Training in Sankt Augustin

Hochschule und Fraunhofer-Institut Cybersicherheit bekommt Lernlabor in Sankt Augustin

Georg Rosenfeld, Hartmut Ihne, Doris Schnabel, Thomas Rachel und Peter Martini eröffnen das Lernlabor Cybersicherheit.

Georg Rosenfeld, Hartmut Ihne, Doris Schnabel, Thomas Rachel und Peter Martini eröffnen das Lernlabor Cybersicherheit.

Sankt Augustin. Unternehmen und Studierende sollen von dem Weiterbildungsangebot profitieren können. Die Region sieht sich als "Herz der Cybersicherheit".

„Für verlorene Gelegenheiten gibt es kein Fundbüro.“ Diese Weisheit, die EU-Gründervater Paul-Henri Spaak seinerzeit gern zum Besten gab, gilt für Georg Rosenfeld von der Fraunhofer-Gesellschaft auch für den Bereich der Cybersicherheit. Die jüngsten Übergriffe durch die Schadsoftware „WannaCry“ auf Tausende Computer offenbare nur eine von vielen Schwachstellen der digital vernetzten Arbeits- und Lebenswelt. Mit dem Lernlabor Cybersicherheit mit Fokus auf „Hochsicherheit und Emergency Response“ bieten die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) Fachkräften nun eine neue Weiterbildungsmöglichkeit für den richtigen Umgang mit Cyberbedrohungen.

Bei der Eröffnungsfeier am Dienstag betonte Rosenfeld, dass sich die Frage der Cybersicherheit längst vom Spartenthema zur Schlüsseltechnologie entwickelt habe. Laut Bundestagsmitglied Thomas Rachel, dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, erleidet die deutsche Wirtschaft jährlich Verluste in der Höhe von 51 Milliarden Euro durch Datendiebstahl oder Sabotage. Besonders betroffen seien mittelständische Unternehmen, weil diesen oft die Fachkräfte für IT-Sicherheit fehlten. Ein Angriff auf den deutschen Mittelstand bedeute gleichzeitig einen Angriff auf knapp 18 Millionen Arbeitsplätze in mittelständigen Unternehmen. Langfristig sei es daher umso wichtiger, das Bewusstsein für die Bedrohung durch Cyberangriffe zu steigern und Abwehrmechanismen zu stärken, betont auch Hochschulpräsident Hartmut Ihne.

„Das Herz der Cybersicherheit schlägt in unserer Region.“

„Mit der Einrichtung des Lernlabors Cybersicherheit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um Cyberkriminellen einen Schritt voraus zu sein“, betont Rosenfeld. In zwölf verschiedenen Lernpfaden und 30 verschiedenen Modulen werden in den Workshops zukünftig Inhalte zu Gebäudeautomaten, biometrischer Sicherheit und Schadstoffsoftware vermittelt. „Ziel ist es, ein anwendungsorientiertes Weiterbildungsprogramm zu ermöglichen“, sagt Rachel.

Die Lernmodule dienen also nicht nur Forschungszwecken, sondern besitzen auch einen Mehrwert für Studierende, da die Ergebnisse in die Lehre an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg einfließen. „Wir wollen hier Praxis, Lehre und Forschung in einen Dreiklang für mehr IT-Sicherheit bringen“, fasst Rachel die Ziele des Lernlabors zusammen. Langfristig soll auf diese Weise auch dem Fachkräftemängel in der IT-Sicherheit entgegengewirkt werden.

Mit dem neuen Lernlabor sei der IT-Standort Bonn neben dem BSI oder dem Nationalen Cyber-Abwehrzentrum nun um eine Anlaufstelle reicher. Peter Martini, Institutsleiter des Fraunhofer FKIE, ist sich daher sicher: „Das Herz der Cybersicherheit schlägt in unserer Region.“