Digital 2018 in Köln

Digitalisierung der Verwaltung erfolgt zu langsam

Digitalisierung am Bau, vorgeführt auf der Digital 2018: Ein 3D-Drucker für Beton ermöglicht automatisiert das Auftragen feiner Schichten des Werkstoffes.

Digitalisierung am Bau, vorgeführt auf der Digital 2018: Ein 3D-Drucker für Beton ermöglicht automatisiert das Auftragen feiner Schichten des Werkstoffes.

Köln. NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart appelliert auf der Digital 2018 in Köln an Bürgermeister, auf zügige Verfahren zu achten. Er findet auch die Verwaltung in Deutschland zu rückständig.

Eigentlich ist Telekom-Chef Timotheus Höttges schon von Berufs wegen ein Technologie-Befürworter. Doch ein Erlebnis bei einer China-Reise stimmte ihn kürzlich dann doch skeptisch: In Shenzhen zahlten alle Gäste ihre Kaffee zum Mitnehmen bei einer internationalen Kette unbefangen per Gesichtserkennung. Einmal Gesicht in die Kamera halten und schon wird die Summe vom Konto abgebucht. „Wer weiß, zu welchen Zwecken diese Daten noch genutzt werden“, sagte er am Mittwoch auf der Digital 2018 in den Kölner Messehallen. Da fühle er sich grundsätzlich mit europäischen Cloud-Diensten, wo Daten auf klaren gesetzlichen Grundlagen gesammelt würden, wohler. Die Digital 2018, die die Telekom zusammen mit anderen Unternehmen organisierte, will eine Plattform des Austauschs zwischen Unternehmern sein. Die Veranstaltung ist der Startschuss einer branchenübergreifenden Initiative, die Digitalisierungsprozesse mitgestalten will.

Höttges ermutigte die auf dem Kongress versammelten Mittelständler, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren. Er höre von vielen Geschäftskunden, dass ihnen die passenden Mitarbeiter fehlen würden. Doch viele erfolgreiche Internetplattformen wie der Marktplatz für Buchung und Vermietung von Unterkünften Airbnb, hätten das Rad nicht neu erfunden, sondern vorhandene Erkenntnisse mit neuen technischen Möglichkeiten kombiniert.

Einen ähnlichen Tenor hatte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. „Wir haben kein Erkenntnis, sondern ein Umsetzungsproblem“, sagte Pinkwart nicht nur an die Adresse der Wirtschaft, sondern auch der Politik. Die wirklich flächendeckende Versorgung Deutschland mit schnellen Internetanschlüssen sei jetzt vordringlich. Er appellierte an zahlreiche anwesende Bürgermeister, die notwendigen neuen Mobilfunkmasten schnell zu genehmigen.

Auch die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung schreite in Deutschland nur mühselig voran. Er habe den Eindruck, dass es in den vergangenen 15 Jahren kaum Fortschritte gegeben habe.

In Ländern wie Estland sei es längst gang und gäbe, dass Bürger ihre Behördengänge und auch Wahlen online von zu Hause aus erledigen könnten, mahnte auch Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Gerade für Deutschland, wo die mittelständisch geprägte Wirtschaft über die Fläche verteilt sei, sei der flächendeckende Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G und schneller Internetzugänge unerläßlich.

Kölner Handwerker digitalisiert

Lennart Kirschbaum, 27-Jähriger Juniorchef der Kölner Kirschbaum Fenster und Rollläden GmbH, war als Besucher auf dem Kongress und fand es interessant. Beim eigenen Familienunternehmen versucht er gerade, stärker digitale Prozesse einzuführen. So arbeitet er an Formularen, in denen Kunden ihre Aufträge einfach und exakt festhalten können. „Bislang läuft die Auftragsannahme meist telefonisch“, berichtete er. Zwei Vollzeitmitarbeiter seien allein damit beschäftigt. Doch die telefonische Annahme sei fehlerträchtig. So müssten aber einer Rollladenbreite ab 2,50 Meter unbedingt zwei Mitarbeiter zum Kunden fahren, da der Rollladen für einen Kollegen allein zu schwer sei. Wenn diese Information fehle, könne der Auftrag nicht erledigt werden. Insofern setze er auf Digitalisierung: „Sie wird unsere Arbeit effizienter machen.“