Technik der Gerdes AG

Meckenheimer im US-Knast aktiv

In der Innenstadt von New Orleans liegt das berüchtigte Parish Prison.

MECKENHEIM/NEW ORLEANS. Illegal in Gefängnisse geschmuggelte Handys sind weltweit eines der großen Probleme im Strafvollzug. Verbrecher nutzen sie, um aus dem Knast heraus ihre kriminellen Geschäfte fortzuführen oder Zeugen einzuschüchtern. Durchsuchungen sind zeitaufwendig und bringen häufig nicht den gewünschten Erfolg.

Mit einer neuen Technik, die verbotene Handygespräche aufspürt und unterbindet, will jetzt die Meckenheimer Gerdes AG mit Gefängnissen weltweit ins Geschäft kommen. Einen ersten Kunden hat das Unternehmen bereits gefunden: Im Bezirksgefängnis von New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana ist das System der Meckenheimer seit einem Monat im Einsatz.

"Wir entdecken die Gespräche selbst hinter massiven Stahlbetonwänden mit sechsfachem Bleifarbenanstrich", berichtet Carsten Gerdes von den Herausforderungen des Auftrags. Dabei setzen die Amerikaner bisher nur die Hälfte des Systems ein, denjenigen Teil nämlich, der die Telefonate oder den mobilen Datenverkehr entdeckt und meldet; unterbrochen werden die Gespräche nicht.

Aber auch das wäre möglich, erläutert Gerdes: Innerhalb von Sekundenbruchteilen sorge dann ein Störstrahl des Sicherheitssystems dafür, dass illegale Mobilfunkgespräche gekappt werden.

Was die Sicherheit im Gefängnis verbessert und den Bediensteten ihren Arbeitsalltag erleichtert, soll dem Meckenheimer Mittelständler den Durchbruch bringen. Seit längerem schon suchten Gerdes und sein Partner Carl-Friedrich Braun nach einem zweiten Standbein für ihr 1989 gegründetes Unternehmen, das bisher nur in einem Nischenmarkt unterwegs ist: Gerdes stellt spezielle ISDN-Platinen vor allem für die Steuerung von Hochgeschwindigkeitszügen weltweit her.

Doch damit kamen die Meckenheimer, die 25 Mitarbeiter beschäftigen, bisher nicht über einen Jahresumsatz von zwei Millionen Euro hinaus. Mit den Handydetektoren und Telefonanlagen für Gefängnisse erwartet Gerdes aber schon für das laufende Jahr eine Umsatzverdoppelung.

In New Orleans arbeiten die Meckenheimer mit dem US-Sicherheitstechnikanbieter Talktelio als Vertriebspartner zusammen. Wenn alles gut läuft, sollen die kalifornischen Gefängnisse als nächste Kunden gewonnen werden: "Da sehen wir über die nächsten Jahre ein Umsatzpotenzial von rund 80 Millionen Euro", schätzt Gerdes.

Insgesamt seien die USA mit ihren mehr als zwei Millionen Gefangenen ein "riesiger Markt". Zum Vergleich: In Deutschland sitzen rund 60 000 Frauen und Männer ein. Aber auch hierzulande wollen die Meckenheimer ins Geschäft kommen. Im Gefängnis Köln-Ossendorf ist nach Angaben von Gerdes seit wenigen Wochen ebenfalls eine Pilotanlage in Betrieb.

Neben den Handy-Störanlagen sind auch komplette Telefonanlagen für Gefängnisse ein Wachstumsfeld der Meckenheimer. Sie kooperieren dabei mit der Hamburger Telio-Gruppe.

Telefone in Gefängnissen müssen laut Gerdes etwa über Mithör- und Aufzeichnungsfunktionen verfügen, dürften je nach Häftling nur bestimmte Zielnummern zulassen und müssten gegen Vandalismus oder Nutzung als Drogen- oder Waffenversteck gesichert werden. Gerdes: "Das ist schon etwas Spezielles."