Die Erfinder des Schulrucksacks

Kölner Unternehmen mit Gründerpreis ausgezeichnet

Verkaufen in 35 Länder: Sven-Oliver Pink, Florian Michajlezko und Oliver Steinki (v. l). FOTO: FOND OF BAGS

Verkaufen in 35 Länder: Sven-Oliver Pink, Florian Michajlezko und Oliver Steinki (v. l). FOTO: FOND OF BAGS

Köln. Das Kölner Unternehmen Fond of Bags mischt den Markt für Schulrucksäcke auf. Die Ergobag-Erfinder wurden dafür mit dem Gründerpreis ausgezeichnet und verkaufen mittlerweile in 35 Ländern ihre Taschen.

Manchmal bietet erst eine gewisse Naivität Unternehmern die Grundlage für ihren Erfolg. So ging es den Gründern der Firma Fond of Bags, Sven-Oliver Pink, Florian Michajlezko, Juliaan Cazin und Oliver Steinki. Der Wunsch nach Selbstständigkeit trieb die vier Kaufleute schon länger an. Allein die überzeugende Geschäftsidee fehlte. Das Aha-Erlebnis kam, als eine Physiotherapeutin von den Rückenproblemen vieler Schulkinder erzählte, weil sie so schwere Ranzen schleppen müssen. „Da haben wir Feuer gefangen“, erinnert sich Pink. Heute, sieben Jahre nach der Gründung, kennt fast jede Familie mit Kindern im Grundschulalter die Schulrucksäcke der Marke Ergobag. Das Ergonomiekonzept von Trekking-Rucksäcken ist dabei kombiniert mit dem, was eine Schultasche leisten muss. Gepolsterte Hüftgute helfen, das Gewicht zu verteilen.

Der Weg zum ersten Produkt führte über Versuch und Irrtum. „Wie genau so ein Rucksack aussehen müsste, davon hatten wir damals keine Ahnung“, erzählt Pink. Sie hatten nie zuvor ein Produkt entwickelt, etwas in Asien produzieren lassen oder eine Marke aufgebaut. „Unser wesentlicher Erfolgfaktor war völlige Ahnungslosigkeit.“ Der unverstellte Blick auf das Segment Schulrucksäcke sei ein klarer Wettbewerbsvorteil gewesen. „Wir haben viele Mütter gefragt, was sie an einem Rucksack wichtig finden.“Jeder der vier Gründer habe 60 000 Euro Schulden machen müssen, damit sie starten konnten.

Fertigung in Vietnam aus recycelten PET-Flaschen

Bei der ersten Kollektion sei eine Reihe von Anfangsfehlern dabei gewesen, zum Beispiel seien die Hüftgurte, die sogenannten Beckenflossen, im falschen Winkel angebracht und damit quasi nutzlos gewesen. Die vier Gründer, von denen drei operativ im Unternehmen tätig sind, haben alle Betriebswirtschaft studiert. Juliaan Cazin ist nur Gesellschafter. „Wir haben homogene Werte, aber völlig heterogene Stärken“, erklärt der 37-jährige Pink. Florian Michajlezko liebe es, zu verkaufen. Er selbst mache die Marke und das Business Development. Oliver Steinki sei Doktor der Finanzmathematik und kümmere sich gerne um alles, was mit Zahlen zu tun hat. Von vorneherein sei es ihr Anspruch gewesen, so produzieren zu lassen, dass niemand dadurch geschädigt werde. „Daher sind uns die Arbeits- und Lebensbedingungen unserer Produktionspartner wichtig.“ Das Material, das sie für die Rucksäcke benutzen, stammt aus recycelten PET-Flaschen. Florian Michajlezko sei monatelang durch Asien gereist, um die richtigen Hersteller zu finden, damit beispielsweise Kinderarbeit ausgeschlossen werden konnte. So seien sie auf Vietnam gekommen, wo viele Hersteller fertigen lassen. Denn in Europa sei das Know-how nicht mehr vorhanden gewesen, da alle großen Firmen ihre Produktion nach Asien verlagert haben.

2015 waren sie mit allen Mitarbeitern zu Besuch in Vietnam, damit alle die Herstellungsbedingungen sehen konnten. In den ersten Jahren erweitern die Gründer ihr Angebot stetig: „Unsere Vision ist, für die ganze Familie ein Taschensortiment aufbauen.“ Für die weiterführende Schule haben die Unternehmen der Marke Satch kreiert. Sie entwerfen auch Taschen für Berufstätige und Sportler. Es gibt die Marken Aevor, Pinqponq, Aep und eine Taschen-Kollektion namens "Klatta by Offermann". Den ursprünglichen Firmennamen Ergobag änderten sie mit zunehmender Markenvielfalt in Fond of Bags. „To be fond of“ heißt übersetzt „von etwas angetan sein“.

192 Mitarbeiter hat "Fond of bags"

Die Taschen der Kölner Firma gibt es mittlerweile in 35 Ländern. In China und den USA haben die Kölner gerade eigene Vertriebsgesellschaften gegründet. In den anderen Ländern arbeiten sie mit Partnern zusammen, denn die Eroberung eines neuen Marktes sei eine Herausforderung. „Man muss die Sprache sprechen und die Kultur kennen.“ Südkorea ist laut Pink ein interessanter Markt. Bei der Marke Affenzahn, die sich an Kleinkinder richtet, sei es sogar weltweit der erfolgreichste Markt. In Japan und Südkorea gebe es auch die Tradition der Schultaschen, die in anderen Ländern fehle. Im deutschsprachigen Raum sei die Bereitschaft, viel Geld zur Einschulung auszugeben, sehr hoch. Dafür sei dann aber auch die Erwartung da, dass die Tasche vier Jahre halte. In Frankreich beispielsweise würden die Familien lieber jedes Schuljahr für 30 Euro einen neuen Rucksack kaufen, der aber auch schnell kaputtgehe.

Für Fond of bags arbeiten mittlerweile 192 Mitarbeiter. Die Zentrale in der Vogelsanger Straße ist zu eng geworden. In der Nähe wird neu gebaut. Nach dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und dem Preis „CSR in der Lieferkette“, mit dem die soziale Verantwortung für die Produzenten gewürdigt wird, ist das Unternehmen vor Kurzem mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet worden.

Starkes Wachstum verzeichnet der Umsatz des Unternehmens. Nachdem er Geschäftsjahr 2015/16 bei 46 Millionen Euro lag, geht Pink davon aus, dass er im laufenden Geschäftsjahr, das am 31. Juli endet, 55 Millionen Euro erreichen wird.

Während andere Taschenhersteller mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen, stehen die Zeichen für das junge Unternehmen weiter auf Expansion: „Alle unsere Wettbewerber machen mittlerweile auch ergonomische Schultaschen. Ohne geht es nicht mehr. Das ist unser Erfolg.“