Bonner Wirtschaftstalk

Die Zukunft des Industriestandorts Bonn

Diskutieren über Industrie in Bonn (v.l.): Guido Degen (GKN), Michael Hoch (Universität Bonn), Helge Matthiesen (GA), Stefan Hagen (IHK) und Olaf Weiland (Kautex Maschinenbau).

Diskutieren über Industrie in Bonn (v.l.): Guido Degen (GKN), Michael Hoch (Universität Bonn), Helge Matthiesen (GA), Stefan Hagen (IHK) und Olaf Weiland (Kautex Maschinenbau).

Bonn. Experten fordern beim Bonner Wirtschaftstalk zur Lage der Industrie stärkere Zusammenarbeit der Kommunen für mehr Gewerbeflächen

Für die Lage der Industrie in Bonn dürfte die Schilderung von Olaf Weiland, Geschäftsführer der Holzlarer Kautex Maschinenbau, symptomatisch sein: „Unser Betriebsgrundstück grenzt an allen Seiten direkt an Wohnbebauung, Straßen oder Bahnlinien. Die letzte freie Fläche ist bebaut, jetzt können wir nur noch ein Parkhaus für die Mitarbeiter bauen und die freiwerdenden Parkflächen nutzen.“

Der Platz für Industrie in der Bundesstadt sei nun einmal knapp, dafür zeigten alle Diskutanten des Bonner Wirtschaftstalks am Mittwochabend in der Bundeskunsthalle Verständnis. Doch sie bemängelten fehlende politische Konsequenzen, vor allem bei der gemeindeübergreifenden Vermittlung von Gewerbeflächen. Zwar redeten Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis seit Jahren über gemeinsame Angebote, kritisierte Stefan Hagen, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn. „Doch einheitliche verbindliche Regelungen gibt es noch immer nicht.“

Auch Guido Degen, Vice President des Metallverarbeiters GKN in Bonn, verteilte Denkzettel an die Politik. In der Industrie spiele die schnelle Entwicklung von Produkten und Prozessen eine immer wichtigere Rolle. Doch Genehmigungsverfahren, etwa für Fördermittel bei der Forschung, zeigten in Nordrhein-Westfalen „eine gewisse Komplexität“. Degen: „In England geht es schneller.“

Wichtig sei die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen in der Region, betonten die Praktiker aus der Industrie in der von GA-Chefredakteur Helge Matthiesen moderierten Runde. Während sie vor allem anwendungsbezogene Ansätze forderten, verteidigte der Bonner Uni-Rektor Michael Hoch die Grundlagenforschung: Zahlreiche Produkte und Verfahren seien erst durch Grundlagenforschung wie zum Beispiel den in Bonn entdeckten Lotus-Effekt entstanden, sagte er.