GA-Serie "Bonn macht erfinderisch" - Abschluss

Investor Frank Thelen: „In Bonn bewegt sich was“

Investor Frank Thelen in seinem Bonner Büro.

Investor Frank Thelen in seinem Bonner Büro.

Bonn. In der Serie „Bonn macht erfinderisch“ sind die Volontäre des GA den Träumen, Hoffnungen und Sorgen der Gründer in der Region nachgegangen. Zum Abschluss sprachen Sabrina Bauer und Andreas Dyck mit dem Bonner Investor und Technologie-Experten Frank Thelen.

Wir haben die Start-up-Szene unter die Lupe genommen. Wie gut ist Bonn aufgestellt?

Frank Thelen: In Bonn bewegt sich was. Wir haben den Digital Hub Region Bonn gegründet, bei dem ich auch einer der Investoren bin. Die Initiative „Digitales Bonn” mit unserem Oberbürgermeister und führenden Wirtschaftsköpfen wie Tim Hoettges und Frank Strauß bündelt das Thema Digitalisierung in Bonn. Aber Bonn ist nicht Berlin, davon sind wir weit weg. Berlin ist das Zentrum für Start-ups in Deutschland, dort fliegen US-Investoren hin und suchen nach neuen Ideen. Kleinere Hubs wie Bonn, Köln, Hamburg und München sollten deshalb einen engen Draht dorthin pflegen.

Was hat Bonn Jungunternehmern zu bieten?

Thelen: Bonn ist eine positive Stadt. Ich lebe gerne hier. Wir haben mit dem High-Tech Gründerfonds als halbstaatliche Geldgeber ein echtes Highlight bei uns. Der Fond hat in fast 500 Start-ups investiert. Außerdem haben wir große Partner für Start-ups wie die Deutsche Telekom, DHL und die Postbank. Wir haben bezahlbare Mieten und sind mit den Vereinten Nationen und Weltkonzernen recht international.

Was kann Bonn besser machen?

Thelen: Ich glaube, direkt für die Start-up-Szene kann Bonn nicht so richtig viel besser machen. Die wichtigen Themen werden auf Bundesebene bestimmt beziehungsweise durch starke Gründer, wie etwa Jörg Haas, der hier in Bonn einfach macht, unabhängig von politischen Gegebenheiten oder Entscheidungen. Aber ich wünsche mir, dass Oberbürgermeister Ashok Sridharan auch mal unbequeme Themen durchbringt und es nicht immer allen recht machen will.

Welche Themen meinen Sie?

Thelen: Zum Beispiel internationale Schulen: Wir wollten eine weitere internationale Schule mit Schwerpunkt Programmierung aufbauen. Das wurde im Rat abgelehnt, weil wir angeblich genug internationale Schulen haben. Das ist sehr ärgerlich, besonders da Eltern die Finanzierung bereitstellen wollten. Wir brauchen solche Schulen für Coding hier vor Ort. Die Stadt scheut bei der Förderung von internationalen Schulen zurück, weil sie es allen recht machen will. Aber wer Start-ups haben will, muss Programmierung fördern und internationalen Leistungsträgern hochwertige Schulen für deren Kinder bieten.

Zunächst einmal braucht es ja eine gute Idee. Was braucht es dazu?

Thelen: Jede gute Idee braucht einen Gründer, der für sie brennt. Es gibt auch Gründer, die wollen einfach nur Gründer sein. Das funktioniert aber nicht, weil man auf dem Weg zum Erfolg Glas fressen muss. Gründer und ihr Team müssen ihre Idee auch in brutal harten Zeiten vertreten, weil sie eine Vision haben. Wer diese Energie und diese Dynamik nicht hat, wird es nicht schaffen.

Als Investor entscheiden Sie in kurzer Zeit, ob eine Idee funktioniert. Woran erkennt man das?

Thelen: Wenn ich jemandem in die Augen gucke, dann frage ich mich: Ist das ein Typ, der hier auf Marketing macht oder ist er ernsthaft dabei? Und werden wir beide uns verstehen? Denn ich weiß, wir werden durch harte Zeiten gehen. Ein Produkt muss aber auch skalierbar sein, das heißt auch im großen Rahmen funktionieren. Wenn ich das nicht sehe, dann investiere ich nicht. So ticken Investoren. Das ist alles. Da gibt es keinen magischen Trick. Aber ab und an liege ich auch falsch und verliere meine Investition.

Was überzeugt Investoren denn?

Thelen: Ein klarer unfairer Vorteil. Wenn ein Team etwas viel besser als alle anderen kann. Dann wirst du mit Geld zugeschüttet. Genau das müssen Gründer in einer sehr kurzen Präsentation auf den Punkt bringen.

Wie schwer ist es in Deutschland zu gründen?

Thelen: Wir haben zu viele Hürden, weil wir zum Beispiel auch die kleinsten Bereiche regulieren. Ich habe mittlerweile so viele Rechtsberater und Steuerberater um mich herum, weil das so ein riesiges Thema ist. Das müssen wir radikal vereinfachen, damit wir uns schneller bewegen können. Friedrich Merz hat das in der CDU versucht und ist gescheitert. Christian Lindner versucht diese dringend notwendige Vereinfachung nun mit der FDP durchzubringen.

Früher hat es Jahrzehnte gedauert, bis man sich eine Marke aufgebaut hat. Heute ist das anders. Haben Sie Tipps, wie es am besten klappt?

Thelen: Ich sage immer: Es ist der rote Hut. Du musst auffallen. Du musst kristallklar für etwas stehen. Wir versuchen das mit Von Floerke. David Schirrmacher ist ein sehr starker Kommunikator. Ein Charakter, der nicht immer einfach ist, der aneckt. Aber er steht für so einen starken Kerl, der nicht vegan ist, der Zigarre raucht, Whisky trinkt. Deswegen hat er ganz viele Hasser, aber wir haben auf der einen Seite eine Spitzenmarke generiert. Der Punkt ist: Steh messerscharf für eine Sache, nicht für viele und versuche immer der zu sein, der auf der Party mit dem roten Hut heraussticht.

Was macht gute Unternehmer aus?

Thelen: Was, glaube ich, alle gemeinsam haben: Sie sind bereit, alles andere zur Priorität B zu machen. Sie haben immer einen unfairen Vorteil und können etwas besser als alle anderen. Es kann auch die Selbstvermarktung sein. Es gehört aber auch die Bereitschaft dazu, aufzustehen, wenn man hingefallen ist oder sogar hingeschubst wurde. Die meisten ziehen beleidigt ab.

Was uns zum Thema Scheitern führt. Wie gehen Sie damit um?

Thelen: Ich bin früher brutal dumm gescheitert. Ich habe für eine Million fast eine Million privat unterzeichnet, bin sehenden Auges ins Messers gelaufen. Ich habe mich vor der Privatinsolvenz gefunden, mit einem Leben, das ich abschreiben konnte. Das war dumm gescheitert. Heute gehe ich Risiken gezielter und reflektierter ein. Aber Scheitern bleibt weiter eine Option, denn wer kein Risiko eingeht, wird irrelevant.

Brauchen wir in Deutschland eine andere Fehlerkultur?

Thelen: Also ja, ich glaube wir müssen Scheitern als Kultur ermöglichen. Wir haben eine Kultur der kleinen Schritte mit zwei bis drei Prozent Wachstum. Das hat auch über Jahrhunderte funktioniert. Aber heute geht es um disruptive Ideen, die den Markt verändern. Da kommt einer und baut etwas derart anderes, das ist zehnmal besser, schneller oder günstiger und dann ist Ende. Und das kann man nur erreichen, wenn man bereit ist zu scheitern.

Auch Bonn versucht gerade, Gas in Sachen Start-ups zu geben, etwa mit dem Digital Hub. Wie vielversprechend ist das?

Thelen: Bonn ist nicht das nächste große Zentrum. Aber wir bauen eine kleine und funktionierende Szene auf. Für die Politik gilt: Wenn man kein Geld hat und keinen Nachteil sieht, einfach machen. Auf die Straße bringen und dann weitersehen. Bedenkenträger finden sich immer. So ein Hub ist ein guter Anfang – allein dafür um allen mal zu zeigen: Es gibt Start-ups, die sind hier und wir müssen uns jetzt damit befassen.