Rückgrat der örtlichen Wirtschaft

Gewerbegebiet Goldene Meile zieht sich über drei Kommunen hin

Blick auf das Gewerbegebiet zwischen Sinzig (links) und Bad Breisig (rechts).

REMAGEN/SINZIG/BAD BREISIG. Die Fläche zwischen Bad Breisig und Remagen ist für die Städte Remagen, Sinzig und Bad Breisig Gold wert - die drei Kommunen haben die Meile als Standort für ihre Gewerbegebiete erkoren.

Der fruchtbare Boden am Rhein zwischen Bad Breisig und Remagen hat dem Landstrich einst die Bezeichnung "Goldene Meile" eingebracht. Traurige Berühmtheit erlangte dieser Abschnitt des Rheintals im Frühjahr 1945, als die Alliierten dort ein Kriegsgefangenenlager angelegt hatten. Mittlerweile ist die Fläche für die Städte Remagen, Sinzig und Bad Breisig wieder Gold wert. Denn die drei Kommunen haben die Meile als Standort für ihre Gewerbegebiete erkoren.

Während andere Städte und Gemeinden intensiv um Unternehmen werben, um ihre Gewerbeflächen füllen zu können, ist man in Remagen entspannt. Denn der sich auf 467 000 Quadratmeter erstreckende und an der südlichen Stadtgrenze in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rhein-Ahr-Campus gelegene Gewerbepark Remagen-Süd ist voll. "Das Potenzial ist ausgeschöpft", so Bauamtschef Gisbert Bachem. Derzeit sind nur noch einzelne private, aber keine freien städtischen Grundstücke mehr zu haben. Seit Ende der 80er Jahre haben sich dort rund 50 Unternehmen mit insgesamt fast 1000 Arbeitsplätzen niedergelassen.

Mit der Poli-Tape-Group hat sich in Remagen ein Vorzeigeunternehmen angesiedelt. Der 1993 von Walter Möhren in den Räumen einer kleinen Bäckerei in Kripp gegründete Betrieb ist stark gewachsen, zählt heute zu den Branchenriesen auf dem Gebiet der Werbe- und Beschriftungstechnik. Mit etwa 250 Mitarbeitern ist Poli-Tape der größte Arbeitgeber im Gewerbegebiet Süd. Und mit der neu installierten Beschichtungsanlage hat das Unternehmen gar die modernste Produktionsstätte der Welt errichtet.

In mehr als 50 Länder der Welt liefert auch die Vito Irmen GmbH & Co. KG, die selbstklebende Produkte für Industrie, Bau- und Medizintechnik herstellt. Mit etwa 160 Mitarbeitern zählt auch die familiengeführte Zewo-Therm GmbH zu den Großen der im Gewerbegebiet ansässigen Arbeitgebern. Das Unternehmen produziert unter anderem Flächen-Temperierungssysteme. Ähnliche Größenordnung hat die Morgan Rekofa GmbH, die vor drei Jahren eine Dependance in Remagen eröffnet hat. Das Unternehmen fertigt Produkte zur Strom- oder Datenübertragung. Und seit mehr als 25 Jahren ist dort die Remagener BAWO Türelemente GmbH mit der Herstellung und dem Vertrieb von Türen befasst.

Die Bandbreite der in Remagen ansässigen Unternehmen ergänzen die e-bility GmbH - ein vor vier Jahren von drei Brüdern gegründeter Hersteller von Elektromotorrollern, und Siegfried Merten, der sich auf den Neubau und die Restauration von Orgeln spezialisiert hat.

"Global Player" und Branchenriesen sucht man im Gewerbe- und Industriepark Sinzig vergeblich. Vielmehr besticht das etwa 38 Hektar große Gebiet durch einen interessanten Branchenmix. So haben sich dort Produktions-, Handwerks-, Industrie- und Großhandelsbetriebe sowie Dienstleister und Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Softwareentwicklung, Technologie und Pharmazie angesiedelt. Vertreten sind darüber hinaus Maschinenbau, Verbundfasertechnik, Stahlbau, Fliesenproduktion und die Herstellung von Druckerzeugnissen.

Mit insgesamt 146 Betrieben erreicht der Park einen Ansiedlungsgrad von 90 Prozent. Mit der Wunderlich GmbH hat Sinzig ein Unternehmen zu bieten, dessen Geschichte mehr als bemerkenswert ist. Denn 1985 schraubte Firmengründer Erich Wunderlich noch unter dem elterlichen Dach an seinen Motorrädern. Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist längst ein vielbeachteter Zubehör-Lieferer mit rund 40 Mitarbeiten geworden, dessen Teile - vornehmlich für BMW-Motorräder - und individuell ausgestatteten Designer-Bikes weltweit Beachtung finden.

Mit 250 000 Quadratmetern ist das Gewerbegebiet Goldene Meile in Bad Breisig das kleinste seiner Art an der Rheinschiene. Unter den 40 Firmen befinden sich Handwerksbetriebe, eine Disco, ein Fitnessstudio, eine Kfz-Werkstatt, ein Videoverleih und eine Schlosserei. Mit Hilfe der gerade erbauten Brücke soll es weitere Ansiedlungen geben. Sie stellt eine bessere Anbindung an das im Norden der Stadt gelegene Gewerbegebiet dar. Damit sind nicht zuletzt auch die Gewerbeflächen in der alten Glasfabrik und auf dem Real-Markt-Gelände noch interessanter für Investoren geworden.

Der Ortsteil Brohl der Ortsgemeinde Brohl-Lützing ist als ehemaliger Industriestandort noch heute von Gewerbetreibenden geprägt. So haben sich dort rund 50 Firmen angesiedelt. Besonders bekannt: Der Tönissteiner und der Brohler Mineral- und Heilwasserbrunnen.