Kölner Anuga

Lebensmittelmesse in Köln: Protein-Produkte im Trend

Milchprodukte sind deutlich teurer geworden.

Milchprodukte sind deutlich teurer geworden.

Köln. Kölner Fachmesse Anuga steht bevor: Die Lebensmittelbranche zeigt sich zufrieden. Die Hersteller verzeichneten im ersten Halbjahr ein Plus um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Viele Lebensmittel, vor allem Milchprodukte wie Butter, sind teurer geworden. Davon hat die Lebensmittelbranche profitiert. Sie hat ihre Umsätze in diesem Jahr kräftig erhöht. Die Hersteller verzeichneten im ersten Halbjahr ein Plus um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 87,2 Milliarden Euro. Das Wachstum sei „vorrangig preisbedingt“, sagte Stefanie Sabet, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Donnerstag im Vorfeld der Kölner Fachmesse Anuga (7. bis 11. Oktober). Auch im Handel und in der Gastronomie sind die Unternehmen weitgehend zufrieden. Die einzelnen Entwicklungen im Überblick:

Die Hersteller: „Konjunkturmotor“ der deutschen Lebensmittelindustrie sei der Export, so der Branchenverband BVE. Jeder dritte Euro werde mittlerweile außerhalb Deutschlands eingenommen. Doch auch im Inland seien die Menschen wegen der guten Arbeitsmarktlage bereit, mehr Geld auszugeben. Besondere Hoffnung setzen die Hersteller in Protein-Produkte, die ursprünglich zum Muskelaufbau für Sportler gedacht waren. Sie sieht die Branche als „Wachstumssegment des Jahres“.

Ob die Industrie mit dieser Einstellung richtig liegt, wird sich erst später zeigen. Laut BVE können sich nur 13 000 von den mehr als 40 000 neuen Lebensmittel, die jedes Jahr in Deutschland neu auf den Markt kommen, mehr als zwei Jahre überdauern. Mit 580 000 Arbeitsplätzen seien die Lebensmittelhersteller drittgrößter Arbeitgeber in der deutschen Industrie.

Der Handel: Durch die Digitalisierung sehen sich die Lebensmittelhändler nach Verbandsangaben vor grundlegenden Veränderungen – „vergleichbar mit der Einführung der Selbstbedienungsläden in den 50er Jahren“, wie Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Lebensmittel (BVLH) sagte. Doch bis der Kunde morgens vor dem Kühlschrank seinem Sprachassistenten den Einkaufszettel für den Online-Shop diktiert, könnte es noch dauern.

Die höchsten Umsatzzuwächse brachten im ersten Halbjahr Obst und Gemüse

Derzeit liege der Internet-Anteil am Lebensmittelhandel bei einem Prozent des Umsatzes, so Rausch. Daher beeinflussen auch hohe Wachstumsraten von rund 20 Prozent pro Jahr diese Aufteilung bisher nur geringfügig. Die höchsten Umsatzzuwächse brachten den Händlern nach Verbandsangaben im ersten Halbjahr Obst und Gemüse.

Nicht etwa, weil sich die Deutschen gesünder ernährten. „Die Ernteausfälle durch den Wintereinbruch in Spanien im Frühjahr haben die Preise stark in die Höhe getrieben“, sagte Rausch. Auch der deutliche Preisanstieg für Butter um fast 60 Prozent habe sich als Umsatzplus in den Kassen der Händler niedergeschlagen. Ursache sei die starke Nachfrage der Chinesen, die zunehmend Appetit auf Butter entwickeln.

Das Gastgewerbe: Auch die Hotels, Pensionen, Restaurants und Cafés in Deutschland bewerten ihre Lage positiv. Ihr Umsatz stieg zwischen Januar und Juli nominal um 2,2 Prozent. „Viele junge Leute definieren sich heute schon stärker über gutes Essen als über Modelabels“, sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Die Branche habe in den vergangenen zehn Jahren fast 271 000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Wachstum sieht der Verband vor allem bei den Restaurantketten, der so genannten Systemgastronomie.