GA-Serie "Firmen bei uns"

Meckenheimer Firma Nolden ist auf Wachstumskurs

Temperaturregler für die Kunststoffindustrie: Maschinenbauingenieur Hans Werner Müller hat die Firma Nolden als Nachfolger des Firmengründers übernommen.

Temperaturregler für die Kunststoffindustrie: Maschinenbauingenieur Hans Werner Müller hat die Firma Nolden als Nachfolger des Firmengründers übernommen.

MECKENHEIM. Als Hans Werner Müller 2010 bei der Firma Nolden Regelsysteme einstieg, ging für ihn ein Wunsch in Erfüllung: Er wurde Chef im eigenen Betrieb.

Wenn Hans Werner Müller Betriebe der kunststoffverarbeitenden Industrie besucht, hat er stets eine Grafik dabei. Diese zeigt eine steil ansteigende Temperaturkurve, die schnell einen konstanten Wert erreicht. Mit dieser Darstellung belegt Müller, Eigentümer der Firma Nolden Regelsysteme aus Meckenheim, die Vorteile seines innovativen Temperaturregelsystems evoControl, das seit dem vergangenen Jahr in der Branche für Aufsehen sorgt.

„Die kunststoffverarbeitende Industrie ist auf konstante Temperaturen angewiesen. Doch mit den bisherigen Reglern konnte der gewünschte Sollwert erst eingestellt werden, nachdem dieser zunächst mehrfach über- und unterschritten wurde. Diese Überschwinger und bleibenden Regelabweichungen, die jeder Kunststoff-Spritzgießer nur allzu gut kennt, gibt es beim Einsatz unseres Temperaturreglers nicht mehr“, erklärt Müller.

Damit hat das kleine mittelständische Unternehmen in einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit der ukrainischen Tschernihiw-Universität die Lösung für ein Problem entwickelt, an dem sich die Branche seit Jahren die Zähne ausbeißt. „Die Lösung ist der Einsatz von neuronalen Netzwerken, einem mittlerweile etablierten Rechenverfahren. Diese sind selbstlernend und können sich sehr schnell und ohne Zutun des Bedieners auf neue Umgebungsbedingungen einstellen und damit den gewünschten Wert erreichen.“

Zuvor in französischen Glaskonzern angestellt

Mit dem neuen Produkt und einem neuen, modernen Firmengebäude im Gewerbegebiet Meckenheim, das im vergangenen Jahr bezogen wurde, stehen die Zeichen bei der Firma Nolden jetzt auf Wachstum. Ein Ziel, das Hans Werner Müller nach seinem Einstieg ins Unternehmen im Jahr 2010 anstrebte.

Der Maschinenbauingenieur hatte zuvor jahrelang bei einem französischen Glaskonzern gearbeitet und international zahlreiche Produktionsfirmen geleitet. „Doch irgendwann hatte ich den Wunsch, statt als Angestellter im Großkonzern in meinem eigenen Betrieb zu arbeiten“, so Müller und machte sich auf die Suche nach einem Unternehmen, das zum Kauf stand. Fündig wurde er in der Datenbank der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg: Dort wurde für die damals noch in Alfter ansässige Firma Nolden ein Nachfolger gesucht.

Unternehmensgründer Heinz Nolden entwickelte und vertrieb seit 1975 Temperatur-Mess- und Regelelektronik. Die Kunden fand er zunächst im Laborbereich, dann aber überwiegend in der Kunststoffverarbeitung, die präzise Regler benötigte – vor allem für die in den 80er Jahren entwickelten neuartigen Spritzgussverfahren. „Die Nolden-Regler hatten in der Branche immer einen guten Ruf, doch das Unternehmen ist nie richtig gewachsen“, berichtet Müller. Denn Unternehmensgründer Nolden war zwar ein begabter Tüftler, hatte jedoch nur geringes Interesse am Vertrieb. Als Müller die Firma übernahm, gab es gerade einmal vier Mitarbeiter, die in einem alten, mehrfach um- und angebauten Firmengebäude in Alfter saßen.

„Damals hatten wir noch analoge Schaltungen im Angebot, und die elektronischen Regler bestanden aus kleinen Mikroprozessoren, die in so genannter Maschinensprache einzeln programmiert werden mussten. Das war aufwendig und teuer, zudem waren die Systeme sehr unflexibel“, so der Unternehmer. Da in dieser Zeit die Kosten für Rechnerleistung massiv sanken, entwickelte Müller die Idee, die Programmierung der Regler über eine zentrale Software zu steuern. „Das ist sehr viel einfacher und kostengünstiger und bei Verbesserungen des Produktes können wir einfach eine neue Software aufspielen und müssen nicht jeden einzelnen Mikroprozessor anfassen“, erklärt Müller.

Zusammenarbeit mit Hochschule Bonn/Rhein-Sieg

Unterstützung holte er sich auch bei dieser Entwicklung von außen: Studenten der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg arbeiteten in den vergangenen Jahren an vielen Projekten mit. „Einige von ihnen haben nach ihrem Abschluss direkt bei uns angefangen“, so Müller, der mit dieser Zusammenarbeit auch das Problem des Fachkräftemangels löst.

Inzwischen hat er sich mit seinen softwarebasierten Systemen, die per Touchscreen bedient werden, einen entscheidenden Marktvorteil verschafft, denn die Konkurrenz hält bis heute an der aufwendigen Hardware-Programmierung fest. „Heute machen wir 90 Prozent des Umsatzes mit Produkten, die wir erst in den letzten Jahren entwickelt haben und 30 Prozent mit einem Regler, der erst vor 15 Monaten auf den Markt gekommen ist“, freut sich Müller.

Zum Erfolg des Unternehmens soll auch das neue Firmengebäude in Meckenheim beitragen. „Wenn wir heute junge Programmierer und Elektroniker begeistern wollen, dann müssen wir ein Wohlfühlambiente bieten, das dem Zeitgeist entspricht“, so Hans Werner Müller. Und auch ein anderes Argument sprach für den Umzug - die fehlende Anbindung an schnelles Internet. „Früher wurde ein fehlerhafter Regler ausgebaut, an uns geschickt und repariert und ging dann per Post zurück an den Kunden“, erklärt der Unternehmer. Bei den heutigen hochkomplexen Reglern ist die Diagnose wesentlich komplizierter und der Versand nicht mehr möglich.

„Per Fernwartung können wir Diagnose und Fehlerbehebung jedoch sehr schnell durchführen. Doch dafür benötigen wir ein leistungsfähiges Internet“, so Müller. Am alten Firmenstandort in Alfter musste sich der Mittelständler mit zwei bis vier Megabit pro Sekunde zufriedengeben, in Meckenheim gibt es nun einen eigenen Glasfaseranschluss mit bis zu zwei Gigabit pro Sekunde Downloadkapazität. Einen Nachteil hat aber auch der neue Standort: Das Mobilfunknetz im Gebäude ist sehr schwach. „Ausländische Kunden, die uns besuchen, sind jedes Mal völlig entgeistert, wenn sie aus dem Gebäude heraus nicht telefonieren können. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist das ein Armutszeugnis “, kritisiert der Unternehmer.