Kreuzer kann Gehälter nicht mehr zahlen

Meckenheimer Call-Center-Unternehmen verhandelt europaweit mit Kapitalgebern - Der Insolvenz-Antrag liegt beim AG Bonn noch nicht vor.

Meckenheim. Die Firma Kreuzer GmbH, Dialogmarketing und Call Center, hat nach eigenen Angaben am Freitag beim Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren beantragt. Wie Geschäftsführer Erwin Kreuzer dem GA bestätigte, ist die Firma mit Sitz in Meckenheim-Merl seit vier Wochen in einem Liquiditätsengpass. Die Gehälter der 70 Mitarbeiter konnten seitdem nicht mehr gezahlt werden.

Während Kreuzer im ersten Quartal 2001 noch ein Umsatzplus von 15,9 Prozent verbuchte, folgte im zweiten Quartal ein "dramatischer Umsatzeinbruch", so der Geschäftsführer. Erwin Kreuzer führt dies auf die "Krise in der Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche" zurück. Auch der neu aufgebaute Firmenzweig für Finanzdienstleistungen habe den Umsatzverlust nicht kompensieren können. Ferner habe sich die Finanzsituation der Firma durch Forderungsausfälle bei Internet-Unternehmen verschlechtert.

Derzeit steht die Kreuzer GmbH in Verhandlungen mit Kapitalgebern und Mitbewerbern aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland, die den Engpass auffangen sollen. "Die Gespräche verlaufen aussichtsreich", sagte Kreuzer dem GA. Dabei solle der Firmenstandort im Bonner Raum gehalten werden. Die Insolvenz der Kreuzer GmbH hat laut Geschäftsführung keine Auswirkungen aus die Kreuzer-Online GmbH.

Nach Angaben von Mitarbeitern hatte die Firma bereits das Maigehalt nicht pünktlich gezahlt. Am vergangenen Mittwoch fand bei Kreuzer eine Betriebsversammlung statt, wo der Geschäftsführer das Insolvenzverfahren ankündigte. Dabei sei die Rede davon gewesen, dass der Standort Meckenheim aufgegeben werden müsse. Bis Montag lag dem Amtsgericht Bonn der Insolvenz-Antrag noch nicht vor, teilte ein Gerichtssprecher mit. Dennoch rechnet Kreuzer nach eigenen Angaben damit, dass der Insolvenzverwalter spätestens am Donnerstag seine Arbeit aufnimmt.

Ab diesem Zeitpunkt könnten Entscheidungen, die noch zur Rettung des Unternehmes führen, nur mit Zustimmung des Verwalters getroffen werden. Die Kreuzer GmbH ermittelt von Meckenheim aus für Geschäftskunden den Produktbedarf, aktualisiert Kundendatenbanken und übernimmt die Vereinbarung von Kundenterminen - überwiegend für Firmen aus der IT- und Telekommunikationsbranche. Bereits in der Vergangenheit war die Vorgängerfirma der Kreuzer GmbH - die Kreuzer-Werke für Schreibwarenbedarf - wiederholt in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

1984 hatte das damals in Duisdorf beheimatete Unternehmen mit 225 Mitarbeitern Konkurs angemeldet. Die Firma Roteck hatte daraufhin 50 Prozent von Kreuzer übernommen. 1987 wurden Roteck und Kreuzer von der Hannoveraner Firma Pelikan übernommen. 1989 stimmte der Pelikan-Aufsichtsrat zu, den Kreuzer-Betrieb an der Duisdorfer Rochusstraße zum Jahresende stillzulegen. Von den betroffenen 140 Mitarbeitern erhielten 50 die Möglichkeit auf Weiterbeschäftigung in Hannover. Die Nachfolgefirma Kreuzer GmbH besteht seit 15 Jahren.