Porträt

Frank Asbeck hat die Dürreperiode von Solarworld durchstanden

Sternbild Löwe: Solarworld-Chef Frank Asbeck.

BONN. "Ich bin Bauer", sagt Frank Asbeck, wenn er nach seinen Hobbys gefragt wird. Er liebt die Tiere und die Natur, und als Vorstandschef von Solarworld hat der studierte Agraringenieur inzwischen gezeigt, dass er auch eine lange Dürre durchstehen kann. Dabei entzweit der Bonner die Gemüter.

Grünen-Mitglied und Rolls-Royce-Fahrer, Öko-Unternehmer und dreifacher Schlossbesitzer, Tierfreund und passionierter Jäger, - es sind die vielen Gegensätze, die dem 54-Jährigen seit Jahren besondere Aufmerksamkeit bescheren. Widersprüchlich auch seine Art. Mal trumpft er in der Öffentlichkeit scheinbar großkotzig auf - "Meist bin ich den anderen zehn Jahre voraus" - , mal kommt er direkt und kumpelhaft rüber und hilft, wenn Not am Mann ist. Die Öffentlichkeit liebt und hasst ihn dafür - zuletzt versuchte die ARD am Montagabend, den "Sonnenkönig" zu entzaubern.

Asbeck hat es geschafft, die Bonner Solarworld zum Marktführer in Deutschland aufzubauen. Nicht schwer angesichts der Subventionen, meinen Kritiker. Doch staatliche Mittel bekamen auch Wettbewerber. Als Börsenstar stand Asbeck lange auf der Sonnenseite, die er auch genoss: Das erste Schloss in direkter Rheinlage von Bad Godesberg, ein Maserati für Ausfahrten in die Region.

O-Ton Asbeck: "Irgendjemand muss ja die letzten Ölreserven verbrauchen, damit sich die Solarenergie durchsetzt." Zurückgezogenheit oder Understatement waren Asbecks Sache nie, die Grenzen zwischen Unternehmertum, Großmannssucht und Wohltätigkeit sind bei ihm fließend. 2008 kauft Asbeck ein Gemälde von August Macke, weil es Bonn verloren zu gehen droht, kündigt den Bau eines Zoos mit Löwengehege in Bonn an, und erklärt sich bereit, den taumelnden Autohersteller Opel zu übernehmen. Auch wenn aus Opel und dem Zoo nichts wurde, der Unterhaltungswert war jedenfalls groß.

In der Familie liegt das Unternehmertum im Blut. Ururgroßvater Karl-Theodor Asbeck startete mit der Produktion von Radreifen im Ruhrgebiet. Frank Asbecks Vater Heinz Asbeck stellte nach dem Zweiten Weltkrieg in Gevelsberg Bagger- und Traktorketten her. Frank Asbeck, 1959 in Hagen geboren, ging in Dortmund zur Schule und kam zum Studium nach Bonn. Heute ist er in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder.

"Als gebürtiger Westfale und Sohn einer Elsässerin bin ich der perfekte Rheinländer", sagt Asbeck über sich. Sein unternehmerisches Talent entdeckte er, als er nach dem Studium in Afrika lebte und dort Motorrad-Ersatzteile besorgte. Wieder zurück, vermietete er mit Bruder Marc gepanzerte Autos im Bosnien-Krieg.

Angesichts der Beinahe-Pleite von Solarworld muss sich Asbeck vorwerfen lassen, in der Branchenkrise nicht schnell und entschieden genug gegengesteuert zu haben. Doch überredete er Gläubiger und Aktionäre, auf mehr als eine halbe Milliarde Euro zu verzichten, um Solarworld zu retten. Und trotz allem hält er sich weiter als Chef im Sattel. Manche sagen: unternehmerisches Talent. Andere: Bauernschläue.