Jeder zehnte Arbeitsplatz betroffen

Das steckt hinter dem Stellenabbau bei Bayer

Der Bayer-Aufsichtsrat hat die Sparmaßnahmen am Donnerstag gebilligt.

Der Bayer-Aufsichtsrat hat die Sparmaßnahmen am Donnerstag gebilligt.

Leverkusen. Bayer will sich neu für die Zukunft aufstellen und in diesem Zusammenhang rund jede zehnte Stelle streichen. Zudem sollen bestimmte Konzernteile und Produkte verkauft werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Produktiver und profitabler will Bayer werden, wie Konzernchef Werner Baumann am Donnerstag verkündete. Der Leverkusener Konzern verkauft Unternehmensteile oder Marken und streicht jede zehnte Stelle. Mit der Übernahme von Monsanto habe das nichts zu tun, so Baumann. Und auch nicht mit Glyphosat-Klagen. Der Konzern wolle sich über alle Kerngeschäfte bestmöglich für die Zukunft aufstellen. Der Aufsichtsrat hat die Maßnahmen am Donnerstag gebilligt.

Von welchen Konzernteilen und Produkten will sich Bayer trennen?

Wenig überraschend will sich Bayer vom Geschäft mit Tiergesundheit trennen. Das hat 2017 Umsätze von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet und war hoch profitabel. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und Sondereinflüssen betrug 381 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 24,3 Prozent. Das Geschäft war aber insgesamt recht klein. Statt in diesen Bereich zu investieren, will Bayer lieber Geld in den Pharmabereich, in die Agrarchemie und in rezeptfreie Medikamente stecken. Freilich will sich Bayer auch hier von Produkten trennen. Neben rezeptpflichtigen Dermatologie-Mitteln möchte Bayer auch vom Bereich Sonnenschutz rund um Coppertone, der für einen Jahresumsatz von 208 Millionen Euro steht, und von Fußpflegeprodukten rund um die Marke Dr. Scholl´s, die 211 Millionen Euro Umsatz erzielten, trennen. Auf der Verkaufsliste steht schon länger auch der 60-Prozent-Anteil am Chemieparkbetreiber Currenta. Durch diese Verkäufe verlassen etwa 10 000 Mitarbeiter den Konzern.

Wie viel will Bayer sparen?

Bayer peilt Synergien ab dem Jahr 2022 von insgesamt 2,6 Milliarden Euro an. Eine Milliarde davon entfällt auf den Kauf und die Integration von Monsanto. Dem stehen freilich Einmalkosten für die Maßnahmen von insgesamt etwa vier Milliarden Euro gegenüber. Diese Kosten sollen von 2019 bis 2021 verbucht werden. Im Bereich Pharma und bei rezeptfreien Mitteln soll es im vierten Quartal des laufenden Jahres Abschreibungen von insgesamt 3,3 Milliarden Euro geben. 0,6 Milliarden entfallen auf ein neues Werk für Blutgerinnungsprodukte in Wuppertal, das nicht genutzt wird.

Wie viele Stellen streicht Bayer?

12 000 Arbeitsplätze will Bayer bis Ende 2021 streichen. Von den heutigen Zahlen ausgehend, ist das jeder zehnte. Die meisten Stellen fallen mit 5500 bis 6000 in der Verwaltung weg, in Service-Einheiten und Länderplattformen. Bayer selbst spricht von einem signifikanten Teil, der auf Deutschland entfalle. Zahlen können man noch nicht nennen, so Baumann. Wenig überraschend ist der Abbau von rund 4100 Jobs in der Agrarsparte CropScience. Seit der Übernahme von Monsanto gibt es hier viele Doppelfunktionen. 1100 Stellen entfallen im Bereich mit rezeptfreien Medikamenten, 350 durch den Verzicht auf die Nutzung des Werks für Mittel gegen die Blutgerinnungsstörungen in Wuppertal und rund 900 in der Pharmaforschung.

Gibt es betriebsbedingte Kündigungen?

Betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland sind nach einer Übereinkunft von Geschäftsleitung und Betriebsrat jetzt bis Ende 2025 ausgeschlossen. Außerhalb Deutschlands sind aber Kündigungen möglich.