Erstes eigenes Geld für Eis

<b>7,50 Mark pro Woche</b> verdiente Rudi Altig als Elektro-Lehrling.

<b>7,50 Mark pro Woche</b> verdiente Rudi Altig als Elektro-Lehrling.

"Mein erster Job": Der ehemalige Radweltmeister Rudi Altig, der heute in Sinzig wohnt, verlegte Stromkabel auf den Dächern - "Ich habe auf dem Bau gelernt, meinen Mann zu stehen"

Sinzig. "Geld konnte man als Kind immer gebrauchen, vor allem für Eis", erzählt Rudi Altig, ehemaliger Radweltmeister. Deshalb sorgte er als Junge auch dafür, dass er stets ein paar Groschen in der Tasche hatte. In seiner Heimatstadt Mannheim verdiente er sich sein erstes Geld, "ein paar Pfennige pro Ball" als Balljunge beim Tennisclub.

Doch so richtig ernst wurde es für ihn erst, als er als 16-Jähriger die Volksschule beendete und eine Lehre als Elektroinstallateur begann.

"Eigentlich wollte ich Konditor oder Bäcker werden, aber da habe ich keine Stelle gefunden, das wollten alle machen", erinnert sich der heute 67-Jährige. "Deshalb bin ich Starkstromer geworden." In einem kleinen Betrieb in Mannheim lernte er all das, was sein Beruf erforderte. "Heute weiß ich nur noch, wie viel Volt ich im Haus habe."

Trotz der damals als hart empfundenen Arbeitsbedingungen - "ich musste bei Wind und Wetter raus", betrachtet Altig seine Lehre im Nachhinein als "nur positiv": "Natürlich habe ich da nicht nur gute Erfahrungen gemacht, außerdem war die Arbeit im Rohbau anstrengend."

Da es damals keine Alternative für ihn gab, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als durchzuhalten. "Wenn es irgendwo Probleme gab, musste ich sie lösen. Wenn man auf dem Bau ist, muss man seinen Mann stehen und lernen, alleine zurechtzukommen." Genau diese Erfahrung habe ihn geprägt und für sein weiteres Leben gestärkt, da er selbstbewusst geworden sei.

Seinen Lohn, 7,50 Mark pro Woche, legte Altig daheim in die Familienkasse. "Für die Frühstückspause bekam ich von meiner Mutter Milchgeld, damit ich mir Milch oder Kakao kaufen konnte. Brote nahm ich von zu Hause mit." Als Altig drei Jahre später seine Lehre erfolgreich beendete, gab er sich allerdings schon lange seiner Leidenschaft, dem Radsport, hin. Bis dato aber nur als Hobbysportler, wenn auch sehr erfolgreich.

Zunächst verdiente er sich jedoch weiterhin mit seinem Beruf seinen Lebensunterhalt, zuerst bei einer Firma, mit der er ein halbes Jahr auf Montage ging und Stromnetze auf Dächern verlegte. Dann stellte ihn Mercedes-Benz als Betriebselektriker ein.

Als er sich 1959 in Amsterdam den Weltmeistertitel holte, hängte Altig seinen Beruf an den Nagel und widmete sich nunmehr als Profi ganz dem Radsport.

Zur Person: Rudi Altig, 1937 in Mannheim geboren, arbeitete nach Beendigung der Volksschule als Elektroinstallateur, unter anderem bei Mercedes-Benz in Hamburg. Ende 1959 holte sich Altig auf dem Rad in Amsterdam den Weltmeistertitel, seitdem verdiente er bis 1971 seinen Unterhalt als Berufsfahrer.

Insgesamt bestritt er 75 Rennen, von denen er 23 gewann. Unter anderem war Altig als Bundestrainer der deutsche Amateure tätig, dann als technischer Berater der Schauff-Fahrradwerke, Rennleiter von Amateurrennen und Sportkommentator bei Fernsehsendern.