Traditionsfirma

JF. Carthaus schließt Geschäft in Bonner City

JF. Carthaus in der Bonner Innenstadt schließt voraussichtlich zum Juni.

Bonn. Traditionsfirma will sich auf den Geschäftsbereich Verlag konzentrieren. 40 Beschäftigte betroffen.

Eine Traditionsfirma mit mehr als 160-jähriger Firmengeschichte verschwindet aus dem Bonner Stadtbild. JF. Carthaus schließt voraussichtlich zum 30. Juni sein Fachgeschäft für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren in bester Innenstadtlage in der Remigiusstraße. Carthaus wurde mit dem Verlegen von Telefon- und Adressbüchern wie "Das Örtliche" über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, wolle man sich in Zukunft auf den Verlagsbereich konzentrieren. Von der Schließung sind 40 der insgesamt 70 bei Carthaus fest angestellten Mitarbeiter betroffen. Parallel schließt Carthaus auch seine Filiale in Siegen. Dort sind weitere sechs Mitarbeiter beschäftigt.

"Die Entscheidung ist den Gesellschaftern nicht leicht gefallen, aber letztlich kam keine andere Lösung in Betracht", sagte gestern Geschäftsführer Dirk-Olaf Stroessel auf Nachfrage. Standortnachteile, vor allem aber die immer stärker werdende Konkurrenz des Onlinehandels hätten den Ausschlag für die Entscheidung gegeben. In den vergangenen Jahren hatte Carthaus nach eigenen Angaben "mit hohen Investitionen" versucht, die Einzelhandelssparte zu modernisieren. Auch eine Verkleinerung der Verkaufsfläche sei geprüft worden.

Das Ladenlokal ist rund 1000 Quadratmeter groß und verteilt sich auf fünf Etagen. "Wir werden nun mit jedem einzelnen Mitarbeiter sprechen und versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden", sagte Stroessel. Was mit der in Unternehmensbesitz befindlichen Immobilie passiert, ist laut Stroessel noch offen.

Die Firmengeschichte geht auf das Jahr 1852 zurück. Damals eröffnete Joseph Franz Carthaus seine Buchdruckerei in der Hundsgasse - der heutige Belderberg.

Carthaus spezialisierte sich auf den Druck von Dissertationen und übernahm Druckaufträge von Bonner Verlagen. 1870 erwarb Carthaus ein Haus in der Stiftsgasse. 1875 erschien zum ersten Mal die Zeitung "Bonner Tageblatt. Rheinische Landeszeitung" für dessen Druck, Verlag und Redaktion die Firma Carthaus verantwortlich war.

1891 wurde die Zeitung an Hermann Neusser, den Verleger des General-Anzeigers, veräußert. 1882 kaufte Carthaus das Gebäude in der Remigiusstraße 16. 1887 eröffnete Peter Carthaus schließlich das erste Schreibwarenfachgeschäft unter dem Namen "Papier- und Schreibwarengeschäft". 1944 wurden die Geschäftsräume bei einem Luftangriff komplett zerstört.

Nach dem Wiederaufbau übernahm die Druckerei 1948 den Druck für die Originalfassung des Grundgesetzes. Seitdem waren die Auftraggeber vor allem das Auswärtige Amt, Bundespräsidialamt, Ministerien und Botschaften.

Nach dem Wegzug der Regierung musste sich das Unternehmen erneut umorientieren. Es vergrößerte unter anderem das Fachgeschäft und investierte in neue Druckmaschinen.