Der Junior lieferte Torten mit der Kutsche aus

<b>Vier Generationen:</b> Die ersten Gilgen-Torten kutschierte Wilhelm Gilgen noch mit dem Pferdewagen zur Kundschaft.

<b>Vier Generationen:</b> Die ersten Gilgen-Torten kutschierte Wilhelm Gilgen noch mit dem Pferdewagen zur Kundschaft.

Vor 125 Jahren eröffnete Franz-Josef Gilgen seine erste Bäckerei - Uckerather setzen in der vierten Generation auf Handarbeit und kreative Ideen - Beim Backstubenfest backen Kinder Brötchen und Kekse

Hennef. Der neue Holzbackofen ist gerade angeliefert worden. Im Hof herrscht rege und freudige Betriebsamkeit. Das große Zelt steht bereits, an der Dekoration wird noch gebastelt, damit alles schön hergerichtet ist für die Gäste, die sich Franz-Josef und Manuela Gilgen in die Meysstraße 13 für diesen Sonntag eingeladen haben. Es soll ein großes Fest werden, schließlich gibt es etwas Besonderes zu feiern: Gilgen`s Bäckerei und Konditorei wird 125 Jahre alt.

"Wir führen das Unternehmen nun in der vierten Generation", sagt Gilgen. Angefangen hat alles im Jahr 1880. Franz-Josef Gilgen, der Urgroßvater des derzeitigen Inhabers, eröffnete eine Bäckerei in Uckerath. Bis 1941 führte er den Betrieb zeitweise gemeinsam mit seinem Sohn Wilhelm. "Der ist leider früh verstorben, noch vor seinem Vater", berichtet Manuela Gilgen. Dafür hat er aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen. "Das war wohl ein witziger Typ. Der hat in Uckerath so seine Späßchen getrieben", sagt Gilgen.

Und er hat die Torten mit einer Pferdekutsche zu den Kunden gebracht. Diese Kuriosität inspirierte den Urenkel, den Betrieb bei der Übernahme von seinem Vater Josef in "Tortenkutsche" umzubenennen. Doch bis es soweit war, führte der Enkel des Firmengründers, Josef, mit seiner Frau Marga das Unternehmen. Die eröffneten 1948 eine Bäckerei mit Lebensmittelhandel, 1956 ihr erstes Café an der Westerwaldstraße 180. Dort, wo früher feinste Konditorkunst angeboten wurde, gibt es heute eine der Lieblingsspeisen der Deutschen: Currywurst mit Fritten.

Als Sohn Franz-Josef den Betrieb 1979 übernahm, zog das Café acht Hausnummern weiter. Dort befindet es sich auch heute noch. "Nach der Übernahme habe ich mit der Filialisierung begonnen. Bereits im Herbst 1979 wurde die erste in Eitorf eröffnet", sagt Gilgen. In diesem Jahr will der Unternehmer seine Kunden im 25. Geschäft begrüßen.

Die ständige Vergrößerung des Betriebs machte einen erneuten Umzug notwendig. "Am 6. Dezember 1993 haben wir den Betrieb der neuen Backstube in der Meysstraße aufgenommen", sagt der Hennefer. "In Uckerath war es einfach zu eng. Dort mussten die Säcke noch auf dem Rücken in den Keller getragen werden", ergänzt Gattin Manuela. "Groß geworden sind wir mit der Shop-im-Shop-Welle", sagt der Konditor.

Er habe beobachtet, dass die Kunden in den zurückliegenden Jahren immer anspruchsvoller geworden seien. Da müsse man sich anpassen. Er verstärkte sein Engagement auf dem Snack-Sektor. "Wir investieren viel Zeit und Mühe, neue Trends zu entwickeln. Das macht mir richtig Spaß", sagt der Konditor. Dabei geht die Experimentierfreude auch mal mit dem Hennefer durch.

"Als wir vor einigen Jahren Wraps angeboten haben, waren wir einfach zu früh. Die Leute kannten es nicht und haben es deshalb nicht gekauft. Dann kam Werbung für Wraps im Fernsehen und seitdem sind sie der Renner", sagt Gilgen.

"Wir wollen den Leuten die Arbeit in einer Backstube zeigen. Die wundern sich immer, wie viel wir von Hand machen", sagt Manuela Gilgen. Am Sonntag gibt es zwischen 11 und 17 Uhr die Möglichkeit dazu. Beim Backstubenfest können Kinder Brötchen und Plätzchen backen. In der Konditorei werden Torten mit Fotos verziert. Und die WDR-Maus wird auch zum Fest erwartet. Der Clou: Die Besucher können auf dem Gelände der Messe parken und werden von dort mit Kutschen zur Backstube gefahren.