Wochenend-Touristen gesucht

Freizeittourismus in der Region schwächelt

Bonn. Das Gastgewerbe in der Region klagt zum Teil über sinkende Auslastung. In Königswinter boomt das Geschäft, der historische Tourismus rund um den Drachenfels erlebt eine Renaissance.

Immer mehr Gäste kommen nach Bonn und in den Rhein-Sieg-Kreis. Und trotzdem wächst in der Tourismusbranche der Pessimismus. Beim Geschäftsklimaindex, der die Stimmung der Unternehmen in einer Zahl wiedergibt, liegt die Branche mit 93,5 Punkten deutlich unter dem Wert aller Wirtschaftszweige in der Region von 121 Punkten. Das hat eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg ergeben. „Der Freizeittourismus in der Region schwächelt“, lautet das Fazit der Kammer. Bei immerhin 41 Prozent der befragten Gastbetriebe sei die Auslastung gesunken.

„Ein Problem ist, dass gerade Bonn stark von Geschäftsreisenden abhängig ist“, sagt IHK-Experte Till Bornstedt. Vor allem an Wochenenden stünden dadurch Hotelzimmer leer. Neueröffnungen hätten außerdem dazu geführt, dass der Wettbewerb in der Stadt wachse. Außerdem sei die Auslastung im Sommer generell geringer als in der Kongresssaison nach den großen Ferien. Auch daher seien die Unternehmen pessimistischer als bei der Befragung vor sechs Monaten. „Im Herbst 2018 war die Lage nicht zuletzt wegen des guten Wetters und der daraus entstandenen kurzfristigen Nachfrage in der Region zufriedenstellend. Auch fanden viele Kongresse wie etwa der Deutsche Tourismustag in Bonn statt“, so Bornstedt.

Weitere Events sollen Touristen anlocken

In der Branche sieht man trotz der wachsenden Besucherzahlen die Notwendigkeit, das Angebot für Freizeittouristen breiter aufzustellen. „Wir brauchen mehr Events in der Stadt an den Wochenenden“, sagt der Bonner Hotelier Fritz Georg Dreesen. „Es müssen Anlässe dafür geschaffen werden, nach Bonn zu kommen.“ Er wünscht sich eine aktivere Vermarktung von Touristenattraktionen wie etwa der Kirschblüte in der Altstadt, ohne dabei das Tagungs- und Kongressgeschäft zu vernachlässigen. „Im Rahmen der neuen Tourismusstrategie des Landes NRW ist die Region dabei schon aktiv,“ sagt er. Insgesamt wünscht er sich für das Rheinland als Gesamtregion auf dem Tourismusmarkt eine bessere Kooperation.

Udo Schäfer, Geschäftsführer der Tourismus- und Kongressvermarktungsgesellschaft für Bonn und Region, beurteilt die Zusammenarbeit über Kommunen und Landesgrenzen hinweg als positiv, „auch wenn es natürlich noch Luft nach oben gibt“. Vor allem mit Blick auf das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 arbeite die Region außerdem eng mit der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) zusammen, die die Bundesrepublik im Regierungsauftrag weltweit als Reiseziel vermarktet. Vor allem Asien, die USA und Benelux hat Schäfer dabei als Herkunftsländer künftiger Bonn-Touristen im Auge. Auch wenn „die mit Abstand größte Besuchergruppe aus der direkten Umgebung kommt, vor allem aus den Ballungsräumen nördlich von Bonn“. Neben Beethoven setzt Schäfer bei den Freizeittouristen auf Kulturangebote wie Museumsmeile, Springmaus und Pantheon. „Aber auch Kombinationen wie Wandern im Siebengebirge und Theaterbesuch in Bonn sind gefragt“, sagt Schäfer.

Siebengebirge nach wie vor sehr beliebt

Vor allem im Siebengebirge tut sich in Sachen Fremdenverkehr einiges. „Bei uns schwächelt gar nichts“, sagt Oliver Bremm, Geschäftsführer der Tourismus Siebbengebirge GmbH in Reaktion auf die aktuelle IHK-Umfrage. Die Stadt misst ihre Attraktivität für Besucher unter anderem über Infrarot-Zählstellen auf dem Drachenfels. Dort sei die Besucherzahl im ersten Halbjahr wieder einmal gestiegen, sagt Bremm – um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Aber auch am Fuße des Ausflugsberges zeigen sich die Folgen des florierenden Fremdenverkehrs: „In Königswinter eröffnen gerade neue Geschäfte und Cafés“, sagt Bremm. „Man merkt, es tut sich etwas“.

Die meisten Gäste empfängt der Ort am Rhein mit langer Tourismushistorie aus der direkten Umgebung. „Aber es gibt bei uns auch viele Reisende aus Spanien und den Benelux-Ländern“, sagt sein. Das Klischee von Königswinter als Lieblingsziel der Holländer hält der Experte allerdings für „einen Mythos, der so nie gestimmt hat“.

Die Wiedererweckung von Königswinter als Touristenziel habe vor etwa 20 Jahren begonnen, so Bremm. Damals habe die Kommune wieder bewusst darauf gesetzt, attraktive Angebote für Reisende zu schaffen. Im Jahr 2010 konnte Königswinter vom Strukturförderprogramm „Regionale“ der NRW-Landesregierung profitieren. Damals wurde unter anderem die Entwicklung „Klosterlandschaft Heisterbacher Tal“ mit öffentlichen Zuschüssen unterstützt. „Noch heute zeigen die damaligen Maßnahmen Wirkung“, sagt Bremm.

Doch Königswinter setzt nicht nur auf Ausflügler. Vor allem während der Kölner Messeveranstaltungen konkurriert die Hotellerie mit den Betrieben in Bonn. „Durch die direkte Zugverbindung nach Köln erreichen Geschäftsreisende von uns aus den Deutzer Bahnhof problemlos“, so Bremm. Und auch das Thema Beethoven will das Umland nicht der Bundesstadt überlassen. Der „Beethovenwanderweg“ führt 15 Kilometer durch das Nachtigallental, über die Rosenau und den Petersberg zurück an den Rhein. Zeitzeugen sollen immerhin beobachtet haben, so die Wanderorganisatoren, dass Beethoven hin und wieder den Fluss überquerte, „um in der Rheinebene zu träumen und zu arbeiten“.