Ausbau bei der Kölnmesse

Kölnmesse investiert Millionen in ihr Gelände

Die Kölnmesse gestaltet ihr Gelände in Deutz um.

Die Kölnmesse gestaltet ihr Gelände in Deutz um.

Köln. Die Domstadt setzt auf Kongressveranstaltungen mit 5000 bis 8000 Teilnehmern und macht damit auch dem Bonner WCCB Konkurrenz.

Gerade Jahre sind eigentlich keine leichten für die Kölner Messe. In denen gibt es weniger Veranstaltungen und damit auch geringere Einnahmen. Doch im abgelaufenen Jahr kam das zur Freude von Messechef Gerald Böse ganz anders. „Wir schließen voraussichtlich mit dem höchsten Jahresüberschuss aller Messegesellschaften ab“, freute sich Böse.

Rund 50 Millionen Gewinn nach Steuern kann die Messe für das abgelaufene Jahr ausweisen. Voraussetzung dafür war, der Abschluss eines Mietvertrags bis 2035 mit dem Fonds, dem die Nordhallen der Messe gehören. Der wurde noch zwischen Weihnachten und Neujahr unter Dach und Fach gebracht, nachdem die Europäische Union im jahrelangen Streit rund um unerlaubte Beihilfen im Herbst signalisiert hatte, dass sie die Regelung akzeptieren würde. Die Konditionen richten sich nach einer Interimsvereinbarung, mit der 2011 ein Burgfrieden im Streit um die Miete geschlossen worden war. Sie beträgt 15,5 Millionen pro Jahr und damit drei Viertel von ursprünglich vereinbarten 20,7 Millionen pro Jahr.

Angenehmer Nebeneffekt: Eine Rückstellung über etwas mehr als 40 Millionen Euro kann steuerunschädlich aufgelöst werden und treibt den Gewinn. Wann das geschehen konnte, war freilich zuletzt eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Aber – eigentlich erstaunlich – auch ohne diesen warmen Regen hätte es einen zweistelligen Überschuss gegeben. „Geplant war ein Gewinn von einer Million“, sagte Finanzchef Herbert Marner. Der Umsatz habe mit rund 330 Millionen Euro – der höchste Wert für ein gerades Jahr – rund zehn Millionen über Plan gelegen. Die Umsätze der Messen im Inland hätten etwa im Schnitt acht Prozent höher gelegen als der der Vorveranstaltungen. Außerdem seien Kosten gesenkt worden. Mit diesem Umsatz gehört die Kölner Messe weiter zu den weltweit zehn größten Messen (siehe Grafik). In dieser Liga spielen immerhin fünf deutsche Veranstalter. Die Spitzenplätze belegen freilich die Veranstalter Reed und UBM aus Großbritannien. Anders als die deutschen Messen besitzen sie kein eigenes Gelände, das gepflegt werden will.

Und das geht ins Geld, wie Großinvestitionen an den wichtigen deutschen Standorten zeigen. 700 Millionen Euro nimmt die Kölner Messe in die Hand, um ihr Areal attraktiv zu halten. Das ist sogar etwas mehr als ursprünglich geplant. Das geplante Konferenzzentrum Confex soll etwa 4000 statt 2000 Plätze bekommen und die neue Halle 1+ wird jetzt teilbar.

Es soll die modernste Messe in Europa werden

Die Messe will europaweit Kongresse mit 5000 oder 8000 Teilnehmer anlocken, die sie bislang auf dem Gelände nicht durchführen kann. Und dabei hilft vielleicht der geplante Zusammenschluss der bislang getrennten Gesellschaften Koelnmesse Ausstellungen und KölnKongress in ein gemeinsames 100-Prozent-Tochterunternehmen zur Bündelung von Vertriebsaktivitäten.

Möglicherweise dauert der Ausbau des Geländes auch etwas länger. „Wir werden nur bauen, was wir bezahlen können“, sagt Böse. Einige Maßnahmen wurden vorgezogen, andere werden womöglich erst nach 2030 fertig, dem Jahr, das dem Ausbauprojekt den Namen gab. Denn in der derzeit boomenden Konjunktur ist es gar nicht so einfach, Bauunternehmer zu finden. Oft werden auch höhere Preise verlangt als ursprünglich kalkuliert. Da zahlt sich Geduld möglicherweise aus.

Klar ist, dass Köln das modernste Messegelände Europas bekommen soll, wie Böse formulierte. Es gibt nicht nur schicke neue Entrées wie den oben gezeigten Osteingang. Boulevards sollen nicht nur die Aufenthalte angenehmer machen, sondern auch für ein teilbares Messegelände sorgen. Klar will jede Messe Veranstaltungen, die über mehrere Tage das Gelände komplett belegen. Immer öfter gebe es aber kleinere Messe.

Die Gesellschafter der Messe, die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen, verzichten auf Gewinnausschüttungen. Alle Ausbauten im Gesamtvolumen von 400 Millionen bis 2023 – 100 Millionen davon wurden bereits ausgegeben – sind finanziert, versichert Marner. Überwiegend verwendet die Messe das selbst verdiente Geld, ein Kredit über 120 Millionen hat sie sich außerdem gesichert.