Baustoffe in fünf Obi-Märkten

Faßbender aus Alfter ist Unternehmen mit Tradition

Alfter. Das Familienunternehmen Faßbender Tenten aus Alfter betreibt zwölf Baustoffhandlungen und fünf Obi-Märkte.

Auf eine fast vier Jahrhunderte lange Tradition von Zimmerleuten blickt die Familie Faßbender aus Alfter zurück. Ein Lottogewinn von 10.000 Reichsmark war dann 1931 das Startkapital für die Firma Faßbender Tenten: Die Eltern des heutigen Seniorchefs Paul Faßbender eröffneten in einer alten Scheune in Alfter eine Holz- und Baumaterialhandlung. Heute betreibt das Familienunternehmen im Rheinland zwölf Baustoffhandlungen und fünf Obi-Märkte, darunter die in Bonn, Bad Godesberg und Königswinter. Die jüngste Baustoffhandlung ist gerade in Düsseldorf eröffnet worden.

Viele Fotos vor der Bürotür von Paul Faßbender erinnern an die Firmengeschichte. Ein in jahrelanger Feinarbeit erstellter Stammbaum zeigt die Generationen von Zimmerleuten. Paul Faßbender übernahm die elterliche Holz- und Baustoffhandlung 1971 und machte sie zu dem, was sie heute ist: eine Firmengruppe mit rund 730 Mitarbeitern. Er kaufte damals das Gelände der Alma-Ziegelei in Alfter-Oedekoven, den heutigen Stammsitz der Unternehmensgruppe. Dort eröffnete er 1981 den ersten Obi Bau- und Heimwerkermarkt – als Franchisenehmer des bundesweiten Konzeptes. Gerne hat die Familie einen Obi-Markt neben dem Baustoffhandel-Standort. Das ergänze sich im Sortiment. 1992 erwarb Faßbender von Rheinbraun die Bonner Firma Tenten und führte die Baustoffhandlung als Fassbender-Tenten weiter. Aus der Immobilie an der Bornheimer Straße in Bonn hat Faßbender das Tenten-Carré mit einem Einkaufscenter entwickelt. Mit 84 Jahren kommt Paul Faßbender jeden Tag ins Büro.

"Baubranche boomt"

„Die Baubranche boomt – wir profitieren davon mit teils zweistelligen Wachstumsraten im Großhandel“, sagt Christian Faßbender. Er ist der Sohn von Paul Faßbender und leitet die Faßbender Tenten GmbH & Co. KG heute mit seiner Mutter Margret Faßbender und Peter Sappert. Ein begrenzender Faktor sei aber der Engpass bei Fachkräften in der Baubranche. Sonst könnte viel mehr gebaut werden. Im Baustoffhandel hängt die Firma vor allem vom Wohl und Wehe der gewerblichen Kunden ab. Hier seien nur zwischen fünf und acht Prozent Privatkunden, je nach Standort, so Christian Faßbender.

Auch die Produkte unterliegen einem steten Wandel: Die jüngste Energieeinsparverordnung führt dazu, dass deutlich mehr Dammmaterial verkauft wird. Materialien würden verbrauchergerechter und intelligenter, so Christian Faßbender. Beim Sortiment der Obi-Märkte bewege man sich in starker Konkurrenz zum Verkauf über das Internet. Das führe zu rückläufigen Kundenzahlen. Die Kunden, die in den Märkten einkauften, kauften allerdings für höhere Summen ein, so dass die Kundenrückgänge aufgefangen werden könnten.

Seit einiger Zeit setzt die Alfterer Firma auch auf Dienstleistungen. Beim Obi-Renovierungsservice vergeben Privatkunden einen Auftrag an Obi. Die Firma organisiert die Handwerker. Der Vorteil für den Kunden sei, so Christian Faßbender, dass er nur einen einzigen Ansprechpartner und nur einen einzigen Rechnungssteller habe. Als weiteren bundesweiten Service gebe es die Obi-Machbar-Macher. Hier sei die Firma der Vermittler für die Handwerker. Ähnliches gebe es für die Gartenplanung.

Geräte und Maschinen vom Mietpartner

Zum Baustoffhandel gehört auch Mietpartner, der Geräte und Maschinen für Bau- und Renovierungsmaßnahmen in Haus und Garten vermietet: 2500 Geräte vom Schlaghammer bis zum Bagger werden verliehen. Zwölf Experten von Faßbender Tenten nehmen am Telefon große Aufträge entgegen, die dann direkt in den Produktionswerken bestellt werden. Einige arbeiten auch im Homeoffice. Dabei geht es durchaus auch um Aufträge in zweistelliger Millionenhöhe. Auch große Baukonzerne gehören zu den Kunden. Per Lkw werden die Waren auf die Baustelle geliefert, mit Kran und Aufzug an den Ort der Verarbeitung gebracht.

Für die Zeit, wo Baustoffe noch stärker über das Internet verkauft würden, sei man gerüstet, berichtet Christian Faßbender: Die Plattform baustoffshop.de betreibe die Firma gemeinsam mit 23 Partnern. Ausgeliefert wird deutschlandweit. Der Umsatz von Faßbender Tenten liegt bei insgesamt 170 Millionen Euro im Jahr und wächst stetig. 2004 wurde die 100-Millionen-Euro-Schwelle überschritten. Häufig kommen neue Standorte der Firma auch durch Zufall zustande. Ein Makler aus Wachtberg meldete Christian Faßbender eine große Halle in Düsseldorf, die neben einem Obi-Markt liegt. Sein inzwischen verstorbener Bruder Thomas Faßbender – er starb 2017 plötzlich im Alter von nur 50 Jahren – besichtigte die Halle und nahm beim nächsten Mal die gesamte Familie mit: „Dann haben wir uns in zwei Minuten entschieden“, erzählt Christian Faßbender.

Mitarbeiter bleiben lange Zeit im Unternehmen

Die Halle sei so groß wie ein Fußballfeld inklusive Zuschauertribüne. Deshalb bekam sie den Namen Baustoff-Arena. Zwischendurch habe Faßbender Tenten einen Spezialisten für Trockenbau übernommen, so dass es jetzt drei Standorte in Düsseldorf gibt. „Angesichts des dicht besiedelten Einzugsgebietes ist es ein interessanter Markt“, so der Geschäftsführer.

„Wir haben das große Glück, viele langjährige Mitarbeiter zu haben“, sagt Paul Faßbender. Es gebe Schulungsprogramme für Mitarbeiter, um Führung, Kommunikation und bessere Verkaufstechniken zu lernen. „Gleichzeitig versuchen wir dann auch, unseren jungen Mitarbeitern schnell eine Perspektive zu bieten“, ergänzt sein Sohn. Das sei heute auch notwendig, um Mitarbeiter an sich zu binden, denn es gebe Fachkräftemangel auch in der eigenen Branche. 37 Auszubildende hat Faßbender Tenten in diesem Jahr eingestellt. Die Wünsche des Personals änderten sich über die Zeit: Es sei heute völlig normal, dass Männer auch in Elternzeit gehen. Vor zehn Jahren sei das in seinem Unternehmen undenkbar gewesen.

Die Eigentümerfamilie lebt soziale Werte vor: Paul Faßbender setzt sich für einen Flüchtling aus Mali ein, der seit zweieinhalb Jahren in der Firma arbeitet. Dessen Asylantrag wurde abgelehnt, jetzt hat die Firma für ihn ein Widerspruchsverfahren begonnen, um ihn zu halten. Außerdem unterstützt der Firmenchef mit der Faßbender-Stiftung hilfsbedürftige Personen. In Meckenheim werden Auszubildende gefördert, die speziell begleitet werden müssen. Aber auch ein Fußballplatz in Tannenbusch gehört zu den Projekten, die dem Unternehmer am Herzen liegen.