Abwicklung schreitet voran

Die wichtigsten Fragen zum Verkauf von Solarworld

Die Sonne scheint auf das Werk von Solarworld in Arnstadt (Thüringen). Mit der Insolvenz des Solarmodulherstellers sind auch am Thüringer Produktionsstandort Hunderte Arbeitsplätze akut gefährdet.

Die Sonne scheint auf das Werk von Solarworld in Arnstadt (Thüringen). Mit der Insolvenz des Solarmodulherstellers sind auch am Thüringer Produktionsstandort Hunderte Arbeitsplätze akut gefährdet.

Bonn. Schlussverkauf bei Solarworld: Nach der zweiten Insolvenz schreitet die Abwicklung des ehemaligen Bonner Börsenlieblings voran. Die wichtigsten Fragen.

Am Donnerstag befasst sich die Gläubigerversammlung der Solarworld Industries GmbH auch mit dem Verkauf der Werke in Thüringen und Sachsen.

Hat Solarworld noch Chancen?

Die Chancen sind verschwindend gering, zumindest für Zellfertigung. Unter den am Unternehmen interessierten Investoren stammen nach Angaben des Insolvenzverwalters Christoph Niering nur wenige aus der Solarbranche. Laut Branchenkreisen handelt es sich dabei unter anderem um ein indisches Unternehmen, das schon bei der ersten Insolvenz interessiert war. Ob es die Modulproduktion in Deutschland fortführen würde, ist ungewiss.

Was wollen die anderen Interessenten?

Ihnen geht es vor allem um die Immobilien. Besonders groß ist das Interesse an der Solarworld-Fabrik im thüringischen Arnstadt. Das Gebäude wurde samt Mitarbeitern 2013 von Bosch an Solarworld abgegeben. Der Großkonzern hatte die Fertigung frühzeitig als unrentabel erkannt und gegen eine satte „Mitgift“ an Solarworld abgestoßen. Die Fabrik soll besonders solide gebaut sein. Laut Branchenkreisen sind zwei große deutsche Automobilhersteller daran interessiert, die Fabrik zu übernehmen. Sie wollen dort Batterien für E-Autos produzieren.

Was wird aus den Mitarbeitern?

Die Solarworld GmbH beschäftigt noch rund 200 Mitarbeiter in Arnstadt, 300 in Freiberg und etwa 40 in Bonn. Die Beschäftigten in der Produktion sollen in eine Auffanggesellschaft wechseln. „Nach der zweiten Insolvenz fühlen sich die Beschäftigten endgültig verraten und enttäuscht“, heißt es bei der IG Metall in Erfurt. Bis zuletzt hätten sie auf eine Rettung gehofft.

Was macht Solarworld-Gründer Frank Asbeck?

Der Bonner Unternehmer ist für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch in den Solarworld-Werken in Arnstadt und Freiberg habe er sich nicht mehr blicken lassen, heißt es aus Arbeitnehmerkreisen. In der Bonner Solarworld-Zentrale soll der früher als „Sonnenkönig“ titulierte Firmengründer eine Gruppe getreuer Mitarbeiter um sich geschart haben. Es gilt als sicher, dass der Bonner Solarworld-Standort mit der weiteren Abwicklung der Insolvenz verschwindet.

Wo steht das erste Insolvenzverfahren, das der Solarworld AG?

Auch dieses Verfahren wird voraussichtlich noch Jahre dauern. Zuletzt hatte Insolvenzverwalter Horst Piepenburg den Verkauf der amerikanischen Solarworld-Tochter an den US-Konzern Sun Power gemeldet. Derzeit verhandelt er nach Angaben eines Sprechers über einen Verkauf der 50-prozentigen Solarworld-Anteile am Unternehmen Deutsche Lithium GmbH, das den Abbau von Lithium durch Bergbau im Erzgebirge zum Ziel hat. Aus dem ersten Insolvenzverfahren könnten außerdem Ansprüche gegen Frank Asbeck und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC entstehen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Piepenburg in einem Interview angekündigt zu prüfen, inwieweit die durch ein PwC-Gutachten gestützte Aussage kurz vor der Insolvenz, Solarworld sei sanierungsfähig,juristisch haltbar ist.

Was wird aus der Marke Solarworld?

Experten halten die Marke Solarworld nach zwei Insolvenzen für nicht überlebensfähig. Potenzielle Käufer fürchten, keine Ersatzteile mehr zu erhalten und seien dadurch nur noch bei extremen Preisabschlägen zum Kauf bereit. Zudem habe der Konzern durch die jahrelangen Finanzprobleme zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert und damit technisch den Anschluss verpasst.