Dienstleister Medien Tenor droht das Aus

<b>Mit dem Kauf</b> der Immobilie an der Kurt-Schumacher-Straße hat sich die Firma Medien Tenor offenbar übernommen.

<b>Mit dem Kauf</b> der Immobilie an der Kurt-Schumacher-Straße hat sich die Firma Medien Tenor offenbar übernommen.

Das Bonner Unternehmen gibt Zahlungsrückstände von Großkunden und den Kauf einer Immobilie als Ursache für finanzielle Engpässe an

Bonn. "Wir suchen ständig neue Codiererinnen und Codierer." Das Jobangebot auf der Homepage der Firma Medien Tenor könnte schon bald überholt sein. Das Amtsgericht Bonn hat für das Unternehmen, das nach eigenen Angaben täglich über 250 Medien auswertet, am Dienstag ein Insolvenzeröffnungsverfahren angeordnet. "Die Mitarbeiter haben seit mehreren Monaten keinen Lohn mehr erhalten", sagte Insolvenzverwalter Dirk Obermüller am Mittwoch auf Anfrage des GA.

In einem ersten Gespräch mit Geschäftsführer Roland Schatz hätten sich mehrere Gründe für den finanziellen Engpass heraus kristallisiert. Schatz klage zum Beispiel über Zahlungsrückstände bei Großkunden. "Strategisch ungünstig war sicherlich auch der Kauf der Immobilie", meinte der Insolvenzverwalter. Der Geschäftsführer bemühe sich schon länger, das Gebäude an der Kurt-Schumacher-Straße im ehemaligen Bonner Regierungsviertel wieder abzustoßen.

Medien Tenor unterhält Büros in Nordamerika, Südafrika, in der Tschechischen Republik und in Großbritannien. Insgesamt sind nach Firmenangaben 230 Mitarbeiter beschäftigt; in Bonn arbeiten 180 Angestellte, davon 50 Vollzeit- und 130 Halbzeitkräfte. Im Jahr 2003 machte das Unternehmen einen Umsatz von mehr als vier Millionen Euro.

Laut Obermüller gibt es "Investoren, die bereit sind, sich zu engagieren". Persönliche Gespräche habe es aber noch nicht gegeben. Bevor eine Auffanggesellschaft zum Zuge kommt, wollen die Beteiligten zunächst versuchen, die Insolvenzgründe zu beseitigen. "Außerdem werde ich für eine Vorfinanzierung der Gehälter sorgen", kündigt der Insolvenzverwalter an. Er hofft auf eine Lösung bis zum Ende des Monats.

Das Unternehmen untersucht seit 1994 die Politik- und Wirtschaftsberichterstattung deutscher Tageszeitungen, Wochenmedien und Fernseh-Nachrichten. Auch Internet-Nachrichtenportale werden hinsichtlich Tendenzen und Trends in den Medien analysiert. Zum Kundenkreis gehören Unternehmen und Parteien.

Vor vier Jahren war das Unternehmen von Leipzig in die Bundesstadt gezogen. Als Grund dafür hatte Schatz "strukturelle Schwierigkeiten" für junge Unternehmen in Leipzig genannt. Damals sah sich Geschäftsführer Schatz mit jährlichen Wachtumsraten von 30 Prozent noch auf Expansionskurs.