zurück wollen ins "normale" Berufsleben, so Halft. Mit zwei Kollegen gründete Maria Luise Regh die "Gesellschaft für Umweltplanung und wissenschaftliche Beratung": "Man hat zwar mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung, und manchmal dürfte es finanziell auch ein wenig mehr sein."

Auf dem freien Markt verdiente die Wirtschaftspsychologin Katja Petereit nach eigenen Angaben "nicht gerade wenig". Doch dann begeisterte sie die Idee einer privaten Grundschule, wo ganztägig Kinder betreut werden. "Die Erfüllung eines Traumes für berufstätige Mütter", schwärmt die zweifache Mutter. Zusammen mit der langjährigen Rektorin Ruth Cossen will sie die Grundschule 2003 "eventuell in der ehemaligen apostolischen Nuntiatur" eröffnen.