Untersuchung der Stiftung Warentest

Der Kunde ist noch nicht König

Nicht alle Bankmitarbeiter beraten ihre Kunden in Anlagengesprächen so, wie es laut Stiftung Warentest sein sollte.

Nicht alle Bankmitarbeiter beraten ihre Kunden in Anlagengesprächen so, wie es laut Stiftung Warentest sein sollte.

20.01.2016 Berlin/Bonn. Die Qualität der Anlageberatung der Banken hat sich seit der letzten Stichprobe nur ein wenig gesteigert. Die Kreissparkasse Köln bedauert Versäumnisse.

Die Aufgabe für die Angestellten in Banken, Volksbanken und Sparkassen war überschaubar. Die Prüfer der Stiftung Warentest fragten nach Anlagemöglichkeiten für 45.000 Euro. Das Geld sollte für zehn Jahre angelegt werden, das Kapital rasch verfügbar sein. Ein gewisses Risiko wollten die Kunden auch eingehen.

160 Beratungsgespräche in 23 Geldhäusern wurden mit dieser Vorgabe durchgeführt. Am Ende zeigte sich die Stiftung enttäuscht. Denn die Beratung hat sich gegenüber vergangenen Untersuchungen nur wenig verbessert. „Zu oft lagen die Berater mit ihren Anlagevorschlägen daneben“, sagt Heinz Landwehr, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest.

Die große Mehrheit der Institute unterstützt die Sparer nur mittelmäßig. Immerhin konnten die Tester dieses Mal drei Banken gut bewerten. Die Frankfurter Volksbank, die Sparda-Bank Berlin und die Nassauische Sparkasse erhielten diese Bestnote. Dagegen finden sich die großen Banken nur im Mittelfeld der Rangliste. „Besonders viele Patzer leisteten sich die Hypovereinsbank und die Hannoversche Volksbank“, berichtet Landwehr. Beide erhielten nur eine mangelhafte Bewertung.

Verschiedene Kriterien für eine gute Beratung

Ein Berater aus dem Call Center der Hypovereinsbank leistete sich einen fast schon dreisten Versuch, den Kunden übers Ohr zu hauen. Er empfahl, den gesamten Betrag in der sogenannten FC-Bayern-Sparkarte anzulegen. Dieses Sparbuch wirft lediglich 0,8 Prozent Zinsen im Jahr ab. „Trotz Extrazinsen für viele Bayern-Tore und Deutscher Meisterschaft lag die Rendite im letzten Jahr deutlich unter ein Prozent“, kritisiert Landwehr.

Die Stiftung hat verschiedene Kriterien für eine gute Beratung herangezogen. Dazu gehört die genaue Ermittlung des finanziellen Status des Kunden, die Lösung des Anlageproblems, die Informationen über die Produkte sowie die Dokumentation des Beratungsgesprächs. Letztere wurde als Folge der Finanzkrise gesetzlich vorgeschrieben.

Doch noch immer halten sich nicht alle Berater daran. 15 Mal gingen die Testkunden ohne Beratungsprotokoll nach Hause. Die Berater der Kreissparkasse Köln, die in anderen Testbereichen gute Leistungen erzielten, übergaben in drei von sieben Fällen kein Protokoll. Für Christoph Hellmann von der Kreissparkasse Köln ist das bedauerlich.

„Es ist selbstverständlich vorgesehen, dass das Beratungsprotokoll auszuhändigen ist“, sagte der Pressesprecher am Dienstag auf Nachfrage. Die Kreissparkasse würde das Testergebnis zum Anlass nehmen, ihre Kundenberater nochmals entsprechend zu sensibilisieren. Beim Qualitätsurteil gab es für diesen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz einen Abzug um eine ganze Note.

Landwehr zeigt Mängel auf

Aber selbst die Empfehlungen ließen oft zu wünschen übrig. „Viele Produkte waren zu riskant, in mehreren Fällen war das Geld nicht rechtzeitig verfügbar“, zählt Landwehr bestehende Mängel auf. Auch werden immer noch undurchschaubare Anlagen wie Zertifikate angeboten. Sehr gut wäre laut Stiftung eine Mischung aus sicheren Zins- und Rentenanlagen und chancenreicheren Aktienfonds. Diese Aufgabe hat der Testsieger Frankfurter Sparkasse gut gelöst, der auch fremde Produkte anbot und den Betrag breit verstreut unterbringen wollte.

Die Stiftung Warentest rät allen Anlegern zu einer guten Vorbereitung der Beratungsgespräche. Die Verbraucher sollten ihre Ziele kennen und aufschreiben. Dabei sind die Dauer der Anlage, die Verfügungsmöglichkeiten sowie die Risikobereitschaft am wichtigsten. In der Bank sollte der Kunde sich über die Chancen und Risiken der einzelnen Empfehlungen informieren und nach den Kosten fragen.

Auch sollte auf der Aushändigung eines vom Berater unterschriebenen Protokolls bestanden werden. „Selbst unterschreiben sollten die Verbraucher auf keinen Fall“, sagt Stephan Kühnlenz, der Leiter der Untersuchung. Die Volksbank Bonn Rhein-Sieg wollte sich am Dienstag auf Nachfrage zunächst nicht zu den ihnen bisher unbekannten Testergebnissen äußern.

Bei der Sparkasse Köln-Bonn verwies man darauf, dass man keine Stellungnahme abgeben könne, da die Anlagengespräche des eigenen Hauses nicht getestet worden seien. Auf die Mängel anderer Kreditinstitute und Banken könne man deshalb nicht eingehen.

Ein Sprecher versicherte jedoch, die Mitarbeiter der Sparkasse Köln- Bonn würden in den Gesprächen die Finanzkonzepte als zentrales Beratungsinstrument ganz gezielt auf den persönlichen Kundenbedarf abstimmen und einsetzen. (Wolfgang Mulke, Fabian Vögtle)