GA-Interview mit Telekom-Geschäftsführer

Hagen Rickmann: „Der Mittelstand kommt gut voran“

Immer mehr deutsche Firmen entdecken den 3D-Druck.

Immer mehr deutsche Firmen entdecken den 3D-Druck.

Bonn. Hagen Rickmann, Geschäftsführer von Telekom Deutschland, spricht im GA-Interview über über Digitalisierungsanstrengungen deutscher Firmen und die Übertragung von Amateursport.

Unter dem Dach von Telekom Deutschland mit rund 67 000 Beschäftigten hat der Bonner Konzern das Inlandsgeschäft zusammengefasst. Hagen Rickmann ist als Geschäftsführer für die Geschäftskunden zuständig. 5700 Beschäftigte sind bundesweit für die Geschäftskundensparte tätig, die vor allem mittelständische Kunden wie Zalando und Haribo betreut. 750 davon am Bonner Landgrabenweg. Mit Rickmann sprach Claudia Mahnke über Digitalisierungsanstrengungen deutscher Firmen und die Übertragung von Amateursport.

Wo steht der deutsche Mittelstand in Sachen Digitalisierung ?

Hagen Rickmann: Der Mittelstand kommt gut voran. Es gibt im Moment so viele Klagen über die Behäbigkeit des Mittelstands. Das ist übertrieben und nervt mich, weil es nicht stimmt. Die Mittelständler kümmern sich viel stärker um die Digitalisierung, als man glaubt. Kleinere Firmen haben vielleicht noch keinen eigenen Onlineshop, aber sie haben ein digitales Auftragsmanagement oder eine interaktive Webseite.

Woran merken Sie das zunehmende Interesse?

Rickmann: Natürlich bei den vielen Gesprächen mit Kunden. Aber wir haben im vergangenen Jahr auch eine Studie machen lassen. Der Digitalisierungsindex hat ergeben, dass fast drei Viertel der Firmen das Thema als bedeutend für ihr Unternehmen halten und 46 Prozent derzeit Digitalisierungsprojekte in ihren Firmen umsetzen.

Wer geht denn mit gutem Beispiel voran?

Rickmann: Ein gutes Beispiel ist Flixbus, die ja rasant an Marktanteilen bei Fernbussen zugelegt haben. Wir sind der Partner, der es Flixbus ermöglicht, in allen Bussen WLan anzubieten. Das ist für Flixbus ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Fernbus-Anbietern. Auch das Buchungsverfahren ist völlig digitalisiert. So können sich die Kunden schon beim Ticketkauf ihren Platz aussuchen, wie man das auch von Bahn- oder Flugreisen her kennt.

Stellen sich junge Unternehmer leichter auf die Digitalisierung ein als ältere?

Rickmann: Rein subjektiv glaube ich das schon, da ich mich während der Arbeit öfter mit jüngeren Unternehmern unterhalte. Sie gehen anders mit dem Thema um, gestalten die Entwicklung oft aktiv mit. Das halte ich aber auch für völlig normal. Aber auch ältere Unternehmer haben die Chancen erkannt: Wir sind kürzlich mit 20 mittelständischen Kunden ins Silicon Valley gereist und haben Firmen wie beispielsweise Facebook oder Google besucht. Bei der Reise waren junge und ältere Unternehmer dabei – und alle waren begeistert und sind motiviert nach Hause geflogen.

Warum sind Sie mit den Unternehmern an diesen wichtigen Standort der High-Tech-Industrie in die USA gereist?

Rickmann: Besuche im Silicon Valley inspirieren immer sehr. Der Funke ist auch bei dieser Reise wieder übergesprungen. Unternehmer sehen auf diese Weise neue Möglichkeiten. Nebenbei: Es war natürlich kein Rundumpaket von uns, sondern jeder Unternehmer hat Flug und Unterkunft selbst gezahlt. Wir haben ‚nur‘ die Rolle des Türöffners gespielt.

Was haben Kunden von mehr Digitalisierung?

Rickmann: Das kann man an einem Beispiel gut klarmachen. Der Bremer Logistiker ICM hat die Beladung der Lkw traditionell nach Gewicht gemacht, weil die LKW ja nicht überladen werden dürfen. Aber es gibt Güter wie Bürostühle, die in einem Karton stecken, in den auch ein Bagger hineinpassen würde. Mit 3D-Scanning und virtueller Realität ist heute die Beladung für die Spedition viel einfacher und interaktiver geworden. Auch die Fahrer ist können sich so leichter auf die Ladung einstellen. Anderes Beispiel: Ein junges Unternehmen hat eine Indoor-Navigation entwickelt. Mit der Lösung von NavVis lässt sich das Innere von Gebäuden komplett in 3D darstellen. Und diese Daten sind dann zum Beispiel sehr nützlich bei Wartungs- oder Renovierungsarbeiten.

Wo sehen Sie Erfolgsfaktoren?

Rickmann: Es gibt nicht den einen Weg. Wie lange hat Amazon gebraucht, um in die Gewinnzone zu kommen? Zehn Jahre. Auch Google hat lange gebraucht, um Marktführer zu werden. Es muss viel probiert werden, bis ein Geschäftsmodell so gut funktioniert, dass es durch die Decke geht. Ob Jung oder Alt – es kommt auf den Unternehmer an. Da läuft mehr, als wir glauben. Manche reden zunächst auch gar nicht drüber.

Manchmal ist aber schon die Beschaffung einer modernen Telekommunikationsanlage die Herausforderung. Viele Mittelständler haben die Umstellung auf das IP-Netz noch vor sich. Wie geht es voran?

Rickmann: Wir kommen gut voran. Solange man dem Unternehmer klar machen kann, dass die Umstellung auf IP die Voraussetzung für Digitalisierung ist, dann geht er auch den Weg mit. Nur ein kleiner Teil will davon noch nichts wissen, da müssen wir weiter Überzeugungsarbeit leisten. Man darf eines nicht übersehen: Der Wechsel auf IP ist der größte technologische Umbau, den wir in der Telekom je hatten.

Werden alle Kunden bis Ende 2018 gewechselt haben? Dann soll das alte Netz ja abgeklemmt werden.

Rickmann: Wir haben mittlerweile mehr als eine Million Anschlüsse bereits migriert. Ob wir dann alle drüben haben werden, wird sich zeigen. Wir streben es jedenfalls an.

Die sporttotal.tv GmbH und die Telekom Deutschland haben eine Partnerschaft für die Übertragung von Amateursport-Veranstaltungen geschlossen. Das fällt auch in Ihr Geschäftsfeld. Was steckt dahinter?

Rickmann: Wir glauben an die Zukunft eines Amateursport-Portals und daran, dass es sich lohnen kann, auch Fußballspiele der vierten oder fünften Liga zu übertragen. Der Sport, und speziell der Fußball, hat viele Fans abseits der Profiligen. Die Telekom bringt ihr Know-how ein und stellt als Gründungspartner die Technik zur Ausrüstung der Sportplätze und -hallen zur Verfügung.

Was muss ein Verein machen, der Interesse hat?

Rickmann: Das Angebot kostet den jeweiligen Verein monatlich lediglich 9,90 Euro. Das Portal soll sich ansonsten durch Werbeerlöse finanzieren. Wir sind Technologiepartner und unterstützen in den Bereichen Aufbau und Übertragung sowie mit einer zentralen Microsoft Cloud Infrastruktur. Die erforderliche Bandbreite werden wir im jetzt anlaufenden Pilotprojekt testen, entscheidend ist hierbei die Upload-Geschwindigkeit.

Wie funktioniert die Teilnahme praktisch?

Rickmann: Die Vereine müssen aktiv werden und sich melden. Die Vermarktung übernimmt unser Partner sporttotal.tv GmbH, eine Tochter der wige Media AG. Man kann sich über deren Website auch für das Projekt bewerben. In der Pilotphase sind bis zum Ende der laufenden Fußballsaison zunächst Spiele aus den Bayern-Ligen Nord und Süd sowie der Regionalliga Nord und der Oberliga Niedersachsen live und auf Abruf im Internet zu sehen.