Interview mit Uschi Heidel

"Frauen machen Zukunft" im Bonner Post Tower

Teamspielerinnen: (von links) Anna Poth, Uschi Heidel, Katja Spross und Johanna Nolte.

Teamspielerinnen: (von links) Anna Poth, Uschi Heidel, Katja Spross und Johanna Nolte.

BONN. Am 8. September findet im Post Tower im Bonn das Barcamp „Frauen machen Zukunft“ statt. Mitorganisatorin Uschi Heidel spricht im Interiview mit dem GA darüber, was die Teilnehmerinnen erwartet.

Gläserne Decken, ungleiche Bezahlung, Rückkehr in Vollzeit, Positionierung in Männerrunden: Frauen stoßen im Job auf Hindernisse. Welche Strategien gibt es für Unternehmerinnen und Gründerinnen, aber auch für Mitarbeiterinnen und Berufsanfängerinnen? Wie planen Studentinnen ihre Karriere? Das Barcamp „Frauen machen Zukunft. Beruf – Karriere – Netzwerk“ gibt am Samstag, 8. September, die Gelegenheit zum Austausch. Mit Uschi Heidel, einer der Organisatorinnen, sprach Sylvia Binner.

Was brachte Sie und Ihre Mitorganisatorinnen darauf, das Barcamp für Frauen zu planen?

Uschi Heidel: Meine Kollegin Isabell Lisberg-Haag, die gerade im Urlaub ist, hatte die Idee. Auch weil für uns als reines Frauenunternehmen Themen wie Frauen in der Arbeitswelt und in der Wissenschaft an der Tagesordnung sind. 2014 hat uns das Bundeswirtschaftsministerium sogar zu Vorbildunternehmerinnen gekürt. Eine Verpflichtung, die wir ernst nehmen. Wir wollen Vorbild sein, gerade auch für junge Frauen. Sie sollen sehen, dass sie etwas bewegen können in der Arbeitswelt, dass es sich lohnt, sich Ziele zu stecken – und dass sie diese auch erreichen können. Unabhängig vom Alter ist es hilfreich, sich zu vernetzen, um voneinander zu lernen. Gerade Frauen müssen oft lernen, sichtbar zu werden. Sie trauen sich oft nicht genug, hervorzutreten und zu zeigen, was sie können. Dabei sind Frauen geniale Netzwerkerinnen im privaten Raum. Das können sie auf den Job übertragen.

Gibt es ähnliche Veranstaltungen in Bonn, die gezielt Frauen ansprechen?

Heidel: Es gab die Messe Women & Work, die Bonn verlassen hat und nach Frankfurt abgewandert ist. Das war für uns ein weiterer Grund für das Barcamp.

Und warum das Format?

Heidel: Wir finden dieses innovative Format gut, das eine hohe Selbstbeteiligung vorsieht. Dabei wird sichergestellt, dass es wirklich um die Interessen der Teilnehmerinnen geht, schließlich entwickeln sie zu Beginn der Tagung selbst die Themen und den Ablauf. Nach unseren Erfahrungen aus vielen anderen Veranstaltungen ist es das, was die Menschen heute wollen. Sie möchten nicht mehr stundenlang dasitzen und einen Vortrag nach dem anderen hören. Sie wollen diskutieren, selbst aktiv sein, sich inspirieren lassen.

Wen wollen Sie mit der Veranstaltung ansprechen?

Heidel: Natürlich alle Frauen im Job. Managerinnen, Unternehmerinnen, Gründerinnen, Hochschulabsolventinnen, junge Berufstätige, Studierende oder Auszubildende – je unterschiedlicher, desto besser. Und selbstverständlich nicht ausschließlich Frauen. Je breiter das Spektrum, desto besser. Ein Barcamp lebt von der Vielfalt.

Wie haben die Unternehmen reagiert?

Heidel: Unser Hauptsponsor ist die Deutsche Post DHL. Wir sind an das Unternehmen herangetreten, und die Reaktion war sehr offen und positiv. Wir sind sehr froh, dass wir die Veranstaltung im Post Tower machen können. Denn auch der Ort gibt dem Barcamp einen Wert.

Deutsche Post DHL

Worauf sollten Frauen achten, wenn es um ihre berufliche Zukunft geht?

Heidel: Frauen haben ein Riesenpotenzial. Und das sollten sie auch selbstbewusster einbringen. Kreativität, strategisches Denken, strukturelles Gestalten – die Vorzüge von Frauen sind in der digitalen Welt sehr gefragt. Die Digitalisierung bietet Frauen viele Chancen.

Warum?

Heidel: Es kommt Frauen entgegen, dass die digitale Arbeitswelt hierarchiefreier zu werden verspricht. Außerdem erlaubt sie mobile und flexiblere Arbeitsweisen. Denken und arbeiten außerhalb enger Muster, da ist der Ideenreichtum der Frauen gefragt. Die Chancen müssen sie nutzen, um die digitale Zukunft mitzugestalten, in der Frauen eine große Rolle spielen, auch weil sie gute Teamplayerinnen sind.