Austausch bei der IHK

Innovative Ideen bei der Gründungsmesse in Bonn

Junge Gründer (von links): Spiele-Designer Marco do Santos Pina, Flux-Gründer Wolfram Uerlich, Moringa-Vermarkter Arne Rohlfs und Grillmais-Vertreiber Mario Sacilotto.

Junge Gründer (von links): Spiele-Designer Marco do Santos Pina, Flux-Gründer Wolfram Uerlich, Moringa-Vermarkter Arne Rohlfs und Grillmais-Vertreiber Mario Sacilotto.

Bonn. Was treibt einen Gründer an? Wie kommt man auf eine Geschäftsidee? Die Gründungsmesse bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg versammelte einige Jungunternehmer aus der Region, die ihre Ideen vorstellten.

Wer nichts wird, wird angeblich Wirt. Arne Rohlfs war Restaurant-Fachwirt, aber im Alter von 31 Jahren kam ihm ein Motorradunfall dazuwischen. „Ich bin direkt gegen die Hauswand geknallt“, sagt er. Multiple Knochenbrüche, Arthrose. An die Ausübung seines Berufs war nicht mehr zu denken. Danach wurde der Troisdorfer Unternehmer und steht jetzt vor dem Sprung ins große Geschäft – mit Produkten aus der Moringapflanze. Am Samstag war er bei der Gründungsmesse in der Bonner Industrie- und Handelskammer (IHK) vertreten, mit der die Gründerwoche endete.

Und dort erzählte er, wie seine Geschäftsidee entstanden ist: „Moringa ist zu mir gekommen.“ Auf einer Studentenparty gab eine Mitbewohnerin aus Afrika ihm Pulver aus Blättern der Moringapflanze gegen die Arthrose in den Händen. Weil das Mittel half, kaufte der junge Mann eine Kapselmaschine und presste das Pulver zu Tabletten. Er war auf einen echten Tausendsassa gestoßen. Moringablätter enthalten 90 Vitamine und Mineralstoffe. Und die Samen können Wasser reinigen und desinfizieren.

Das Geheimnis der Moringapflanze

Mit diesem Wissen im Hintergrund gründete Rohlfs mehrere Moringaplantagen in Ghana, Tansania und im Kongo als Kooperativen lokaler Bauern. Seine Firma Estancia Verde verkauft das Produkt inzwischen als veganen Bio-Eistee ohne künstlichen Zucker und ab Dezember als Gesichtscreme bei einem großen Drogerie-Discounter. „Afrika braucht keine Spenden, sondern Einkommensquellen“, so Rohlfs, der mit seiner Firma nach sieben Jahren Arbeit auch seine Familie und einige angestellte Freunde finanziert.

Viele Jung-Unternehmer in der Region versuchen, eine Geschäftsidee mit ökologisch-sozialem Mehrwert zu etablieren. Tipps und passende Kontakte dazu konnten sie sich bei der Gründungsmesse holen. Zahlreiche interessierte Studierende und bereits erfolgreiche Gründer waren dazu auf Einladung von IHK-Präsident Stefan Hagen gekommen.

Mario Sacilotto aus Alfter verkauft Maisspindeln von gentechnikfreiem Kornmais als Ersatz für die 290 000 Tonnen Holzkohle allein in Deutschland, die teils aus geschlagenen Regenwaldbäumen produziert werde. „Mein Opa in Italien hat das schon immer gemacht“, sagt er. 2019 wollen zwei große Handelsketten sein Produkt einführen.

Mitfahrer-App soll 2019 starten

Der in Bonn aufgewachsene Portugiese Marco dos Santos Pina hat mit seinem Partner Sascha Mayert schon 600 Bonn-Memory-Spiele verkauft. Sein Sohn brachte den Produktdesigner auf die Idee dazu. Und der 27-jährige Student Wolfram Uerlich hat mit Partnern eine App entwickelt, die Autofahrer während der Fahrt mit möglichen Mitfahrern synchronisiert – und das auch auf Kurzstrecken. Im Frühjahr soll Flux online gehen, zuerst als Beta-Version für Mitarbeiter der Hochschule Bonn/ Rhein-Sieg, später für die Beschäftigten der Bonner Großunternehmen und 2020 für jedermann.

Nach zwei Jahren Entwicklung ist Uerlich überzeugt, dass Flux funktioniert. Wer registriert ist, erfährt innerhalb der Navigation, wo ein Mitfahrer wartet. Und abgerechnet wird elektronisch. Das war lange ein Hauptproblem: Es sei schwierig geworden, für die geringen Beträge von drei bis zehn Euro einen Finanzabwickler mit vertretbaren Preisen zu finden, erklärt Uerlich.

Alexander Pitz ging einen anderen Weg. Er kaufte ein Unternehmen – die Dipa Rohrbefestigungssysteme in Lohmar mit heute 20 Angestellten. Vorher hatte der Ex-Zeitsoldat mit einem Mini-Verlag und einer Airline Jet Cologne für Geschäftsreisende Erfahrungen gesammelt. Die meisten halte pure Angst vom Weg in die Selbstständigkeit ab, sagt Pitz. „Natürlich hatte ich auch schlaflose Nächte, als wir das erste Flugzeug auf Kredit bestellt haben“, berichtet der 34-Jährige. Und an manchen Tagen habe die drohende Privatinsolvenz von einer einzigen Flugbuchung abgehangen. Heute, mit Frau und Kind, erscheint Pitz manche Entscheidung etwas blauäugig. Aber ohne Risiko gebe es auch keinen Ertrag, sagt er.