Weiterentwicklung der Unternehmenskultur

DSG Canusa in Rheinbach will Firmengeist stärken

Rheinbach. Die Mitarbeiter und die Führungskräfte des Rheinbacher Herstellers von Schrumpfschläuchen arbeiten an einem Projekt zur Weiterentwicklung der Unternehmenskultur. Umsatz und Gewinn der Firma, die vor allem für die Autobranche produziert, wachsen.

Wenn Kabel nicht feucht werden dürfen oder gegen Abrieb geschützt werden müssen, kommen oft Schrumpfschläuche zum Einsatz. Die Kunststoffschläuche verringern ihren Durchmesser beim Erwärmen und legen sich auf diese Weise dicht um die Kabel. In den Werkshallen der DSG-Canusa GmbH in Rheinbach stellen Mitarbeiter an Extrusionsmaschinen Schrumpfschläuche mit verschiedenen Durchmessern her, die dann auf Kabeltrommeln gezogen werden und auf den Abtransport zum Kunden warten.

Bis zu fünf Kilometer Kabel ziehen sich durch ein Auto. Sie übertragen Signale oder Energie. Kabelbäume bündeln die einzelnen Leitungen. „Wo ein Kabel ist, muss meist auch isoliert werden“, beschreibt Thomas Schmidt, Geschäftsführer bei DSG-Canusa GmbH, die Bedeutung des Produktes. Der Wert der Schrumpfschläuche, die in einem Auto eingesetzt werden, liegt laut Schmidt bei zwei bis drei Euro.

Zu den Kunden der Rheinbacher gehören Autozulieferer für fast alle bekannten Marken. „Unsere Mitarbeiter arbeiten eng mit Autoherstellern zusammen“, sagt Thomas Schmidt, Geschäftsführer der DSG-Canusa GmbH. An den großen Automobilzentren gebe es Vertriebsstützpunkte. Zwei Drittel des Umsatzes gehe auf das Geschäft mit der Autobranche zurück. Auch Energieversorger oder die Luftfahrtindustrie nehmen die Schrumpfschläuche ab. In Branchen außerhalb der Autoindustrie laufe der Verkauf über Großhändler. Seit vier Jahren gehen Umsatz und Gewinn bei den Rheinbachern stetig nach oben. Lagen die Erlöse im vergangenen Jahr bei 47 Millionen Euro, so werden sie dieses Jahr 49 Millionen erreichen. „Das liegt an der Dynamik im Automobilsektor“, erläutert Schmidt. Auch der Gewinn nach Steuern stieg von 3,2 Millionen 2015 auf 4,3 Millionen im vergangenen Jahr und soll dieses Jahr rund fünf Millionen Euro erreichen.

Altersdurchschnitt der Mitarbeiter gestiegen

DSG-Canusa gehört seit 199 zum kanadischen Shawcor-Konzern mit Sitz in Toronto. Die Shawcor-Gruppe hat rund 8000 Mitarbeiter an mehr als 105 Standorten in über 25 Ländern.

Gut 250 Beschäftigte arbeiten in Rheinbach. Einige von ihnen entwickeln und fertigen Verarbeitungsgeräte, die die Installation der Schläuche ermöglichen. Mit den Anlagen lassen sich große Stückzahlen bewältigen. Sechs behinderte Mitarbeiter der Bonner Werkstätten sind bei DSG-Canusa beschäftigt. Sie haben einen so genannten betriebsintegrierten Arbeitsplatz. So sollen Menschen mit Behinderung berufliche Erfahrungen außerhalb der Werkstätten ermöglicht werden. Sie werden durch einen Mitarbeiter der Bonner Werkstätten unterstützt.

Obwohl die Rheinbacher regelmäßig ausbilden und 80 Prozent der Azubis, wie der Geschäftsführer sagt, auch im Betrieb bleiben, ist der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gestiegen. „Wir müssen uns um den Nachwuchs kümmern“, sagt Schmidt. Ein wichtiges Projekt gelte der Stärkung des Firmengeistes. Die DSG-Canusa GmbH gehört zu den 24 ersten Absolventen des Audits „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Im Zentrum stehen mitarbeiterorientierte Arbeitsbedingungen. Auslöser war eine Umfrage unter den Mitarbeitern: „Das Betriebsklima wurde als nicht gut bewertet“, sagt Schmidt.

In einer Projektgruppe haben Beschäftigte und Führungskräfte, so schildert Personalleiter Reinhard Wannovius, konkrete Pläne über Personalführung, Chancengleichheit, Gesundheit, Wissen und Kompetenz geschmiedet. „Das Programm bindet von vorne herein die Beschäftigten ein“, sagt Wannovius. Eine externe Projektbegleiterin habe mit ihren Fachwissen zur Verfügung gestanden. Das Projekt habe die Vertrauensbasis im Betrieb gestärkt, ist sich Schmidt sicher.

18 Millionen Euro für Neubauten

Die DSG-Canusa wurde 1972 unter dem Namen DSG-Schrumpfschlauch GmbH von Helmut Arenz in Alfter zunächst als reine Handelsgesellschaft gegründet. Die Produktion von Schrumpfschläuchen kam später hinzu, nachdem das Unternehmen auf das Gelände der Firma Arenz Metallbau im Meckenheimer Industriegebiet umgezogen war. In den neunziger Jahren wurde ein Teil der Produktion nach Polen verlagert. Dabei spielten die niedrigeren Lohnkosten in Polen ebenso eine Rolle wie seine geografische Lage als Tor zum wachsenden osteuropäischen Markt. In der Finanzkrise wurde das Werk in Polen wieder geschlossen.

2014 ist das Unternehmen von Meckenheim nach Rheinbach umgezogen. 18 Millionen Euro investierte das Unternehmen in die Neubauten mit 44.000 Quadratmeter Nutzfläche. In der neuen Produktionshalle gibt es rund 15.000 Quadratmeter Platz.

Wenn in den nächsten Jahren alternative Antriebsformen wie Elektromotoren gegenüber Diesel- und Benzinfahrzeugen an Bedeutung gewinnen, sieht Schmidt keine wesentlichen Veränderungen auf sein Unternehmen zukommen.

80 Prozent der Kabel in einem Auto würden unabhängig von der Antriebsform verbaut. Sie würden beispielsweise für Licht oder die Klimaanlage benötigt. Bei den anderen 20 Prozent lasse sich derzeit noch nicht sagen, ob ein Elektroauto mehr oder weniger Kabel benötige. Die Industriestandards seien noch nicht eindeutig, so Schmidt: „Da ist noch offen, wo die Reise hingeht.“