Besserverdiener unter den Azubis Geringqualifizierte werden zur Weiterbildung gefördert

Lukas Martin Doering bei der Arbeit in der Seniorenresidenz Curanum in Hennef-Mitte: Der 35-Jährige lernt den Beruf des Altenpflegers.

Bonn. Die Agentur für Arbeit ermutigt Geringqualifizierte mit höherem Gehalt zur Weiterbildung. Dahinter steht auch der zunehmende Fachkräftemangel - vor allem im Pflegeberuf.

Lukas-Martin Doering macht eine Ausbildung zum Altenpfleger, verdient aber deutlich besser als die meisten in seiner Position. Nach mehreren Berufsjahren käme er mit dem üblichen Azubi-Gehalt auch nicht mehr zurecht, erklärt der 35-Jährige aus Sankt Augustin. Schon alleine die Mietpreise in der Region seien so hoch, dass er sich die drei Lehrjahre nur mit Abstrichen hätte leisten können. Und als Berufstätiger wolle man schließlich mit Anfang 30 nicht wieder von einem Azubi-Gehalt leben. Damit er das nicht muss, bezuschusst die Agentur für Arbeit seine Ausbildung. Denn die Pflegebranche hat ein sehr großes Interesse daran, dass Arbeitnehmer wie Doering sich qualifizieren lassen.

Vor seiner Ausbildung kam Doering als Quereinsteiger zum Pflegeberuf, arbeitete einige Jahre als Pflegehelfer, seit 2013 in der Seniorenresidenz Curanum Hennef-Mitte. Aber, was die Branche dringend braucht, sind Fachkräfte – 35 000 unbesetzte Stellen gibt es in Deutschland. Deshalb ermöglicht die Agentur für Arbeit es geringqualifizierten Beschäftigten wie Doering, eine Ausbildung zu machen und gleichzeitig das bisherige Gehalt behalten zu können.

Programm "WeGebAu"

Das entsprechende Programm der Agentur für Arbeit mit dem umständlichen Namen „WeGebAu“ (steht für Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) richtet sich nicht nur an Auszubildende in der Pflege. „In dieser Branche ist es allerdings sehr erfolgreich“, erklärt Kai Fikus vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bonn. In den Bezirken Bonn und Siegburg nahmen bisher in diesem Jahr 126 Auszubildende an dem Programm teil. Das sind jetzt schon fast genauso viele wie im gesamten Jahr 2017. Dennoch gebe es noch Luft nach oben, erklärt Fikus. Es sei noch Budget für weitere Umschulungen vorhanden.

Die Seniorenresidenz Curanum in Hennef-Mitte beschäftigt acht Azubis, zwei erhalten die Unterstützung der Agentur für Arbeit. Die Einrichtung gehört zu Korian Deutschland, ein Konzern, der in Deutschland 230 Einrichtungen betreut, mit stationären Pflegeplätze und betreutem Wohnen. Allein in NRW gibt es 53 Häuser, in denen derzeit mehr als 400 Fachkräfte ausgebildet werden – 91 von ihnen im Rahmen des Umschulungsprogramms, an dem auch Doering teilnimmt. Voraussetzung dafür: Bewerber verfügen entweder bisher über keinen Berufsabschluss oder haben mindestens vier Jahre nicht mehr in ihrem erlernten Beruf gearbeitet. Neben Umschulungen werden auch Weiterbildungen unterstützt.

Enorme Zukunftssicherheit

Dörings Lebenslauf könnte gerader sein. Aber er zeugt dafür von großer Motivation: Bereits nach seinem Hauptschulabschluss pflegte er selbst über mehrere Jahre ein Familienmitglied. „Man hört so viele Lebensgeschichten, es ist oft auch lustig mit den Bewohnern und man lernt so viel über medizinische aber auch soziologische Themen“, schwärmt Doering von seinem Beruf.

Seine Azubi-Kollegen in der Pflege verdienen in der Regel etwa 1000 Euro brutto, erklärt Doerings Vorgesetzter Hans-Josef Noppeney, der die Einrichtung in Hennef leitet. „Der Beruf bietet aber eine enorme Zukunftssicherheit“, betont er. Es berichtet von einen regelrechten Kampf um die Mitarbeiter. Andere Unternehmen werben Mitarbeiter ab, bieten höhere Gehälter oder weniger Arbeitsstunden. „Einige bieten sogar eine Anfangsprämie“, erzählt Noppeney – ähnlich wie es Stromanbieter machen, wenn sie auf Kundenfang sind.

In ländlichen Regionen ist es schwieriger

Auf die Frage, wie viele Fachkräfte in den Einrichtungen der Korian Deutschland in NRW bereits fehlen, möchte die Personalleiterin der Region Mascha Hoffmann keine konkrete Antwort geben. „Es fehlen Fachkräfte“, betont sie ernst.

Ansonsten bleibt sie zurückhaltend: „In ländlichen Regionen ist es schwieriger.“ Noppeney bereitet auch die Fluktuation der Mitarbeiter Sorgen. Deshalb macht er sich Gedanken, wie er seinen Azubi halten kann. Wettbewerber bieten manchmal 200 Euro brutto mehr, erzählt er. Da könne man nicht immer mitgehen. Aber er will sich für Doering engagieren: Vielleicht nicht mit Geld aber dafür einer Weiterbildung zum Qualitätsmanager. Döring genießt, wie sich das Unternehmen um ihn kümmert. So kann Noppeney hoffen, dass sich seine Investition in den 35-Jährigen lohnen.

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