Neuer Haribo-Standort

"Ein historischer Tag für die Grafschaft"

GRAFSCHAFT. Die Grafschafter können seit Freitag das Lachen nicht mehr sein lassen; Bürgermeister Achim Juchem (CDU) strahlt wie ein Goldbär. Um 12.52 Uhr ging per gemeinsamer E-Mail von Haribo und der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Botschaft heraus, dass sich der Bonner Weltkonzern auf der Grafschaft ansiedeln will.

Genauer gesagt, auf einer Fläche von 30 Hektar im Innovationspark Rheinland zwischen Ringen und Oeverich. "Heute ist ein guter Tag für Rheinland-Pfalz, für den Kreis Ahrweiler und die Gemeinde Grafschaft", sagte Dreyer. "Ich freue mich, dass die Entscheidung für Rheinland-Pfalz getroffen wurde. Es ist eine Investition in die Zukunft und in Arbeitsplätze." "Haribo macht die Grafschaft froh", bediente sich der Bürgermeister abgewandelt des Slogans des Unternehmens. Und: "Ich bin einfach nur glücklich. Es ist die wichtigste Firmenansiedlung in der Geschichte der Grafschaft, und wir sind voller Stolz, dieses Weltunternehmen begrüßen zu dürfen."

Juchems Amtskollege Guido Orthen (CDU) gratulierte: "Künftig einen Weltmarktführer am Standort Grafschaft zu haben, kann der hiesigen Wirtschaftsstruktur und dem Arbeitsmarkt nur guttun. Das wird sich auch positiv auf Bad Neuenahr-Ahrweiler auswirken." Und Landrat Jürgen Pföhler sagte, dies sei "ein starkes Signal auch für weitere Investoren", sich im AW-Kreis und im nördlichen Rheinland-Pfalz anzusiedeln. Der Kreis Ahrweiler habe sich mit der Gemeinde Grafschaft gegen andere attraktive Mitbewerber aus Nordrhein-Westfalen durchgesetzt und sei "ein Gewinner im harten Standortwettbewerb".

"Ohne Bürgermeister Juchem wäre das nicht gelungen", lobten am Freitag für die CDU Michael Schneider und Thomas Schaaf. "Eine sehr große gewerbliche Investition mit mehreren tausend Arbeitsplätzen und einem hohen Steueraufkommen wird den Gewerbestandort Grafschaft nachhaltig stärken." Es habe sich ausgezahlt, an den hervorragenden Standort im Innovationspark Rheinland zu glauben.

Udo Klein und Hubert Münch sehen für die Grafschafter SPD auch einen maßgeblichen Anteil von Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz an der "frohen Botschaft": "Es ist ein historischer Tag für die Grafschaft. Mein Dank gilt Rat und Bürgermeister, denn so etwas klappt nur im Zusammenspiel. Wir haben hart gekämpft und sind glücklich über das Ergebnis."

Die Grafschafter SPD-Landtagsabgeordnete Petra Elsner ergänzte zum Thema Goldbären: "Ich bin überzeugt, dass ihre Entscheidung für das Unternehmen goldrichtig ist." "Ich sehe in der Ansiedlung dieses traditionsreichen Unternehmens eine Bestätigung für die ausgezeichneten Rahmenbedingungen, die wir Unternehmen bieten", fand auch Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) aus Bad Bodendorf.

Ihr Parteifreund Mathias Heeb sagte für die Ratsfraktion: "Das ist eine riesige Sache. Das ist wirtschaftlich gesehen 'der Coup', den die Gemeinde da gelandet hat. Diesen Erfolg kann sich aber auch Achim Juchem auf die Fahne schreiben." Allerdings werde die Ansiedlung auch Nebenwirkungen haben: "1500 Lastwagen pro Tag sind kein Pappenstiel."

Christina Steinheuer von den Liberalen findet: "Dass Haribo zu uns kommt, ist die beste Nachricht der letzten Jahre. Es ermöglicht uns Perspektiven und eine Entwicklung, von der wir sonst nur träumen könnten." Dabei meint die FDP-Politikerin nicht nur künftig sprudelnde Steuereinnahmen, die der Kommune Handlungsspielraum geben, sondern "auch den mit der Ansiedlung verbundenen Imagegewinn".

Gelassen reagierte der Rheinbacher Bürgermeister Stefan Raetz am Freitag auf die Entscheidung von Haribo für die Grafschaft und damit gegen Rheinbach: "Damit hatte ich gerechnet." Seit zehn Jahren sei man mit Haribo in Gesprächen gewesen, habe aber seit Anfang des Jahres nichts mehr gehört. Damals habe er den Haribo-Vertretern gesagt, ohne eine Zusage, auch die Produktion zu verlagern, sei eine Ansiedlung in Rheinbach nicht machbar. Denn nur für ein Hochregallager mit einer überschaubaren Anzahl von Arbeitsplätzen sei die 30 Hektar große Fläche an der Autobahn, die man freigehalten habe, zu wertvoll.

Raetz weiter: "Ich bin aber froh, dass das Rumgeeiere beendet ist, denn nun können wir uns auf andere Interessenten konzentrieren. Bei uns gehen fortlaufend Anfragen ein." Er habe auch den Eindruck, dass das Land NRW nicht alles getan habe, um Haribo zu halten, obwohl er das Wirtschaftsministerium mehrfach darum gebeten habe. Auch die günstigeren Gewerbesteuersätze in der Gemeinde Grafschaft (330 Prozent) hätten wohl eine Rolle gespielt. Bornheim war vor Jahren auch als Haribo-Standort im Gespräch. Doch die Flächen sind inzwischen an Großunternehmen wie Bauhaus und Porta vergeben.