Deutschlands Kaufhauskönig

Deshalb ist René Benko bei Karstadt Kaufhof am Ziel

Düsseldorf. Die Stadt Köln und die Beschäftigten von Karstadt Kaufhof sind die großen Verlierer der Fusion um Signa-Investor René Benko. Ob das Geschäft zukunftsträchtig ist, bleibt zweifelhaft.

Auf der Suche nach schwer missglückten Investments im deutschen Einzelhandel muss man nicht lange in der Vergangenheit graben. Der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay (HBC), der vor vier Jahren mit viel Tamtam bei Galeria Kaufhof eingestiegen ist und sich jetzt aus dem deutschen Warenhausgeschäft verabschiedet, ist ein gutes Beispiel. Der Konzern, der noch vor wenigen Monaten bei der Verkündung des Zusammenschlusses von Karstadt und Galeria Kaufhof erklärt hatte, er wolle engagiert bleiben, zieht nun die Reißleine, als sei das nie ein Thema gewesen. Die Kanadier sind mit ihrem großspurigen Auftreten, der falschen Einschätzung des deutschen Marktes und der mangelnden Bereitschaft, nennenswert Geld für die Sanierung von Galeria Kaufhof in die Hand zu nehmen, maßgeblich verantwortlich für die Krise bei Galeria Kaufhof.

Die harten Einschnitte kommen trotzdem. Von 2600 Arbeitsplätzen, die insgesamt wegfallen sollen, ist aktuell die Rede. Galeria Kaufhof steht die Rosskur noch bevor, die Karstadt schon hinter sich hat, mit Filialschließungen, mit der Untervermietung von Flächen an kleinere Händler, mit entsprechendem Personalabbau und der Umsetzung des Sozialplans, auf den sich das Management und der Betriebsrat von Galeria Kaufhof geeinigt haben.

Schmerzhafter Prozess

So kommt es, dass die Mitarbeiter, neben der Stadt Köln die großen Verlierer des Warenhaus-Deals, auf Dauer womöglich noch stärker leiden müssen als bisher befürchtet. Nicht umsonst haben viel mehr Beschäftigte als erwartet Bereitschaft signalisiert, die Abfindungsangebote der Unternehmensführung anzunehmen. Andererseits ist der extrem schmerzhafte Prozess, der durch die faktische Auflösung der Kaufhof-Zentrale und den Jobabbau in den Niederlassungen entsteht, immer noch besser als das Herumdoktern der erfolglosen Kanadier, die sich im Karstadt-Kaufhof-Bündnis über den Aufsichtsrat noch gegen Investitionen gesperrt haben sollen, als sie schon unternehmerisch nichts mehr zu bestellen hatten.

Mit so einem Juniorpartner kann niemand etwas anfangen. Deshalb ist die Aussage von Karstadt-Chef Stephan Fanderl vor allem zwischen den Zeilen lesenswert: „Das ist eine gute Nachricht für unser Unternehmen. Knapp sieben Monate nach dem Zusammenschluss beider Warenhausunternehmen können wir den für alle Mitarbeiter anspruchsvollen und herausfordernden Sanierungs- und Integrationsprozess mit hoher Verlässlichkeit auf der Eigentümerseite fortführen. Die Entscheidungswege werden kürzer und einfacher – das ist wichtig und richtig.“

Teures Deutschland-Abenteuer der Kanadier

Wie teuer das Deutschland-Abenteuer für HBC geworden ist, lässt sich nur schwer sagen. Nimmt man die offiziellen Zahlen (vor vier Jahren zahlte HBC für Galeria Kaufhof 2,8 Milliarden Euro an die Metro, jetzt beträgt der Verkaufspreis laut HBC eine Milliarde Euro), wäre das Deutschland-Geschäft ein Desaster für die Nordamerikaner. Aber womöglich sind auch noch Schulden bei Signa abgeladen worden, die im Kaufpreis gar nicht drin stecken.

Benko jedenfalls hat sein Ziel erreicht. Der Österreicher, der nach der Übernahme von Karstadt schon zwei Anläufe unternommen hatte, Galeria Kaufhof zu übernehmen, ist nun mit dem Vorstandschef Fanderl an der Karstadt-Spitze das einzige Gesicht im deutschen Warenhausgeschäft.

Wie zukunftsträchtig das ist, weiß niemand. Aber: Benko hat jetzt den Zugriff auf alle Immobilien im vereinten Konzern, er kann allein entscheiden, welche sich auf verkleinerter Fläche weiter als Warenhaus nutzen lassen, welche möglicherweise keine Zukunft als Warenhaus, aber in einer anderen Verwendung haben könnten, welche in einer Shopping Mall aufgehen könnten. Die Immobilien sind das wirkliche Asset im Warenhausgeschäft.