Shopping-Mall am Bonner Viktoriakarree

Karstadt-Investor Benko hat feste Pläne und bereits Teile im Block gekauft

Viktoria Kaufhaus: Mit solchen Animationen wirbt die Signa für ihr Projekt.

BONN. Die von Immobilieninvestor René Benko gegründete österreichische Signa Holding hat nicht nur den Karstadt-Konzern übernommen, sie hat generell großes Interesse am Standort Bonn. Die Signa Development Deutschland, eine Tochtergesellschaft mit Sitz in München, ist eine von drei Interessenten, die das Viktoriakarree bebauen wollen.

Signa räumen viele in der Bonner Politik die größten Chancen ein, den Zuschlag zu bekommen - schon, weil dem Unternehmen die Schlüsselimmobilien bereits gehören. Schon 2011 hat Signa das 1253 Quadratmeter große Dahm-Grundstück gekauft. Reimund Sigel, Geschäftsführer der Signa Development, hatte 2012 im Wirtschaftsausschuss angekündigt, man wolle neben den städtischen Arealen im Viktoriakarree weitere Privatgrundstücke aufkaufen und eine klassische Shopping-Mall bauen - mit drei großen Ankermietern aus den Segmenten Elektrofachmarkt, Mode und Nahversorgung sowie kleineren Geschäften.

Im Internet wirbt die Signa für ihr "Kaufhaus Viktoria", das etwa 30.000 Quadratmeter vermietbare Fläche vorsieht. "Das Gebäude soll durch eine öffentliche Bibliothek ergänzt und damit der Bedeutung Bonns als Studentenstadt gerecht werden", heißt es da. Damit ist die Philologische Bibliothek der Uni gemeint. Diese ist stark daran interessiert, mit ihrem Buchbestand aus dem Hauptgebäude auszuziehen. Sie hat bereits angekündigt, auf jeden Fall 6500 Quadratmeter anzumieten - und zwar zum Marktpreis, wie Rektor Jürgen Fohrmann schon einmal betonte.

"Flanieren. Genießen. Shoppen. Ein städtebaulicher Akzent belebt die Bonner Innenstadt", heißt es weiter bei Signa. "Nahe des Rathauses und der Universität sowie angrenzend an die Fußgängerzone Bonns, will die Signa neue Maßstäbe setzen. Im Herzen der Geburtsstadt von Beethoven wird ein innerstädtisches Einkaufszentrum entwickelt."

Mit Verweis auf die europaweite Ausschreibung, die sich zurzeit in einer entscheidenden Phase befindet, wollte Reimund Sigel am Montag nichts weiter zu dem Projekt sagen. Die Stadt hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass die drei Interessenten bis Mittwoch ihre indikativen Angebote, also unter Nennung eines verbindlichen Kaufpreises, abgeben müssen. Danach, so Sigel, könne er mehr sagen.

Die CBRE Group, ein weltweit operierendes Dienstleistungsunternehmen auf dem gewerblichen Immobiliensektor, sah kürzlich in einer Analyse des Bonner Einzelhandelsstandorts vor allem ein Problem beim Viktoriakarree: dass es ist nicht an die Lauflagen der City angebunden und nur über die Stockenstraße "integrierbar" sei. Das Problem soll dadurch gelöst werden, indem die Zu- und Ausfahrten der Markttiefgarage verlegt und die Straße Am Hof zur Fußgängerzone zugeschlagen wird.

Für die Karstadt-Häuser sind die Münchner nicht zuständig. Wie es im Bonner Haus weitergehen soll, darüber war am Montag weder über die Karstadt-Zentrale noch die in Innsbruck sitzende Holding etwas zu erfahren. Vor zweieinhalb Jahren hatte die Stadt Bonn noch den Erbpachtvertrag für das Karstadt-Grundstück an der Poststraße um 30 Jahre verlängert. Karstadt hatte damals angekündigt, das Bonner Haus, das innerhalb des Konzerns als eines der ertragreichsten gilt, ab 2013 für rund 4,5 Millionen Euro umbauen zu wollen.

Außerdem war die Stadt Bonn mit dem Kaufhaus im Gespräch, um die Rückseite attraktiver zu gestalten. Denn der Mülheimer Platz soll künftig als Entree zum Haus der Bildung aufgewertet werden. Der Siegerentwurf des Landschaftsarchitekturbüros terra nova aus München sieht vor, die Aufenthaltsqualität auf dem Platz dadurch zu erhöhen, indem man unter anderem eine lange, messingfarbene Sitzbank installiert. Die Verwaltung regte beim Kaufhaus an, beispielsweise an der Ecke Windeckstraße noch Gastronomie einzurichten.