Die Späher aus Meckenheim

20.04.2010 Vom Kamerawagen bis zur Laser-Raketenabwehr - Elettronica beliefert Militär und Polizei. Neue Entwicklungen sollen den Meckenheimer Betrieb nach vorne bringen.

Meckenheim. Ein unauffälliger weißer Lieferwagen parkt auf dem Firmenglände. Die Scheiben sind abgedunkelt.

Als Gerhard Henselmann die Schiebetür öffnet, wird klar, warum. Das Auto ist vollgestopft mit Elektronik. Henselmann drückt einen Knopf neben einem Bildschirm. Eine Luke im Dach öffnet sich und ein Kameramast fährt drohend aus.

"Diese Autos bauen wir für das Bundesinnenministerium", erläutert Henselmann, Geschäftsführer der Meckenheimer Elettronica GmbH. "Mit ihnen kann die Bereitschaftspolizei der Länder zum Beispiel bei Demonstrationen das Geschehen dokumentieren und Beweise sichern."

Elettronica in Zahlen Die Meckenheimer Elettronica GmbH gehört zum italienischen Rüstungsunternehmen Elettronica (knapp 800 Mitarbeiter, etwa 200 Mio. Euro Umsatz) , das wiederum zu etwa gleichen Teilen im Besitz der Gründerfamilie Benigni sowie der Rüstungskonzerne Thales und Finmeccanica liegt. In Meckenheim startete das Unternehmen 1978 mit fünf Mitarbeitern. Ab den 80er Jahren statteten die Meckenheimer Flugzeuge wie den Starfighter, AWACS, Tornado oder Phantom mit elektronischen Abwehrsystemen aus. Seit 2008 ist der Umsatz in Meckenheim von 10 auf 13 Millionen Euro gestiegen, in diesem Jahr soll er auf 16 Millionen klettern. In ein neues Gebäude investierte Elettronica im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter liegt derzeit bei rund 80 und soll langsam weiter steigen. (js)

Viel mehr mag Henselmann nicht zum elektronischen Innenleben verraten. Klar ist aber: Mit dem Equipment sollen mögliche Straftaten erfasst und Straftäter identifiziert werden können.

"Entdecken, identifizieren und stören" bezeichnet Henselmann dementsprechend auch als Kompetenz von Elettronica, die im Geschäft mit militärischer Abwehrelektronik im Industriepark Kottenforst groß geworden ist.

Ingenieure bauen hier in Handarbeit etwa Störsender, mit denen der Eurofighter feindliches Radar verwirren soll, oder sie testen Antennen für Nato-Hubschrauber.

Seit 32 Jahren sitzt Elettronica in Meckenheim. Ursprünglich ein kleines Service-Center der römischen Muttergesellschaft, wuchs der Standort in den letzten beiden Jahren stark und beschäftigt inzwischen rund 80 Mitarbeiter (siehe Kasten).

Der Beweissicherungs- und Dokumentationskraftwagen BeDoKw - so die offizielle Bezeichnung für das Polizeiauto - eröffnet dem Unternehmen ein neues Geschäftsfeld und verringert die Abhängigkeit von Militäraufträgen.

52 Polizeiautos soll Elettronica bis Ende nächsten Jahres liefern. Die Rohkarossen werden alle in Handarbeit in Meckenheim ausgebaut, ein Millionengeschäft, bei dem Henselmann auch auf Anschlussaufträge hofft.

In einer anderen Halle des Unternehmens steht ein gerade aus Afghanistan zurückgekommener Fuchs-Panzer der Bundeswehr. Elettronica baut ihm auf dem Firmengelände ein neues Innenleben zur Ortung und Identifizierung feindlicher Aktivitäten ein.

Etwa eine Handvoll Panzer rüsten die Meckenheimer jährlich auf. Die Aufträge, um die sich Elettronica erfolgreich beworben habe, seien langfristig geplant gewesen, betont Henselmann. Dass der Standort vom Krieg in Afghanistan profitiere, will er so nicht bestätigen.

Henselmann diplomatisch: "Aus dem Einsatz ergeben sich zusätzliche Anforderungen und dadurch vielleicht auch zusätzliche Möglichkeiten."

Große Hoffnungen setzt Henselmann, der seit Anfang 2009 die Geschäfte bei Elettronica führt und zuvor lange beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gearbeitet hat, auf eine Neuentwicklung:

Eine lasergestützte Selbstschutzeinrichtung, die Flugzeuge vor Abschussraketen schützen soll. Kern ist hier ein von Elettronica gemeinsam mit einem israelischen Unternehmen entwickelter Störsender, der die anfliegende Rakete vom Flugzeug ablenkt. (Von Julian Stech.)