Meckenheimer IT-Dienstleister behält Sieben-Milliarden-Euro-Etat

Der IT-Dienstleister der Bundeswehr, die Meckenheimer Firma BWI, kann nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht mit einer Aufstockung des Etats rechnen. Ein Nachschlag sei derzeit "ausgeschlossen", hieß es.

Meckenheim. Der IT-Dienstleister der Bundeswehr, die Meckenheimer Firma BWI, kann nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht mit einer Aufstockung des Etats rechnen.

Nachdem im vergangenen Jahr erhöhte Kosten diskutiert wurden, sei ein Nachschlag derzeit "ausgeschlossen", hieß es. Im Rahmen der Bundeswehrreform stehe "jede einzelne Projektmaßnahme von Herkules auf dem Prüfstand". Einsparungen beim Sieben-Milliarden-Euro-Etat, der dem Projekt "Herkules" für seine zehnjährige Laufzeit zur Verfügung steht, gebe es jedoch schon aus Gründen der Vertragsbindung nicht.

"Die Strukturreform der Bundeswehr wird sicherlich Auswirkungen auf uns haben", sagte BWI-Geschäftsführer Peter Blaschke dem General-Anzeiger. "Welche Auswirkungen das sind, ist allerdings noch unklar." Die BWI sieht sich bei ihrer "Herkules-Aufgabe", die Kommunikations- und Informationstechnik der Bundeswehr zu modernisieren und zu betreiben, rund vier Jahre nach Projektstart weitgehend im Zeitplan. Allerdings räumte Blaschke ein, dass es beim Ausbau der lokalen Netzwerke an den Bundeswehr-Standorten Verzögerungen gebe.

Rund 7 000 Bundeswehr-Gebäude, vor allem Kasernen, muss die BWI nach eigenen Angaben noch mit LAN-Verkabelung ausrüsten. "Erst war geplant, alles neu zu machen", sagt Blaschke. Aus Kostengründen sei man nun dazu übergegangen, an jedem Standort zu prüfen, inwieweit die vorhandene Infrastruktur noch nutzbar sei. "Dadurch ist die Verzögerung entstanden." Nicht nur aufgrund dieser Verspätung ist die BWI in die Kritik geraten. Von "Milliarden-Grab", "Debakel" und "kritischer Phase" war im vergangenen Jahr die Rede.

Es gebe häufige Störungen und Systemausfälle. "Tolle Ziele, doch in der Truppe rumort es", fasste das Bundeswehr-Magazin "Y" die Stimmung zusammen. BWI-Geschäftsführer Blaschke weist die Kritik zurück. Er wirft der Bundeswehr vor, sie habe "die eigenen Leute auf die Veränderungen nicht vorbereitet". So habe die BWI etwa die Zahl der Drucker in der Bundeswehr von 90 000 auf 30 000 reduziert.

Das habe zwar zu Irritationen einzelner Bundeswehr-Beschäftigter geführt, sei aber "betriebswirtschaftlich und im Sinne des Steuerzahlers notwendig und sinnvoll". Außerdem hätten sich die Anforderungen der Bundeswehr seit Gründung der BWI Ende 2006 deutlich verändert. Blaschke: "IT-Sicherheit spielt eine immer wichtigere Rolle, das war damals noch nicht vorhersehbar."

Die BWI An dem Meckenheimer Informationstechnik-Dienstleister BWI sind die Bundeswehr, Siemens und IBM beteiligt. Es gilt als größte öffentlich-privatwirtschaftliche Partnerschaft (Public Private Partnership) Europas. Das Unternehmen wurde im Dezember 2006 gegründet, um die Informations- und Kommunikationstechnik der Bundeswehr zu modernisieren und auf einen einheitlichen Stand zu bringen (Projekt "Herkules"). Vor Vertragsunterzeichnung mit Siemens und IBM waren verschiedene Verhandlungspartner abgesprungen, unter anderem die Telekom-Tochter T-Systems. Von der Meckenheimer Zentrale aus betreut die BWI rund 1 500 Bundeswehr-Liegenschaften. Die Hälfte der knapp 3 000 Mitarbeiter sind Bundeswehr-Angehörige. In Meckenheim arbeiten etwa 400 Menschen fest für die BWI.