Verpoorten-Brüder

Eine Bonner Eierlikördynastie

Einmal Eier- einmal Kräuterlikör: William Verpoorten (l.) und sein jüngerer Bruder Dirk Verpoorten mit ihren eigenen Produkten.

Einmal Eier- einmal Kräuterlikör: William Verpoorten (l.) und sein jüngerer Bruder Dirk Verpoorten mit ihren eigenen Produkten.

Bonn. William und Dirk Verpoorten tragen einen bekannten Namen: Der eine führt das Bonner Familienunternehmen fort, der andere hat sich vom Familienbetrieb emanzipiert. Der Branche ist er allerdings treu geblieben.

William und Dirk Verpoorten tragen einen bekannten Namen. Der war allerdings nicht immer von Vorteil, wie sich beide erinnern. In der Schule hatten die Lehrer sie eher schon mal auf dem Kieker: „Müller, Meyer, Schmidt hat niemanden interessiert. Aber bei Verpoorten wurde schon mal genauer hingeschaut“, erinnert sich William Verpoorten. Er ist der älteste von vier Kindern, 1956 geboren. Er leitet heute das Familienunternehmen, das seit 1876 den berühmten Eierlikör herstellt.

Sein jüngerer Bruder Dirk Verpoorten, Jahrgang 1965, hat sich nach einer kurzen Zeit im Familienbetrieb vom Eierlikör emanzipiert. Der Branche ist er treu geblieben: Er leitet heute gleich drei Unternehmen und verkauft seinen eigenen Likör: Hirschrudel. Der Kräuterlikör, der seit 2014 auf dem Markt ist, stand anfangs vor allem wegen eines Plagiatsstreits mehrfach im Fokus der Öffentlichkeit. Dirk Verpoorten hat davon aus heutiger Sicht sogar profitiert: „Schneller hätten wir gar nicht groß werden können.“

Gemeinsam aufgewachsen hatten die beiden Brüder einen ähnlichen Start ins Berufsleben. Sehr früh lernten beide das Familienunternehmen kennen und arbeiteten zum Teil schon während der Schulzeit dort. Und so unterschiedlich sie heute auch auf den ersten Blick wirken, wird schnell klar, dass die beiden auch viel verbindet: Beide sind Genussmenschen, sie lieben gutes Essen und gute Getränke.

„Ich bin froh, dass ich in dieser Branche unterwegs bin“, sagt William Verpoorten – oder Willi, wie ihn sein jüngerer Bruder immer nennt. „Schrauben könnte ich nicht verkaufen. Ein bisschen Genuss muss schon sein.“ Beide trinken gerne ein kühles Bier oder einen Wein von der Mosel. „Wissen Sie, was schlimmer ist als Heimweh?“, scherzt William Verpoorten. „Durst.“

Sein Bruder, der im Kölner Süden wohnt, – der Ältere ist Bonn treu geblieben – trinkt mit Freunden auch gerne mal in einer Kölsch-Kneipe einen Eversbusch – ein Doppelwacholder aus Hagen. „Die Deutschen haben neben deutschem Wein wieder deutsche Spirituosen für sich entdeckt“, erklärt Dirk Verpoorten.

Und abgesehen davon, dass beide Brüder gerne Harley fahren, verbindet sie außerdem der Unternehmergeist, den sie in sich tragen. Dirk Verpoorten gründete 2001 mit DV7 Dirk Verpoorten sein erstes Unternehmen, nachdem er ein Jahr zuvor den heimischen Familienbetrieb verließ. Dort hatte er bis Dato die Marketingabteilung geleitet.

„Ich habe dann gesagt, ich mache lieber meinen eigenen Saftladen“, lacht der jüngste Spross der fünften Generation der Familie. DV7 produziert Sirupe zur Verfeinerung von Cocktails, Kaffee und Desserts. 2007 folgte das Unternehmen Seven Spirits, die das Sirupsortiment um international importierte Spirituosen erweiterte. Die Zahl Sieben verwendet Dirk Verpoorten deshalb, weil es seine Glückszahl ist. 2014 kam dann Hirschrudel. Insgesamt beschäftigt er rund zehn Mitarbeiter.

Während das Nesthäkchen der Familie neue Getränke ausprobierte, baute William Verpoorten, der seit 2003 Geschäftsführer im Familienunternehmen ist, das Sortiment mit Eierlikör aus – egal ob Pralinen, Schokolade oder Gemeinschaftsprodukte mit anderen Süßwarenherstellern wie Torten oder Gebäck – er ist ständig auf der Suche nach neuen Ideen und will immer aktuell bleiben mit neuen Werbespots oder Social Media.

Doch streng genommen ist auch der Kräuterlikör seines Bruders ein Stück Familiengeschichte. Das Rezept dafür fand Dirk Verpoorten, wie er erzählt, im Poesiealbum seiner Oma Elly. „Erinnern kann ich mich nicht mehr ans sie. Sie ist gestorben, da war ich drei Jahre alt.“ Sein älterer Bruder erinnert sich allerdings gut: „Tolle Frau. Die hat im Unternehmen auch richtig gearbeitet.“

Er sei früher mit ihr nach Baden-Baden zum Galopprennen gefahren: „Ach, wenn ich da was gewonnen habe, das war das Größte“, schwärmt William Verpoorten. 1900 sei sie geboren. „Und ihr Opa Willy. Er war 1899 geboren. „Sie sagte immer zu ihm: Du bist doch aus dem vorigen Jahrhundert.“ Dann sagte er: „Und du bist ein Klosettjahrgang.“ – wegen den beiden Nullen.“ Der Geschäftsführer des heutigen Traditionsunternehmens hat viele solcher Anekdoten parat, die ihm flott über die Lippen kommen.

Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Der jüngere dagegen wirkt vielmehr wie der ruhende Pol. „Es gab ja im Hause Verpoorten schon früh auch andere Rezeptideen“, erzählt er. Der Ururgroßvater, Eugen habe auch andere Liköre und einen Boonecamp (Magenbitter) hergestellt. Die Familie hätte nur nicht alle Rezepte wieder aktiviert.

Anfangs war das Familiengeschäft hauptsächlich die Destillerie mit einem angeschlossenen Kolonialwarenangebot. So gab es auch Wein, Essig und andere Produkte zu kaufen. Erst später reduzierte sich das Sortiment auf das eine Markenprodukt. „Wer heute Verpoorten denkt, denkt gelb.“

Ein Name, der auch der Herstellerin eines anderen Kräuterlikörs aus Bayern mit Sicherheit genutzt hat: Die Unternehmerin, die Dirk Verpoorten im vergangenen Jahr wegen seines Hirschrudels verklagen wollte. Sie warf ihm vor, sein Produkt sei ein Plagiat. Ihr Hirschkuss sei das Original. Der Geschmack sei zu ähnlich. „Das war eine reine PR-Geschichte“, erklärt Dirk Verpoorten.

Die Klage sei auch abgewiesen worden.Aber so habe sie den bekannten Namen für sich nutzen können, um Aufmerksamkeit zu erlangen. „Wir haben ja auch davon profitiert“, gibt Dirk Verpoorten zu. Persönlich hat er nie mit der Unternehmerin gesprochen. Ihr Produkt hat er aber schon probiert. „Es ist natürlich ein Kräuterlikör nicht neu erfunden worden“, so Dirk Verpoorten. Aber es gebe Unterschiede.

Er selbst hat den Namen der Familie nicht genutzt, um sein Produkt bekannt zu machen: „Die Marke soll für sich alleine die Macht und die Stärke haben.“ Natürlich gebe es allerdings Vorteile, wenn man Einkäufer für sich gewinnen wolle, wenn sie den Namen schon kennen. „Aber am Ende muss jeder ein vernünftiges Marketing und ein gutes Produkt haben.“

Obwohl beide Brüder heute ihr eigenen Unternehmen führen, sitzen sie öfter zusammen. Dirk Verpoorten ist immer noch Gesellschafter im Familienbetrieb. Und auch wenn ihre Produkte in Eigenregie entstehen, geben sie sich schon mal einen Ratschlag. Als Kinder verbrachten sie wegen des Altersunterschieds wenig Zeit miteinander: „Als ich schon meinen eigenen Plattenspieler hatte, spielte er noch mit Förmchen“, erinnert sich William Verpoorten. Die beiden Brüder haben noch zwei weitere Geschwister, die nicht mehr in Bonn leben. Der Bruder sei Arzt in München, die Schwester lebe in Schleswig-Holstein.

Wer das Familienunternehmen in der sechsten Generation, aber auch die Unternehmen des jüngeren Bruders irgendwann mal fortführt, ist noch nicht geklärt. Beide Brüder haben Kinder. Die Tochter des Jüngeren ist allerdings erst zwölf Jahre alt. William Verpoorten hat einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn hat Forstwissenschaft studiert, fällt damit also aus dem Rahmen.

Infrage käme die Tochter, die BWL studiert und heute im Vertrieb bei Philipp Morris arbeitet. Insofern könnte das Familienunternehmen auch weiter unter in den Händen der Eierlikördynastie bleiben.