GA-Serie Lehrstellen-Check

Geringe Nachfrage bei Handwerks- und Pflegeberufen

Das "Sofortprogramm" der Bundesregierung sieht 13.000 zusätzliche Stellen in der Pflege vor.

Symbolbild

Bonn/Region. Handwerk und Pflege suchen händeringend nach Auszubildenden in der Region. Doch obwohl es dort mittlerweile gute Karrierechancen gibt, ist das Interesse an kaufmännischen Berufen ungebrochen.

Bei der Berufsberatung, einem Angebot der Bundesagentur für Arbeit, gibt es Infos über alle denkbaren Berufswege. Besonders an junge Menschen, die noch nicht herausgefunden haben, welchen beruflichen Werdegang sie einschlagen möchten, richtet sich dieses Angebot.

Angelika Kindt ist als Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit in Bonn tätig, besucht aber auch Schulen und hilft Schülern oder Absolventen individuell in Gesprächen und zeigt Optionen auf. „In der Beratung kann ich vorher nie pauschal sagen, was ich gefragt werde. Es gibt Schüler, die sich nicht sicher sind, ob sie ihren Abschluss machen oder doch lieber schon eine Ausbildung beginnen sollen. Aber auch einige, die genau wissen, was sie möchten und lediglich Fragen haben, wie man sich am besten bewirbt.“ Und Ralf Steinhauer, Leiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bonn, ergänzt: „Die Bandbreite ist wirklich enorm: Auf der einen Seite junge Menschen, die denken, dass sie mit einem Hauptschulabschluss Arzt werden können, auf der anderen Schüler mit völlig klarem Bild, die nur weitere Realisierungsvorschläge haben möchten.“

Hohe Nachfrage im kaufmännischen Bereich

Kindt erlebt in ihren Beratungsgesprächen das, was sich auch aus den Statistiken herauslesen lässt: „Besonders die kaufmännischen Berufe werden gezielt angefragt, das Handwerk leider nicht.“ Woran das liegen könnte? „Viele verbinden wohl allein mit dem Begriff des handwerklichen eine Baustelle und wenig Aufstiegschancen. Da wirkt der Büroalltag auf den ersten Blick vielleicht bequemer“, vermutet sie. „Dabei ist es gar nicht so, wie viele es sich vorstellen.“ Aus diesem Grund weisen die Agenturen für Arbeit aktiv auf die offenen Stellen hin. Wer sich als einer von vielen auf kaufmännische Berufe bewirbt, hat natürlich geringere Chancen auf eine direkte Anstellung – anders kann es da im handwerklichen Bereich aussehen. Da händeringend Auszubildende und Fachkräfte gesucht werden, lohnt sich ein Blick in die vielfältigen Bereiche. „Nicht nur im Handwerk wird gesucht, auch in der Pflege und der Erziehung“, betont Steinhauer .

Gemeinsam mit der Handwerkskammer will die Agentur für Arbeit Stellen vermitteln und die immer größer werdenden Lücken schließen. „Schüler wollen mittlerweile länger zur Schule gehen“, bemerkt Kindt mit Blick auf die vergangenen Jahre. „Wenn es früher noch hieß: 'Mach lieber erst Mal eine solide Ausbildung', ist an die Stelle eher das Abitur gerückt.“

Vielen gäbe der Schulabschluss eben eine entsprechende Sicherheit. „Trotzdem versuchen wir weiterhin, einen Marktausgleich herzustellen und auf die unbesetzten Stellen hinzuweisen“, so der Leiter der Berufsberatung. Perspektiven müssten aktiv aufgezeigt werden und auf die Entwicklung der Industrialisierung eingegangen werden.

Angebot und Nachfrage 
decken sich nicht

Ebenfalls das Bundesinstitut für Berufsbildung hat in seinem „Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2018“ von den Problemen der unbesetzten Ausbildungsstellen berichtet: „Wie bereits in den Vorjahren erhöhte sich 2017 erneut die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote (...), die nicht besetzt werden konnten.“ Insgesamt blieben damit so viele Ausbildungsstellen offen, wie seit 1995 nicht mehr. Weiter heißt es, dass sich die Zahl der unbesetzten Stellen im Handwerk von 2009 bis 2015 verdreifacht habe. Ebenso blieb 2017 jedes zehnte Ausbildungsplatzangebot unbesetzt.

Auf der anderen Seite gab es im vergangenen Jahr zum Stichtag am 30. September mehr als 80.000 Bewerber, die noch auf der Suche waren – dieser Umstand wird im „Index Passungsprobleme“ untersucht. Eine Lösung für diese Passungsprobleme – also gleichzeitige Schwierigkeiten bei der Besetzung und Versorgung – scheint nicht einfach. Denn die Besetzungsprobleme gibt es vor allem in der Gastronomie und im Lebensmittelhandwerk, die große Nachfrage herrscht allerdings im Mediensektor und kaufmännischen Bereich.